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Was braucht es, um glücklich zu sein? Philosophen haben das Glück interpretiert – finden muss man es selbst

Unser Autor fragt sich: Was braucht es, um glücklich zu sein?Unser Autor fragt sich: Was braucht es, um glücklich zu sein?
Kateryna Kovarzh

Osnabrück. „Ich komm zum Glück aus Osnabrück“, lautete vor Jahren eine Kampagne, die das Glück lokal verortet hat. Und damit zu kurz griff. Denn die Herkunft oder der Wohnort allein machen noch nicht glücklich.

Wie man leicht das Gegenteil erreicht, hat der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick bereits in den Achtzigerjahren in seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschrieben. Aber gibt es auch eine Anleitung zum Glücklichsein? Jedenfalls keine allgemeingültige, denn dazu ist die Definition von Glück zu subjektiv und zu individuell, sind sich die heutigen Glücksforscher einig.  

Glücksfaktoren

Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 zum „Tag des Glücks“ nannten aber immerhin ein Viertel aller Deutschen die Geburt des eigenen Kindes als glücklichstes Ereignis ihres Lebens, gefolgt vom Kennenlernen des Partners, einer bestimmten Reise oder eines besonderen Erlebnisses mit der Familie oder mit Freunden. Das widerspricht nicht der landläufigen Auffassung, dass „jeder seines Glückes Schmied“ ist. Zumindest gilt das für das eigene Lebensglück, das vom reinen Zufallsglück - etwa im Spiel - unterschieden wird. Faktoren wie Familie, Liebe, Gesundheit, Beruf und Finanzen haben sich dabei als einflussreich auf das persönliche Glücksempfinden erwiesen.

Die Seele im Gleichgewicht

Dabei geht es aber auch ganz einfach. Vom französischen Schriftsteller Maurice Barrès stammt der Satz, dass Glück im Grunde nichts anderes ist als „der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt“. Die alten Griechen waren da über diese Minimaldefinition hinaus schon etwas anspruchsvoller. So betrachtete etwa Aristoteles die Glückseligkeit als das „vollkommene und selbstgenügsame Gut und Endziel“ allen menschlichen Handelns. Für Platon konnte nur derjenige glücklich sein, der es schafft, Vernunft, Wille und Begehren als Dreifaltigkeit der menschlichen Seele miteinander ins Gleichgewicht zu bringen.

Epikur machte es sich da wiederum leichter, indem er Glück einfach als „Erleben von Lust“ bei gleichzeitiger „Abwesenheit von Schmerz“ definierte – eine hedonistische, aber auch egozentrische Auffassung, die heutzutage weit verbreitet ist. Der chinesische Philosoph Lao-Tse schließlich sah das wahre Glück darin, genügsam zu sein und damit aufzuhören, dem vermeintlichen Glück oder irgendwelchen anderen Zielen rast- und ruhelos hinterherzulaufen. So scheint der mit Abstand älteste Versuch, das Glück zu fassen, der passendste zu sein in einer Zeit, in der uns eine Pandemie dazu zwingt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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Im Grünen oder in der City: Wo finden die Osnabrücker ihr Glück?

Kunsthallen-Leiterin Juliane Schickedanz und Schauspieler Stefan Haschke berichten
Glück auf dem Markt: Stefan Haschke, Schauspieler am Theater Osnabrück
Das Glück eines Schauspielers liegt auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sollte man meinen. Aber seit mehr als einem Jahr ist das nicht so einfach. Zum Glück kennt Schauspieler Stefan Haschke vom Theater Osnabrück noch so einige andere Orte in der Stadt, an denen er Glücksmomente erlebt. Da ist zum Beispiel der Wochenmarkt auf dem Domhof, den er regelmäßig besucht. „Wenn das Wetter gut ist und die Sonne scheint, fühlt man sich dort wie in Frankreich“, schwärmt er von der Kulisse: „Wir können uns in Osnabrück glücklich schätzen, so einen schönen zentralen Treffpunkt zu haben“. In Theaterzeiten wird dort auch regelmäßig mit Kollegen „backfrisch und wenn nötig mit Backfisch“ gefrühstückt, bevor es zu dem Proben ins Große Haus gleich gegenüber geht. Aber auch die Märkte im Schinkel, rund um die Katharinenkirche, am Riedenbach und freitags mit frischem Fisch in Bad Iburg nutzt der ehemalige Hamburger, um für seine große Leidenschaft einzukaufen: Vor acht Jahren hat er nicht zuletzt durch seine Frau, die aus Italien stammt, das Kochen für sich entdeckt und seitdem „massiv weiterentwickelt“, wie er sagt: „Inzwischen muss ich drei Beutel mit auf den Markt nehmen“. Glücklich fühlt sich der auch aus Fernsehserien wie Wilsberg bekannte Schauspieler aber ebenso in seinem Osnabrücker Wohnviertel. „In der Gartlage herrscht eine tolle, Generationen übergreifende Nachbarschaft“, schwärmt er. Den Skaterpark an der Liebigstraße, den seine beiden Kinder aktiv nutzen, hat er von der Wohnung aus stets im Blick. Sein Glück geht nicht nur durch den Magen, sondern auch durch die Stadt: „Immer, wenn ich irgendwo zufällig Menschen treffe, die ich kenne, - und das ist in Osnabrück nicht schwer - empfinde ich Glück“, sagt der Schauspieler.
Glück im Grünen: Juliane Schickedanz, Leiterin der Kunsthalle Osnabrück
Die Kunst zu entspannen lernt und praktiziert Julia Schickedanz derzeit in ihrer neuen Heimat Osnabrück. Zu Beginn des Jahres 2020 hat sie, aus Leipzig kommend, gemeinsam mit ihre Kollegin Anna Jehle die Leitung der Kunsthalle in der Dominikanerkirche übernommen. Dann kam Corona - und seitdem weiß sie die Stadt als idealen Standort für ein Leben mit der Pandemie zu schätzen. Glücklich fühlt sie sich, wenn sie den Weitblick vom Westerberg aus genießen kann, im Bürgerpark spazieren geht, durch die Altstadt flaniert oder auch mal mit dem E-Roller durch die Straßen fährt. „Gerade habe ich am Haseufer einen neuen Auslauf entdeckt“, sagt die Museumschefin. Und: Nicht nur die Stadt sei „wie gemacht“, um rauszugehen, sondern auch das Umland. „Man ist schnell raus, kann im Teuto wandern oder große Blumenfelder genießen“, beschreibt sie typische Glücksgefühle im Osnabrücker Land. In der Stadt selbst schätzt sie es auch, „unterwegs immer nette Leute zu treffen und mit ihnen hier und dort mal einen Kaffee zu trinken“. Auch, dass im vergangenen Sommer trotz Corona der Neuauftakt der Kunsthalle gelungen ist und sie zusammen mit ihrer Kollegin eine „erste Wegmarke“ ihrer Arbeit setzen konnte, empfindet die neue Leiterin als einen besonders glücklichen Moment. „Ich bin dankbar für das tolle Team, den starken, solidarischen Austausch mit vielen klugen und kreativen Köpfen und die technischen Möglichkeiten, die wir hier haben“, sagt sie. Überhaupt empfindet sie es als Vorteil in der Pandemie, über das Internet ferne Freunde sehen und mit ihnen im Austausch bleiben zu können – bis hin zu ihren Eltern in der heimatlichen Uckermark. Ansonsten ist die Museumsdirektorin aber auch glücklich darüber, „einfach mal Zeit zu haben und nichts zu machen“.



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