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Ornithologen freuen sich Sensation im Meller Bruch: Störche identifiziert

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Zwei Nahrung suchende Weißstörche: Der eine trägt einen Ring am rechten Bein. Es erfordert viel Geduld, um den Code mit einem Fernglas abzulesen. Foto: Uwe SchneiderZwei Nahrung suchende Weißstörche: Der eine trägt einen Ring am rechten Bein. Es erfordert viel Geduld, um den Code mit einem Fernglas abzulesen. Foto: Uwe Schneider

Woher stammen die Weißstörche, die im vergangenen August auf ihrem Zug ins Winterquartier Station im Nemdener Bruch gemacht haben. Darauf gibt es jetzt eine wissenschaftlich belegte Antwort, die Ornithologen als Sensation bezeichnen.

Es ist schon sensationell, was Ornithologe Werner Schott bei seinen Beobachtungen im Bruch bei Westerhausen ans Tageslicht gebracht hat: Acht Weißstörche einer 16 Tiere umfassenden Gruppe waren beringt.

Nicht nur das: „Die individuelle Kennzeichnung konnte sogar in allen Fällen abgelesen werden“, freut sich Volker Tiemeyer von der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON). Eine Mitteilung des Institutes für Vogelforschung in Wilhelmshaven, die aus ihrer Zentraldatenbank die Herkunft der Tiere anhand der von Schott gemeldeten Daten ermitteln konnte, bestätigt, wie einzigartig sich diese illustre Schar zusammensetzt.

Hinter jedem der mit unspektakulären Nummern wie 0X 942 oder 1T 236 gekennzeichneten Störche verbirgt sich eine kleine Geschichte. Dass die Tiere letztlich identifiziert werden können, ist dank moderner Technik mit Ferngläsern mit einer bis zu 30-fachen Vergrößerung möglich.

Die Tiere, die bei Westerhausen rasteten und ausgiebig nach Nahrung suchten, stammten beispielsweise aus Braunschweig, Nordhorn, Münster oder dem nahen Waldzoo von Osnabrück. Einer der Störche war bei der Ablesung sechs Jahre alt, ein weiterer erst wenige Tage zuvor in einem Horst in Stemwede-Destel von seinen Eltern groß gezogen worden.

Florian Seifert von der SON ist begeistert: „Die Ergebnisse der Ringablesungen führen uns auf spektakuläre Weise vor Augen, wie bunt sich ein Meller Storchen-Trupp zusammensetzen kann, was Herkunft und Alter der Einzeltiere anbelangt. Absolut erwähnenswert ist zudem, dass sowohl diesjährige Vögel gemeinsam mit Alttieren vergesellschaftet unterwegs waren. Die Lehrmeinung ist eher die, dass Jung- und Altvögel des Weißstorches getrennt gen Süden streben.“ Das hat sich auf dem „Tummelplatz“ im Nemdener Bruch nun nicht bestätigt.

„Verblüffend ist nicht nur der hohe Anteil beringter Störche, sondern auch, dass rund 40 Prozent dieser Störche Populationen entstammen, die als halbzahme Bestände in oder am Rande von Zoos leben“ ergänzt Volker Tiemeyer, der gemeinsam mit Seifert die Daten des Instituts für Vogelforschung ausgewertet hat.

Bereits seit einigen Jahren vermutet die SON, dass größere Storchen-Ansammlungen in Melle in Zusammenhang mit den halb zahmen Beständen in den Zoobereichen von Osnabrück, Münster und Rheine stehen. Mit rund 80 Brutpaaren ist die Kolonie im Naturzoo bei Rheine die wahrscheinlich größte in ganz Deutschland. So sei es nicht verwunderlich, wenn Tiere aus dieser Kolonie auch in Melle auftauchen, denn die Überwindung der räumlichen Distanz zwischen Rheine und Melle stellt für Störche keine Herausforderung dar, meint Tiemeyer. „Die Ablesung von im Umfeld von Zoos aufgewachsenen und beringten Weißstörchen wie aktuell im Nemdener Bruch erhärtet unsere Vermutung jetzt sehr anschaulich, dass das vermehrte Auftreten von Weißstörchen auch unter diesem Aspekt zu interpretieren ist“, betont o Seifert.

Welche Konsequenzen, wie beispielsweise atypische Verhaltensweisen, die Durchmischung von wild lebenden mit zahmen, fütterungsabhängigen Störchen für den Fortbestand des Weißstorches in Melle haben wird, ist noch ungewiss. Daran soll weiter geforscht werden.

„Ein großer Dank gilt allen Lesern, die mit aufmerksamen Augen durch die Natur gehen und der SON unzählige äußerst hilfreiche Mitteilungen machen. Das aktuelle Beispiel der beringten Störche zeigt einmal mehr, wie viele neue Erkenntnisse für den Vogelschutz gewonnen werden können, wenn Vögel aufmerksam beobachtet und beringte Tiere gemeldet werden“, freut sich Tiemeyer.


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