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Bad Essen: Wechselvolle Zeiten

Vom kriegsgebeutelten Dorf zum modernen Gesundheitsstandort

Das Wittlager Land war seit jeher von der Landwirtschaft geprägt. Beim Historischen Markt wird das verdeutlicht. Foto: Niels Wagner
Das Wittlager Land war seit jeher von der Landwirtschaft geprägt. Beim Historischen Markt wird das verdeutlicht. Foto: Niels Wagner

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ im Wittlager Land tiefe Spuren. Auch Bad Essen war von Plünderungen, Bränden und Seuchen betroffen. Die Truppen schlugen ihre Winterquartiere in der Region auf, was zu Verwüstung und großer Armut führte. Erst der Westfälische Friede von 1648 brachte den Pfarrkirchen der Region religiöse Stabilität und markierte das Ende dieser verheerenden Epoche.

Trotz aller Zerstörung konnte sich die Gemeinde im 18. Jahrhundert wirtschaftlich erholen. Zahlreiche Fachwerkhäuser aus dieser Zeit prägen bis heute das historische Ortsbild. Doch neue Umbrüche standen bevor: Unter napoleonischer Herrschaft wurde Essen ab 1811 Teil des französischen Départements de l'Ems supérieur. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft, und moderne Verwaltungs- und Rechtssysteme wie der „Code Napoleon“ eingeführt. Nach den Befreiungskriegen ab 1813 kehrten Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Bauern zurück. Von 1815 bis 1866 herrschten die Welfen des Königshauses Hannover über die Region, bis die Regentschaft mit der Schlacht von Langensalza endete.

1848 kam es zu einem Aufstand der besitzlosen Heuerleute, die bei der Aufteilung der Marken leer ausgegangen waren. Heuerleute waren besitzlose Landarbeiter, die Dienste für die Bauern erbrachten und dafür in den Heuerlingshäusern wohnen und ihr Vieh auf der Allmende, dem Gemeinschafts- oder Genossenschaftsbesitz, weiden durften.

Mit Aufteilung der Marken entfielen die Allmende und damit Weidegrund für die Heuerlinge. Während die Bauern sich nach dem Ablösungsgesetz von 1832 durch Kapitalzahlungen von ihrer Eigenbehördigkeit freikaufen konnten und ihr Land behielten, blieben den Heuerleuten nur ihre Verpflichtungen. Aus Wehrendorf, Essen, Lockhausen, Harpenfeld und Eielstädt schlossen sie sich zusammen und setzten den Erlass eines Gesetzes „Betr. die Heuerleute im Fürstentum Osnabrück“ durch, der jedoch keine wirkliche Besserung brachte. Geprägt war Essen seit jeher von der Landwirtschaft. Durch die beginnende Industrialisierung war zudem das heimische Leinengewebe bedroht, sodass viele Heuerlinge nach Amerika auswanderten.

Unternehmen aus der Region

Mit der Reichsgründung 1871 und der Bildung des Kreises Wittlage 1885 setzte eine neue Ära ein. Zwar blieb die Landwirtschaft bis zum Zweiten Weltkrieg prägend, doch nach 1945 entwickelte sich aus kleinen Handwerksbetrieben zunehmend Industrie. Gleichzeitig wuchs Bad Essen im 20. Jahrhundert zu einem anerkannten Gesundheitsstandort heran. ue/pm

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