Lerntipps So wird es etwas mit der Fremdsprache – trotz Stay at home

Parlez-vous français? Do you speak Englisch? Spreek je Nederlands? - Sprachen lernen kann einen verrückt machen. Es macht aber auch großen Spaß!Parlez-vous français? Do you speak Englisch? Spreek je Nederlands? - Sprachen lernen kann einen verrückt machen. Es macht aber auch großen Spaß!
VeranoVerde

Osnabrück. Kein Erasmus, kein Auslandspraktikum, keine Reise – trotz alledem kannst du deine Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren. Stefan Serwe und Jan-Heinrich Brockmann vom Sprachenzentrum Osnabrück erklären, wie es mit der Fremdsprache klappt.

Räumen wir zu Beginn mit einem Mythos auf: Es ist nie zu spät, eine Fremdsprache zu lernen. Es stimmt zwar, dass Kleinkinder spielend leicht eine zweite Muttersprache lernen können. Aber auch Erwachsene können noch beeindruckende Kenntnisse entwickeln. Sie haben Kindern gegenüber sogar einen Vorteil: Erwachsene verfügen über Sprachwissen, vor allem Grammatik. Außerdem haben sie „Lernen gelernt“ – Erwachsene wissen in aller Regel, über welche Kanäle sie Informationen am besten aufnehmen und abspeichern können.

Zu wissen, welchem Lerntyp man angehört, sei einer der wichtigsten Aspekte beim Sprachenlernen. Das sagt Stefan Serwe, Geschäftsführer des Sprachenzentrums der Universität Osnabrück: „Um herauszufinden, zu welchem Lerntyp man gehört, sollte man in sich reinhören und sich fragen: Wie habe ich gelernt, Probleme zu lösen? Und welche Strategien und Techniken haben für mich beim Sprachenlernen bisher gut funktioniert?“

Je nach Lerntyp lassen sich dann vier Kanäle herausstellen, über die Sprachlerner:innen am besten Informationen aufsaugen: hören, lesen, fühlen und sehen. Keiner dieser Kanäle ist besser als der andere – es kommt einzig darauf an, sich eine individuelle Lernstrategie zu erarbeiten. Das hebt Jan-Heinrich Brockmann hervor, der den Lehrbereich Fremdsprachen für Alltag und Beruf des Sprachenzentrums leitet: „Ich bin zum Beispiel ein visueller Lerntyp, nehme deshalb am besten Informationen über Mindmaps und Flowcharts auf. Lernkarteien funktionieren bei mir weniger gut“, erzählt Brockmann.

Für den Urlaub oder den Job?

Genauso wichtig, wie den eigenen Lerntyp zu kennen, ist beim Sprachenlernen ein weiter Aspekt: sich Ziele zu setzen. „Man sollte genau definieren, was man mit der Sprache erreichen möchte: Will ich Texte lesen können oder auch das Hörverstehen trainieren?“, sagt Serwe.

Den Lernprozess können aber konkrete Anlässe vorgeben: Ob Spanisch fürs Praktikum in Madrid oder Tschechisch für den Kurztrip nach Prag – je nachdem, welche Situationen man in der Fremdsprache bewältigen möchte, ist das Ziel des Spracherwerbs ein gänzlich anderes.

Apps für den Einstieg

So oder so: „Sprachlern-Apps eignen sich sehr gut für den Einstieg in den Spracherwerb“, findet Brockmann. „Dadurch kann man in kurzer Zeit erste Vokabeln und Phrasen lernen.“ Allerdings steht bei den Apps auch eines fest: Sie ersetzen nie einen strukturierten Spracherwerb, der im Fremdsprachenunterricht geleistet wird.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: „Die Apps sind didaktisch eher traditionell. Die Lernenden müssen zum Beispiel Lückentexte ausfüllen, Vokabellisten vervollständigen oder Grammatikregeln lernen“, kritisiert Serwe, der allerdings auch gute Angebote aus dem World Wide Web kennt: „Auf der Website Talk Korean to Me zum Beispiel kann man sogar Zertifikate für Koreanisch erwerben. Das ist aber ein ausgefeiltes und zahlungspflichtiges Angebot“, hebt der Sprachwissenschaftler hervor.

Konkrete Anlässe suchen

Beim Stichwort Internet hat Brockmann aber noch einen weiteren Tipp für alle Sprachlerner:innen: Gerade in den sozialen Medien könne man konkrete Themen recherchieren, die eine:n interessieren. Durch diesen Anlass könne man sich dann in der Fremdsprache mit anderen User:innen austauschen und damit die soziale Interaktion ersetzen, die im Zeitalter von #StayAtHome nicht so einfach möglich ist. Ein Beispiel? „Vor kurzem ging auf TikTok ein Shanty um. Das hat die TikToker dazu veranlasst, sich mit Shantys, Seefahrt und Seemannsbrauchtum auseinanderzusetzen“, erklärt Brockmann.

Hierbei kommt eine weitere Stärke des Internets zum Vorschein: Weil es keinen Halt an nationalen Grenzen macht, lernt man verschiedene Sprachvarianten kennen. „Es wird ja nicht bloß ein Englisch gesprochen, sondern verschiedene Varietäten, die man übers Internet sehr leicht kennen lernen kann“, meint Jan-Heinrich Brockmann. Hilfreich sei da besonders YouTube. Einen Nachteil hat das Ganze trotz alledem: Beim Sprachenlernen mehr oder weniger auf sich alleine gestellt zu sein, ist mühseliger. Auf Reisen, sozialen Austausch im Klassenraum oder direktes Feedback müssen wir derweil verzichten.

Doch gerade dadurch gewinnen jedoch Routinen beim Lernen an Bedeutung, findet Stefan Serwe: „An einem Kurs teilzunehmen, gibt einem eine gewisse Routine.“ Auch für Selbstlerner:innen sei es wichtig, regelmäßig zu lernen. Serwe ergänzt: „Wichtig ist es, über seinen Schatten zu springen und auch Fehler zuzulassen. Am besten hat man einen Partner, der zum richtigen Zeitpunkt Verbesserungsvorschläge unterbreitet.“

Fünf Faustregeln für den Spracherwerb

Das solltest du wissen
  1. Lerntypen kennen(lernen): Beobachte dich einmal selbst: Nimmst du beim Hören, Lesen, Sehen oder Fühlen am besten Informationen auf?
  2. Ziele abstecken: Setz dir ein Ziel. Möchtest du bloß ein Bier auf Schwedisch bestellen oder auch E-Mail beantworten können?
  3. Timings setzen: Teil dir die Zeit ein und entwickle Routinen. Vielleicht kannst du dir (online) eine:n Tandempartner:in suchen. Sie oder er kann dich beim Spracherwerb unterstützen.
  4. Methoden checken: Apps und kostenfreie Angebote im Internet eignen sich für den Einstieg. Mittel- und langfristig solltest du aber an einem (Selbstlern-)Kurs teilnehmen.
  5. In den Alltag integrieren: Wenn du die Sprache schon etwas beherrschst, kannst du zum Beispiel ein Buch im Original lesen oder eine Doku (mit Untertiteln) schauen. Worum es geht, ist im Grunde egal.

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