Fernsehkonsum in Deutschland Über welche Medien informieren sich Migranten?

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Beliebter russischer Sender RT. Foto: imago/ITAR-TASSBeliebter russischer Sender RT. Foto: imago/ITAR-TASS

Osnabrück. Etwa 2,7 Millionen türkischstämmige Mitbürger leben in der Bundesrepublik, teilweise schon seit Jahrzehnten. Rund 20 Prozent der deutschen Einwohner haben einen Migrationshintergrund. Doch über den Medienkonsum der Migranten wissen die wenigsten Bescheid.

Zwar ist der Film „ Recep Ividek 4“ mit über einer halben Million Zuschauern der erfolgreichste türkische Film in den deutschen Kinos. Die meisten Deutschen haben jedoch trotz dieses Erfolges noch nichts von ihm gehört. Dabei haben türkische Filme längst einen festen Platz in der hiesigen Medienlandschaft. Das zeigt etwa die regelmäßige Auszeichnung mit „Bogeys“, mit denen das Branchenblatt „Blickpunkt: Film“ Kassenerfolge auszeichnet. Das sind in der Regel Hollywood-Blockbuster oder Til Schweiger-Filme.

Doch abseits der Kinofilme: Aktuelle und detaillierte Zahlen über den Medienkonsum von Ausländern, etwa was den Fernsehkonsum angeht, gibt es bislang kaum. Die Einschaltquoten zum Beispiel ermittelte die Nürnberger GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zwar täglich, aber bisher nicht für Nicht-EU-Bürger. Erst Anfang 2016 änderte sich dies.

Nicht erfasst werden aber weiterhin die Marktanteile ausländischer Sender. Dabei sind sie längst Teil der Medienlandschaft, wie etwa auch deutsche Kabelfirmen beweisen, die längst türkische Medienpakete anbieten. Und auch via Satellit und Internet lassen sich Programme von außerhalb bequem abrufen.

Auch russische Medien werden quotentechnisch nicht untersucht. Wie etwa der von Moskau finanzierte Sender „RT“, der viele Russlanddeutsche und in seiner deutschsprachigen Variante auch deutsche Zuschauer erreicht. Dabei verdient gerade „RT“ eine besondere Beobachtung,  wird dem Sender doch oft Propaganda und einseitige Berichterstattung vorgeworfen, wie etwa zur Ukraine-Krise. Einschaltquoten

Bildet sich also hier, unbemerkt von der Statistik und der Politik, eine mediale Parallelgesellschaft?  Eine „ARD/ZDF-Studie Migranten und Medien“ aus dem Jahr 2011 kommt dabei zu dem Ergebnis: Je integrierter Migranten sind und je besser sie Deutsch verstehen, desto mehr nutzen sie auch deutsche Medien.

Doch was ist mit Menschen, die gerade erst angekommen sind? Um sie zu erreichen, bieten deutsche Sender ein spezielles Medienangebot an. So sendet etwa das „Funkhaus Europa“ unter Federführung des WDR Radiosendungen in 14 verschiedenen Sprachen, von Bosnisch, Griechisch und Russisch bis Portugiesisch. Auf Arabisch und Englisch bietet ein „Refugee Radio“  Nachrichten und Informationen speziell für Flüchtlinge in Deutschland.

Seit Kurzem ist auch der arabische Dienst der „Deutschen Welle“ in Mitteleuropa empfangbar. „ DW Arabia „ soll helfen, journalistisch-neutrale Nachrichten weiterzugeben, die über die oft religiös oder politisch eingefärbten arabischsprachigen Satellitenprogramme nicht zu erhalten sind.

Auch der Nachrichtensender „n-tv“ richtet sich unter dem Titel „Marhaba“ (arabisch für „Hallo“) an Flüchtlinge: So erklärt der Journalist Constantin Schreiber in fließendem Arabisch und mit deutschen Untertiteln hiesige Kultur-Eigenheiten und Sitten – wie aktuell etwa den Karneval.


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