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Tippspiel
Die Getriebene
Osnabrück. Es ist eines der vielen Jubiläen des „Tatort“: Am Sonntag ist Ulrike Folkerts zum 50. Mal als Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal zu sehen. Einiges hat es in den Jahren nur einziges Mal gegeben.
Gleich ihr erster „Tatort“ dürfte in einer Hinsicht einzigartig bleiben: Als Ulrike Folkerts am 29. Oktober 1989 in der geistreich betitelten Folge „Die Neue“ ihr Debüt als Lena Odenthal gibt, trägt sie Rock – und hängt ihn anschließend für alle Zeiten in den Kleiderschrank. In dem Krimi geht es um einen Serienvergewaltiger, einer der Fälle endet tödlich. Und da die Stelle von Hanne Wiegand (Karin Anselm) noch nicht wieder besetzt ist, wird Lena erst mal kommissarische Leiterin der Ludwigshafener Mordkommission . Vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme der Redaktion – für den Fall, dass man aus der „Neuen“ doch nicht die Alte werden lassen will.
Doch die anfänglichen Befürchtungen sind unbegründet. Zwar ist der erste Odenthal-„Tatort“ längst nicht der beste und auch seit über zehn Jahren außerhalb des SWR-Sendegebiets nicht mehr wiederholt worden. Dennoch kämpft sich die neue Kommissarin im wahrsten Sinne des Wortes durch: „Schnell wurde ich zum weiblichen Schimanski“, erinnert sich Folkerts in einem Interview. „Lena war aufmüpfig, prügelte sich und fuchtelte mit der Knarre rum. In den ersten vier Jahren musste ich beweisen, dass dieser Typ von TV-Kommissarin glaubwürdig ist. Zuerst gab es noch Briefe von Zuschauern, die nicht glauben wollten, dass eine Frau nachts alleine mit der Pistole durch die Gegend läuft und solo ermittelt.“ Lena rennt und schwimmt und rennt. Und wirkt in manchen Folgen getriebener als die Mörder, die sie jagt.
Fast sieben Jahre lang ist Lena Odenthal auf sich allein gestellt. Erst in ihrem zehnten „Tatort“, der Folge „Der kalte Tod“, wird ihr 1996 mit Mario Kopper (Andreas Hoppe) ein Assistent zur Seite gestellt, der sich mittlerweile mit seiner Chefin die Wohnung und den Kater teilt. Dessen Darsteller musste übrigens schon zweimal ausgetauscht werden, Lena Odenthal ist einfach zu zäh und langlebig für ihn.
Schon früh hat sich Ulrike Folkerts zu ihrer Homosexualität bekannt, seit einiger Zeit lässt sie sich auch mit ihrer Lebensgefährtin Katharina Schnitzler in der Öffentlichkeit sehen, gemeinsam haben die beiden ein Buch über das Glück veröffentlicht. Im „Tatort“ aber verliebt sich Lena Odenthal im Laufe der Jahre fünfmal in einen Mann, nur ein einziges zaghaftes Mal gibt sie der lesbischen Liebe eine Chance: In der Folge „Fette Krieger“ (15. 7. 2001) küsst sie sich mit Mona (Sandra Borgmann), der Freundin des Mordopfers. In der Boulevardpresse schlägt dieser Kuss hohe Wellen, „Bild“ berichtet: „Kein angedeutetes Küsschen, sondern ganz lang und intensiv.“ Und veranstaltet gleich eine Promi-Umfrage nach dem Motto „Darf die das?“. Da schlagen sich zwar die meisten Befragten auf die Seite der Schauspielerin, doch ein Schlagerfuzzi namens Gottlieb Wendehals darf öffentlich pöbeln: „Ich finde es empörend und abstoßend, dass da eine Lesbe in der Öffentlichkeit ihren Sex auslebt.“
Ulrike Folkerts zieht die Konsequenzen. In einem Interview mit unserer Zeitung erklärt sie die Homosexualität für Lena Odenthal zum Tabu: „Ich habe mich dagegen entschieden. Diese Vermischung ist mir zu nah an mir selbst.“
Und noch etwas hat es nur einmal gegeben: Am 10. Februar 2008 sieht die ARD-Programmplanung die „Tatort“-Folge „Schatten der Angst“ um einen Ehrenmord unter Türken vor. Doch eine Woche vorher brennt in Ludwigshafen ein von Türken bewohntes Haus, neun Menschen kommen ums Leben. Das Erste verzichtet kurzfristig auf die Ausstrahlung des „Tatorts“ und sendet ihn erst knapp zwei Monate später. Zum Glück, denn „Schatten der Angst“ ist bis heute der vielleicht beste Lena-Odenthal-“Tatort“.
Der 50. Fall zeigt nun eine maßgebliche Veränderung des „Tatort“ auf: Es geht nicht mehr um einen Serienvergewaltiger – nein, es muss gleich ein Serienmörder sein, der es – und da ist die Parallele – wieder nur auf Frauen abgesehen hat. Eine nach der anderen muss sterben, und die Letzte auf der Liste des Mörders ist – natürlich – Lena Odenthal. Der „Tatort“ ist drastischer geworden in all den Jahren – besser als die meisten anderen ist die Jubiläumsfolge allerdings nicht.
Am Sonntag um 20.15 Uhr strahlt die ARD den 50. „Tatort“ mit Ulrike Folkerts aus: „Hauch des Todes“.
Nächsten Freitag geht es um den „Tatort“ als Exportartikel.
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