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Tippspiel
VfL Osnabrück
„Kein Strom, kein Geld – aber das geilste Team der Welt“
Regensburg. Wunder gibt es immer wieder. Trotzdem ist das, was der SSV Jahn Regensburg in dieser Saison leistet, ziemlich verblüffend. Am Samstag (Anstoß 14 Uhr) empfängt das Überraschungsteam den VfL Osnabrück als Tabellenführer der 3. Liga – und die Serie von 16 Heimspielen ohne Niederlage stärkt der Mannschaft den Rücken. Die Austragung der Partie ist nach gestrigem Stand wahrscheinlicher als eine Absage, die Platzkommission gab sich nach dem Ortstermin jedenfalls optimistisch und will am Freitag mittag entscheiden.
Der Erfolgsweg der Regensburger ist umso erstaunlicher, weil nach der Vorsaison 17 Spieler gingen oder aus finanziellen Gründen verabschiedet wurden und der verbliebene Restkader zum Teil mit Akteuren aus der U23 und jungen Spielern aus unteren Klassen aufgefüllt wurde. Es ist das Verdienst des jungen Trainers Markus Weinzierl, dass diese Mannschaft so schnell zum Aufstiegskandidaten reifte.
Doch was das Saisonziel angeht, so hält der Trainer, der im Januar seinen Vertrag um zwei Jahre verlängerte, den Ball flach: „Wenn wir bis zum Schluss um Platz drei mitspielen, wäre das ein Riesenerlebnis.“ Abheben, die Bodenhaftung verlieren, ist nicht Sache des 37-Jährigen. Auch nach mehr als der Hälfte der Saison bleibt die Tabelle für ihn eine Momentaufnahme: „Wir arbeiten einfach konzentriert weiter.“
Dazu ist aus dem Jahn ein braver und kreuzsolider Verein geworden. Es herrscht Ruhe. Keiner schießt quer, es dringt wenig aus vertraulichen Gesprächen nach außen, und finanziell kann der Klub seine Verpflichtungen erfüllen. Zu den Stärken gehört indes auch eine Portion Selbstironie. Die erkennt man an dem ungewöhnlichen Lied, das Tobias Schweinsteiger stets nach Siegen mit den Fans anstimmt: „Wir haben kein’ Strom, wir haben kein Geld, wir haben das geilste Team der Welt.“
1,5 Millionen Euro beträgt der Etat nach offiziellen Angaben und gehört zu den bescheidensten in der Liga. Auf alle Fälle habe man aber ein geiles Team, meint der ältere Bruder des Nationalspielers Bastian Schweinsteiger: „Wir machen aus unseren Möglichkeiten viel, weil wir eine verschworene Einheit sind. Daran sieht man, worauf es ankommt im Fußball.“
Ausgerechnet Schweinsteiger, mit zwölf Treffern der Top-Torjäger der Liga, fehlt in den nächsten Wochen, nachdem er sich im Trainingslager in der Türkei einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen hat. Und mit Michael Klauß (Schlüsselbeinbruch) steht auch der zweite Torgarant (sieben Treffer) auf der Verletztenliste. „Man muss das kompensieren“, meint Stefan Binder, „wir können Ausfälle verkraften. Jammern hilft nichts, da müssen wir jetzt durch.“ Auf die Frage, was ist drin, antwortet der dienstälteste Jahn-Akteur: „Wir sind der David unter den Goliaths. Da liegt der Reiz, sich gegen vermeintlich bessere und finanzstärkere Klubs durchzusetzen. Wenn wir alle zusammenhalten und die Leidenschaft der Vorrunde zeigen, ist für uns alles möglich.“
Der Autor beobachtet den SSV Jahn Regensburg seit Jahren für die Mittelbayerische Zeitung.
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