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21.01.2016, 18:05 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Alte und neue Geister

Kommentar von Franziska Kückmann

Der Anschlag auf eine Universität im Nordwesten Pakistans zeigt einmal mehr, wie sehr der Regierung in Islamabad das Terrorproblem über den Kopf wächst. In dieser Region hat die Staatsgewalt so gut wie keinen Einfluss. Vorstöße des Militärs werden blutig gerächt – wie bereits beim Massaker in einer Schule im Dezember 2014 oder dieses Mal mit dem Überfall auf die Universität.

Viel zu lange ist das Land dem Irrglauben gefolgt, zwischen nützlichen Taliban – den afghanischen – und feindlichen Taliban – den pakistanischen – unterscheiden zu können. Weil Islamabad sich das Wohlwollen der afghanischen Extremisten aus strategischen Gründen erhalten will, hat es die einheimischen Taliban lange schalten und walten lassen. Dem wird die Regierung nun nicht mehr Herr.

Der Staat kämpft also gegen die Geister, die er rief. Und gegen neue: Die IS-Terrormiliz fasst immer stärker Fuß in Afghanistan und Pakistan. Ihr Vorrücken erzeugt einen Konkurrenzdruck, der die Extremisten zu noch grausameren Taten antreibt, um die jeweils eigene Stellung zu verteidigen.

Die pakistanische Regierung wiederum versagt im Versuch, dem Terror den Nährboden zu entziehen. Sie reagiert mit gnadenloser Härte wie Massenhinrichtungen. Doch sie schafft es nicht, dem Terror in den Stammesgebieten mit Bildung und Infrastruktur entgegenzuwirken.


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