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Abkühlen am Gletscher: Hintertux im Hochsommer
Wenn es im Flachland zu heiß wird, dannist es eine hervorragende Idee, einfach in 2.500 Meter Höhezu fahren – ins ewige Eis.
Oben auf der verschneiten Oberfläche kurven derweil die Unentwegten: Snowboarder und Skifahrer, die es auch im Sommer nicht lassen können. Aber der Großteil der Gäste am Gletscher hat heute nichts mit Carving im Sinn, sondern er sucht nur eines: Abkühlung. Wie wir. Als der Wetterbericht vergangenes Wochenende Sahara- Temperaturen um 35 Gradangekündigt hatte, packten wir unsere Sachenundfuhren los:hochin die Berge.Hundert Höhenmeter machen ein Grad Temperaturunterschied aus, sagt eine Faustregel. Und tatsächlich, als das arme Auto die tausend Meter von der Talsohle des Zillertals hinauf zum Hoteldorf Hintertux auf 1.500 Meter Höhe geschafft hat, ist auch das Thermometer um acht Grad gesunken. Einfach himmlisch, diese seidige Luft!
Die Hotels im Talschluss haben sich längst auf solche Wünsche eingestellt. Wo früher karge Sportlerherbergen Bergsteigern und Skienthusiasten wenig mehr boten als Bett und Verpflegung, da herrscht heute Wohlbefinden. Frieda Klausner und ihr Mann Martin zum Beispiel haben gerade ihr Traditionshotel umgebaut zum „neuen Klausnerhof“ – mit grüner Dachterrasse, Schwimmbad und Whirlpool unter freiemHimmel. Statt Skiwasser und Bergsteigertee bestellen sich die Gäste auf der Veranda mit Blick aufs Dorfkircherl Latte macchiato und Aperol-Sprizz. Danach schlafen sie gut bei offenem Fenster in der frischen Bergluft. Dieses Licht! Es hat schon etwas ganz Eigenes, morgens aufzuwachen und von draußen glitzert der Gletscher ins Hotelzimmer. Im Ort ist praktisch jedes verfügbare Zimmer exakt darauf ausgerichtet. Klar, dass es nach dem Frühstück natürlich nur eins gibt: hinauf ins Eis!
Wir schnüren die Wanderschuhe und würdigen den kostenlosen Dorfbus keines Blickes. Viel schöner ist doch die kurze Strecke entlang des quirligen Tuxbachs zur Bergbahn. Vorbei geht es an einem schattigen Kinderspielplatz und an Europas höchstgelegener Thermalquelle. Wer schon beim Gedanken daran ins Schwitzen kommt, der sei beruhigt: Indas nostalgische Freischwimmbad mit den lustigen gelben Liegestühlen fließt das Thermalwasser frische 19 Gradkühl.
An der Talstation der Seilbahn macht die elektronische Anzeigetafel kühle Lust auf drei Etagen: Für die erste Zwischenstation auf 2.100 Meter meldet sie 22 Grad, an der zweiten noch 16 und ganz oben auf 3.250 Meter gerade mal 12 Grad im Schatten. Schatten gibt es da zwar keinen, aber das macht nichts. Längst haben die Kinder den „Gletscherflohpark“ mit Schneekarussell und Schneeschlauchrutschbahn entdeckt, während die Großen den halbstündigen Abstieg in die Gletscherspalte wagen. Und wenn die noch ganz benommen von der glitzernden Eiszapfenwelt zurückkommen, ist der perfekte Zeitpunkt, PapaundMamamit einemfrischenSommer- Schneeball zu überraschen. Hm, das erfrischt!
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