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Tippspiel
VfL Osnabrück
„Unter Druck wächst eine Mannschaft“
Osnabrück. Der VfL hat die von Claus-Dieter Wollitz angekündigte Aufholjagd gestartet und scheint nach zwei Heimsiegen bereit für das Derby am Samstag (13.30 Uhr) bei Preußen Münster. Der neue und alte Osnabrücker Trainer spricht im Interview über die Lage.
Herr Wollitz, am Freitag war’s ein bisschen wie früher, richtig?
Ja, das stimmt. Aber schon vor dem Spiel hat die Mannschaft gespürt, dass da mehr als gegen Wehen diese Osnabrück-typische Stimmung da war. Aber ich möchte klarstellen, dass ich mich nicht über die Stimmung beschwert oder Unterstützung gefordert habe. Ich habe nur festgestellt, was mir aufgefallen war.
Was war die größte Schwierigkeit nach der Niederlage gegen Erfurt?
Der Mannschaft klarzumachen, dass diese Situation keine Belastung ist, sondern eine Chance. So muss man damit umgehen, dann ist der Druck positiv aufgeladen. Es ist ein Lernprozess, der die Entwicklung beschleunigt und in die neue Saison wirkt. Egal, was passiert: So, wie wir jetzt diese letzten Spiele angehen, mit diesem Anspruch, bringt uns das weiter für das nächste Jahr.
Vom viel zitierten Aufbaujahr halten Sie nichts…
Was heißt Aufbau? Was sage ich Spielern wie Claus Costa, Andreas Glockner oder Martin Hudec, wenn wir sie holen – dass wir zwei Jahre was aufbauen wollen und sie dann gehen können? Der Aufbau kommt auch unter Druck zustande, deshalb muss man sich hohe Ziele setzen. Daran wächst eine Mannschaft – und nicht, indem man ihr sagt: Spielt mal ruhig, wir greifen erst im nächsten Jahr an. Das geht nicht, nicht für den VfL Osnabrück in der 3. Liga.
Was ist besser geworden in den letzten Wochen?
Die Mannschaft kann Tempo spielen, sie weiß, wozu sie mit Powerfußball in der Lage ist. Sie weiß auch, dass dazu gehört, auch mal das Tempo rauszunehmen. Das Passspiel ist besser geworden, das schnelle Spiel in die Spitze funktioniert – weil wir es immer wieder unter Druck trainieren. Die Mannschaft ist körperlich voll da, sie konnte auch im zweiten Spiel innerhalb von drei Tagen zulegen.
Eckbälle und Freistöße sind gefährlich wie lange nicht, drei der sechs Tore in diesem Jahr entstanden so.
Es gibt keine dominierenden Spitzenmannschaften – oder ganz viele meinetwegen. In fast allen Spielen begegnen sich Mannschaften auf Augenhöhe. Da entscheiden Kleinigkeiten, Details. Dazu gehören Standards, die können eine Waffe sein. Deshalb sind Rouwen Hennings und Andreas Glockner auch gefordert, die Dinger mit vollem Risiko zu spielen.
Mit Martin Hudec hat der VfL acht seiner zehn „Zu-null“-Spiele absolviert, sieben seiner acht Siege gefeiert und nur einmal verloren. Sein Einsatz stand wegen der erneut aufgetretenen Probleme am Mittelfuß auf der Kippe, er konnte nur mit Schmerzmitteln spielen. Was machen Sie, wenn er ausfallen sollte?
Auf jeden Fall nicht jammern! Sie kennen mich doch jetzt auch ein bisschen länger und wissen, dass ich noch nie über Ausfälle geklagt habe. Die Spieler, die an einem Spieltag einsatzfähig sind, haben immer mein volles Vertrauen. Habe ich in der letzten Woche einmal darauf hingewiesen, dass Niels Hansen krank ausfiel? Oder Elias Kachunga grippegeschwächt war? So etwas thematisiere ich grundsätzlich nicht.
Sie wollen in Münster gewinnen. Wie bauen Sie die Einstellung der Mannschaft für dieses Spiel auf?
Wir wollen gewinnen, nicht nur ich, okay? Das hat Samstag begonnen, als ich die Spieler mit der Maßgabe ins Wochenende geschickt habe, sich zu erholen – aber sich schon mit der Woche zu beschäftigen. Ab Montag müssen wir wieder jeden Trainingstag wie einen Wettkampf angehen, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Da muss die Laufbereitschaft auf Spielniveau sein und die Konzentration auch. Dieser höchste läuferische Einsatz ist bei Borussia Dortmund die Basis für alle. Wie keine andere Mannschaft erarbeiten die sich ihre Wettkampfform mit einem unglaublich intensiven Training.
Ein Sieg in Münster, dann sei auch der direkte Aufstieg möglich. Haben Sie die Messlatte damit nicht noch höher gelegt?
Mag sein, aber aus Überzeugung. Wir alle wissen doch, welche Wirkung echte Derbys auf Fußballer haben. Dieses Gerede vom Spiel wie jedes andere, in dem man auch nur drei Punkte gewinnen kann – ist doch Quatsch. Ich habe solche Spiele als Profi geliebt und liebe sie auch als Trainer. Von einem solchen Spiel kann eine Signalwirkung ausgehen, die eine Mannschaft tragen und das Selbstwertgefühl der Fans enorm steigern kann.
Die Fans drückten zuletzt Spielern eine Fahne mit der Aufschrift „Scheiß Preußen Münster“ in die Hand. Wie finden Sie das?
Nicht gut, überhaupt nicht. Das hat nichts mit Hänseleien zu tun, die vor einem Derby erlaubt sind. Alles, was Hass ausdrückt und Aggression schürt, hat für mich rund um dieses Spiel nichts zu suchen. Nach den Vorfällen im Hinspiel wird Fußball-Deutschland am Samstag nach Münster schauen. Wäre das nicht mal ein Signal, wenn in der lila-weißen Kurve ein Riesen-Transparent wäre wie „Derby ist Fußball pur, aber kein Hass“?
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07.04.2012

Danke an die noz-Redaktion.