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Tippspiel
VfL Osnabrück
Haster Junge in Preußens größter Mannschaft
hp Osnabrück. Man glaubt sie alle zu kennen, die Geschichten von den Fußball-Pendlern zwischen Münster und Osnabrück. Bensmann und Brinkmann, Karbowiak und Krekeler, Lorenz und Loos. Dann kommt ein Anruf vom Chef des VfL-Museums: „Wusstest du, dass ein Osnabrücker den SC Preußen 1951 ins Finale um die Deutsche Meisterschaft geschossen hat?“
Friedel Weghorst lautet der Name des in seiner Heimat fast vergessenen Stürmers. Von 1948 bis 1952 schoss der Mittelstürmer in 75 Spielen der Oberliga West 26 Tore. 1951 zog er mit den Preußen ins Finale um die deutsche Meisterschaft, das die Münsteraner gegen den 1. FC Kaiserslautern 1:2 verloren. In den ersten vier Spielen der Endrunde war Weghorst dabei, erzielte zwei Treffer – der wichtigste am 13. Mai 1951 beim 3:1 gegen den Hamburger SV vor 40000 Zuschauern an der Hammer Straße.
Es war eine kurze, aber bis heute unvergessene Blüte der Preußen, die vor allem wegen ihrer Offensivkraft gerühmt wurden. „100000-Mark-Sturm“ nannte die zeitgenössischen Beobachter die Fünfer-Angriffsreihe – eine Fantasiezahl, die die Klasse der Münsteraner Stürmer verbildlichen sollte. Ein Begriff, der bis heute in Fachkreisen bekannt ist, und mancher ältere Fußballfreund kann die Formation noch immer aufzählen: Gerritzen - Preißler - Schulz - Rachuba - Lammers.
Doch eigentlich müsste anstelle von Schulz der Name Weghorst stehen. Wir treffen uns im VfL-Museum auf Vermittlung von Bernhard Lanfer mit einem, der es wissen muss: Günther Weghorst ist der Bruder des 1996 verstorbenen Ex-Preußen. Der 86-Jährige kommt in Begleitung seines Sohnes Achim, der sich mit der Biografie seines Onkels beschäftigt.
„Er war schnell, kopfballstark und mutig“, erinnert sich der 86-Jährige an seinen Bruder, „und er wäre noch besser gewesen, wenn er nicht durch einen Wadendurchschuss aus dem Krieg gehandicapt gewesen wäre.“
Seine beste Zeit habe er schon vor dem Krieg gehabt. Beim SC Haste, dem Vorläufer des TuS, fiel er früh als Multibegabung auf. Weghorst stand im Handball-Tor und stürmte bei den Fußballern mit 16 Jahren dank einer Sondergenehmigung in der ersten Mannschaft.
Nach dem Krieg war Weghorst in Haste ein Mann der ersten Wiederaufbau-Stunde, Vater Friedrich führte als Vorsitzender den TuS Haste. Weghorst jun. war dabei, als auf dem OTV-Platz das erste Nachkriegsspiel der Osnabrücker Stadtgeschichte stattfand; Gegner der Auswahl war ein britisches Militärteam. „Der VfL hat es immer wieder versucht, ihn zu verpflichten“, erinnert sich der Bruder, „aber irgendwie hat es nicht geklappt.“
Erst, als Friedel Weghorst 1948 zum Chemie-Studium nach Münster ging, bekam seine Fußball-Karriere noch einmal Schwung. Beim SC Preußen erkannte man das Talent des Stürmers, für den der Sport nie Mittelpunkt des Lebens war, wie Bruder Günther weiß: „Er war ein bescheidener Typ, hat nie viel Aufhebens um den Fußball gemacht. Er war mit viel Spaß dabei und war froh, dass er sein Studium damit finanzierte.“
Als er Teil des sensationellen Höhenflugs der Adler-Träger war, reichte die Begeisterung bis Osnabrück. „Zu den Endrundenspielen in Münster habe ich Busfahrten organisiert“, erinnert sich Günther. Sein Bruder war als Mittelstürmer Stammkraft im Team von Trainer „Fischken“ Multhaup, dem späteren Meistertrainer von Werder Bremen.
Und er wäre wohl auch im Finale vor 100000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen die „Roten Teufel“ um Fritz Walter dabei gewesen, wenn er sich nicht im Rückspiel gegen den HSV am Rothenbaum verletzt hätte. So rückte Rudi Schulz, sein Vertreter aus der Läuferreihe, nach vorn. Esdauerte, bis er wieder fit war; 1952 verließ er die Preußen, beendete nach einem Intermezzo in Greven seine Laufbahn und konzentrierte sich auf den Beruf. Der promovierte Chemiker arbeitete lange in Hamburg und kehrte in den Achtzigerjahren nach Osnabrück zurück. Hier verstarb er am 26. Januar 1996.
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07.04.2012
