Verteidiger wittert Komplott Frau gewürgt: Urteil gegen Emsländer bestätigt

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Das Landgericht Osnabrück hat das Urteil des Amtsgerichts Papenburg gegen einen 34-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland bestätigt. Symbolfoto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat das Urteil des Amtsgerichts Papenburg gegen einen 34-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland bestätigt. Symbolfoto: Michael Gründel

Papenburg/Osnabrück. Das Urteil gegen einen 34-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland, der seine Frau mehrfach gewürgt haben soll, bleibt bestehen.

Mit der Berufung vor dem Landgericht Osnabrück hatte der Mann keinen Erfolg. Nach sechs Verhandlungstagen und einer umfangreichen erneuten Beweisaufnahme kam das Berufungsgericht zu keinem anderen Urteil als das Amtsgericht Papenburg, nämlich einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung. Sie ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt und mit Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 600 Euro verknüpft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Frau in Todesangst

Auch das Landgericht kam zu der Überzeugung, dass der Mann im Juni 2013 seine Frau in einem Anfall von Eifersucht angegriffen und zweimal gewürgt hat, davon beim zweiten Mal so heftig, dass die Frau Todesängste erlitt und Würgemale am Hals davontrug. Beim Fluchtversuch habe der Mann die Frau zu Fall gebracht, ihr eine Schere gegen die Halsschlagader gedrückt und gedroht, zuzustechen, wenn sie bei ihrer Trennungsabsicht bleiben würde. Der älteste Sohn des Paares kam hinzu und habe dem Vater die Schere entrungen.

In Frauenhaus geflüchtet

Bei einem weiteren Vorfall im April 2014 hatte der Mann nach Auffassung des Gerichts damit gedroht, sie „aufzuschlitzen“, wenn sie nicht eine bestimmte Unterschrift leiste. Laut Gericht zog er einen S-Haken hervor, wie er zum Aufhängen von Schweinehälften verwendet wird, und stellte drohend fest, dass der sie schon tragen werde.

Es gelang der Frau, die Polizei zu alarmieren, die die Unterbringung im Frauenhaus für sie und die Kinder organisierte. Von dort aus erstattete sie Strafanzeige gegen ihren Mann. Der Beschuldigte hat sich bis zuletzt nicht selbst zu den Vorwürfen geäußert, aber sie durch seinen Verteidiger bestreiten lassen.

„Privater Rosenkrieg“

Der Verteidiger hatte auf Freispruch für seinen Mandanten plädiert. Er könne nicht ausschließen, dass die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftretende Ehefrau ihre Kinder und andere Blutsverwandte in deren Aussageverhalten beeinflusst und gleichsam ein Komplott gegen ihren Ex-Mann geschmiedet habe, um „den privaten Rosenkrieg mit Mitteln des Staates weiter durchzuziehen“, wie der Verteidiger es ausdrückte. Jedenfalls lasse das Aussageverhalten des ältesten Sohnes keinen anderen Schluss zu, als dass er „von außen Eingeimpftes“ fehlerhaft wiedergegeben habe. Auch die Aussagen der Frau selbst ließen Zweifel aufkommen, ob sich das alles wirklich so zugetragen habe wie von der Anklage behauptet, so der Verteidiger weiter.

Vorwürfe im Kern bestätigt

Der Vorsitzende Richter hob in der Urteilsbegründung hingegen hervor, dass die Vorwürfe der Anklage „im Kerngeschehen bestätigt“ worden seien und keine durchgreifenden Zweifel bestünden. Wenn die Ehefrau manche Details unterschiedlich geschildert habe, so sei das dem Zeitablauf von zweieinhalb Jahren und ihrem inneren Wunsch geschuldet, endlich Abstand zu den Ereignissen zu gewinnen.

Wegen der zutage getretenen „beachtlichen Brutalität“ sei die Strafzumessung richtig, auch wenn der Angeklagte sich bislang nichts habe zuschulden kommen lassen. Der Richter befürchtete psychische Spätfolgen bei den Kindern, die die Aggressionen mitbekommen hätten.


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