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Tippspiel
VfL Osnabrück
Jubelarien vor malerischer Kulisse
Auf dem Fenstersims des Friedenssaals sitzt einer der Helden dieser Saison, ihm zu Füßen Tausende Fans, die Schals und Fahnen in Lila-Weiß schwenken. Und aus den Boxen dröhnt der passende Song von Guns N’Roses: „Paradise City“ – Björn Lindemann weiß, dass er in der richtigen Stadt gelandet ist. Osnabrück ist nicht nur Friedensstadt, Osnabrück ist Meisterstadt, Osnabrück ist Aufsteigerstadt – paradiesische Zustände eben.
Es werden 5000 sein, die an diesem Sonntagnachmittag ihren VfL feiern – und mit ihm. Zunächst schlängelt sich ein Autokorso vom Stadion via Berliner Platz und Wall zum Rathaus, wo sich die Fangemeinde versammelt hat und bereits voller Ungeduld wartet. Dabei werden sie von einem anspruchsvollen Vorprogramm unter Federführung des Stadionsprecher-Duos Matthias Wellbrock und Carsten Thye sowie des Kabarettisten Kalla Wefel eingestimmt.
Schwerpunkt der Stimmungsmache ist natürlich die neue CD mit 25 verschiedenen Versionen der Hymne „Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück“. Interpreten wie Ombre di Luci, Sara Höweler sind ebenso auf der Bühne wie die Talente von Schinkel.
Und dennoch – die Menschen auf dem Marktplatz haben ein noch höheres Begehren: „Wir woll’n die Mannschaft seh’n, wir woll’n die Mannschaft seh’n“, hallt es gegen das Rathaus. Um 15.17 Uhr, exakt 24 Stunden nach dem Triumph von Burghausen, öffnen sich die Fenster von Osnabrücks bester Stube. Stimmungsmacher Tobias Nickenig nimmt via Megafon Kontakt zu ihnen auf, und schon dröhnt es „,Nie mehr Dritte Liga, nie mehr, nie mehr“ durchs Rund.
Bevor es für die Mannschaft auf die Bühne und unters Volk geht, erweist ihr Oberbürgermeister Boris Pistorius die Reverenz. „,Mit dem FC St. Pauli ist ein Kultverein aus der 2. in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Der VfL hat das Zeug dazu, den Platz der Paulianer einzunehmen, auch er ist ein Kultverein“, sagt das Stadtoberhaupt unter dem Jubel der vollzählig angetretenen VfL-Delegation. Die hatte am Morgen nach einer langen Party-Nacht (Trainer Karsten Baumann: „,Ich musste sogar auf die Tanzfläche“) Unsicherheiten in Sachen Kleiderordnung. Schließlich setzten sich die lilafarbenen Pullis im Funktionsteam und die weißen Hemden bei den Spielern durch – auch in Sachen Trikotagen präsentiert sich der VfL geschlossen meisterlich.
Präsident Dirk Rasch hat für den aufstiegserprobten OB den Geschenk-Klassiker in Form eines Fanschals dabei, diesmal mit dem Schriftzug „Auswärtssieg“. Überwältigt zeigt sich der Klubchef nicht nur vom Fan-Andrang am Sonntag, sondern auch vom Empfang am späten Sonntagabend auf dem Flughafen Münster-Osnabrück. „Man meint immer, schon alles mitgemacht zu haben. Diese spontane Geste hat mich aber besonders bewegt“, sagt Rasch und beschreibt den Charakter des Aufstiegsteams mit einem Brecht-Zitat: „,Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Diese Mannschaft hat immer gekämpft und ausreichend oft gewonnen.“
Wie wichtig dabei die Fans sind, weiß Sportdirektor Lothar Gans zu schätzen. Unter lautem Applaus erzählt er von der lila-weißen Dortmund-Invasion und misst der Unterstützung durch die 8000 eine nicht unerhebliche Bedeutung für den Aufstieg zu: „Sie haben wie eine Wand hinter uns gestanden, als es darauf ankam.“
Poppig geht sie zur Neige, die Party der Gefühle und Genüsse. Der gefeierte Baumann steht inmitten des Schunkelkreises, als Käpt’n Reichenberger an der Klampfe zusammen mit Wefel das Lied der Lieder darbringt. Einen tanzstarken Extraauftritt absolviert Außenverteidiger Jan Tauer bei einer AC/DC-Nummer, sie wird quittiert mit der passenden Antwort des Publikums: „Du hast die Haare schön!“ Übrigens: Vermutlich wird Mittwoch schon weitergefeiert. Laut Gans soll „zu 90 Prozent“ das NFV-Pokalspiel gegen den SV Wilhelmshaven in Osnabrück stattfinden.
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