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Im Ballon auf Reisen
Das Tannheimer Tal in Tirol lässt sich aus verschiedenen Perspektiven erkunden. Schneeschuhwandern und Ballonfahren sind zwei Möglichkeiten.
Keine Wolke trübt den blauen Himmel. Die Sonne lässt tausende Sterne auf dem gefrorenen Schnee tanzen. Die hinterlassenen Spuren der Schneeschuhwanderer sind nicht die einzigen. Immer wieder kreuzen Fährten von Hirschen, Rehen und Hasen den Weg. Zwischen den Wiesen verläuft eine Langlaufloipe, auf der reger Betrieb herrscht. „Der Vorteil des Schneeschuhwanderns ist, dass man nicht immer die Spur halten muss“, meint Carola. „Eine tolle Alternative zum Langlauf, bei der man auch ganz schön ins Schwitzenkommt.“
In den sechs Ferienorten des Tannheimer Tals – Grän-Haldensee, Nesselwängle-Haller, Schattwald, Tannheim, Zöblen und Jungholz – leben 3.100 Einwohner. Es gibt 7.300 Gästebetten. Doch wer Remmidemmi und gigantische Diskos für Après-Ski sucht, der ist hier falsch. Es ist das Tal für Familien und ruhige Genießer. 72 Kilometer Wanderwege sind geräumt. Das Loipennetz für Langlauf (klassische Technik und Skating) umfasst 140 Kilometer mit einem Höhenunterschied von maximal 50 Metern. Für Alpin-Ski stehen 55 Kilometer präparierte Pisten zur Verfügung. Und das 1.100 Meter hoch gelegene Tal geizt nicht mit alljährlich wiederkehrenden Events: Internationales Ballonfestival und Ballonglühen, Schlittenhunderennen, Langlaufwettbewerb Ski- Trail, Laternenläufe, Nordic- Fitness-Woche. Sechs Ski-Kinderländer sorgen für genügend Abwechslung für die Jüngsten.
Vor ein paar Tagen kamen die ersten Kleinbusse mit Anhängern ins Tal. Zwei Wochen lang wird 25 Heißluftballons der Himmel gehören. Hobby- Ballonfahrer aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich jedes Jahr im Januar in Tannheim, um einmal am Tag in die Luft zu gehen. Rudi Höfer, ein ehemaliger Polizist aus Schwäbisch Hall, organisiert das Festival seit 16 Jahren. „In den Bergen ist Ballonfahren nur im Winter möglich“, berichtet Höfer. „Man braucht Hochdruckwetter mit geringer Thermik.“ Für Einheimische und Urlauber, die mal hoch hinauswollen, ist in dem einen oder anderen Weidenkorb immer ein Plätzchen frei.
Pilot Peter Pohl und seine Crew vom Ballonteam „Pik- As“ haben bereits den Korb Vom Hänger gehoben und beginnen, die endlos erscheinende Ballonhülle auszurollen. Eine Gebläsemaschine drückt kalte Luft hinein. Der lange Wulst wird langsam dicker und nimmt Form an. Der Brenner erhitzt die Luft, bis sie warmgenug ist und der Ballon sich aufrichtet. „Glück ab und gut Land!“, ruft Peter, hauptberuflich Bestattungsunternehmer in Friedrichshafen am Bodensee, und lässt den Brenner zischen. Schon steigt der Ballon lautlos wie ein Fahrstuhl nach oben. „Zwei Meter pro Sekunde geht es aufwärts“, sagt Peter und kontrolliert ständig Windrichtung und -geschwindigkeit. Schon schwebt der Ballon über der weißen Barockkirche St. Nikolaus, der zweitgrößten Kirche Tirols. Kein Laut ist zu hören. Nur ab und zu durchbricht das Geräusch des Brenners („Schschsch“) die Stille. Aus 2.500 Meter Höhe ist der Forggensee bei Füssen klar zu erkennen, aber die Ballone bewegen sich kaum vorwärts. Sie drehen ihre Runden durchs Tal, werfen ihre Schatten auf den Halden- und den Vilsalpsee, ziehen an den Bergspitzen von Einstein, Gimpel und Roter Flüh vorbei. Straßen wirken wie eine Modellanlage, auf der sich Spielzeugautos überholen. Auf dem 1.862 Meter hohen Neunerköpfle sausen Alpin-Skiläufer die Hänge hinab. Paraglider schwingen sich in die Luft und gleiten zwischen den Ballons hindurch.
Nach zwei Stunden „Logenplatz am Himmel“ wird es Zeit, einen Landeplatz zu finden. Noch 200 Meter. Die Langläufer und Wanderer, die wie bunte Stecknadelköpfe der weißen Winterlandschaft ein paar Farbtupfer verleihen, werden wieder größer. Sie bemerken den zischenden Ballon und winken. Auch Sepp ist wieder mit einer Gruppeunterwegs. Das Knirschen der Schneeschuhe ist deutlich zu hören.
Infos: Tourismusverband Tannheimer Tal, Oberhöfen 110, A-6675 Tannheim, Tel. (0043 5675) 62 20-0, www.tannheimertal.com. D. Krappe
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