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Tippspiel
VfL Osnabrück
Kein Entrinnen aus dem Teufelskreis
heu Osnabrück. Das Szenario ist jedes Jahr dasselbe: Die finanzielle Lage ist erdrückend, die besten Talente stehen zum Verkauf, und der Aufstieg rückt in weite Ferne. Seit 2004 strebt der Traditionsklub TSV 1860 München vergeblich die Rückkehr in die 1. Bundesliga an. Auch in der Saison 2010/11 scheinen die Löwen dem Teufelskreis nicht zu entrinnen : Nach der 2:3-Auftaktniederlage in Bochum ist der Druck vor dem Heimstart gegen VfL Osnabrück (Sonntag, 13.30 Uhr) schon wieder enorm hoch.
Die finanzielle Situation: Der Ballast von jährlich 5,3 Millionen Euro für die Allianz-Arena nimmt dem Verein die Luft um Atmen. Das noch zu Bundesligazeiten in Kooperation mit dem FC Bayern entwickelte Stadion entpuppt sich im Fußball-Unterhaus (Zuschauerschnitt 09/10: 22500) als Millionengrab für die Sechziger, deren Fans immer noch von einer Rückkehr ins marode Grünwalder Stadion träumen. Nach der Niederlage im „Catering-Prozess“ gegen den FC Bayern sollen sich die Schulden beim Nachbarn auf drei Millionen Euro belaufen, die DFL-Auflagen sind offensichtlich enorm hoch. Angeblich müssen die Löwen noch in dieser Transferperiode ein Plus von 4,5 Millionen Euro erwirtschaften.
Die personelle Situation: Aus dem Kader der Saison 2009/10 wurden einige Besserverdiener (Rösler, Hoffmann, Felhi) gestrichen. Trotz der fehlenden Liquidität gelang es dem cleveren Manager Micky Stevic, mit Heimkehrer Savio Nsereko (ausgeliehen vom AC Florenz) einen Transfercoup zu landen und die Leihspieler Eke Uzoma (SC Freiburg) und Djordje Rakic (RB Salzburg) von ihren Vereinen loszueisen. Mit den Verkäufen von Peniel Mlapa (Hoffenheim) und Jose Holebas (Piräus) dürften die DFL-Auflagen noch nicht erfüllt sein. Daher könnten bis zum Ende der Transferperiode mit Toptalent Aleksandar Ignjowski und dem vom VfB Stuttgart heftig umworbenen Publikumsliebling Stefan Aigner weitere Leistungsträger geopfert werden. Die Situation ist nicht neu: Der Verkauf von Eigengewächsen (von Benny Lauth und Andreas Görlitz über Marcel Schäfer bis zu den Bender-Zwillingen und Timo Gebhart) rettete den Deutschen Meister von 1966 schon mehrfach vor der Insolvenz.
Die sportliche Situation: Trotz aller Probleme – die Qualität des Teams scheint sich gegenüber der Vorsaison (Platz 8) nicht verschlechtert zu haben. Trainer-Rückkehrer Reiner Maurer (für Ewald Lienen) lässt mit zwei echten Spitzen und starken Dribblern auf den Flügeln spielen. Gerade den Ex-Nationalspielern Daniel Bierofka und Benny Lauth, der von seinem agilen Sturmpartner Rakic profitiert, kommt der neue Offensivdrang entgegen. Im Mittelfeld hat Maurer die Qual der Wahl, selbst Leitwolf Florin Lovin musste schon auf die Bank. Der Schuh drückt aber in derInnenverteidigung, wo ein erfahrener Abwehrchef fehlt. In guter Tradition zauberten die Löwen zur neuen Saison einen Jungstar aus demHut, den niemand auf der Rechnung hatte. Der 17-jährige Halb-Österreicher Moritz Leitner sprühte in Verl(2:1 im DFB-Pokal) und Bochum vor Spielfreude. Es wird wohl nicht lange dauern, bis auch der kleine Spielmacher im Löwen-Schaufenster steht.
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