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Tippspiel
Löw ruft «Jahr der großen Chance» aus
Berlin. Frankreich wartet als erster Prüfstein, aber der Bundestrainer denkt in größeren Dimensionen. Joachim Löw erklärt 2012 zum «Jahr der großen Chance» für Fußball-Deutschland - und vertraut dabei konsequent auf seine bewährten Kräfte.
«Es gab keine Veranlassung, irgendwelche großen Veränderungen vorzunehmen», sagte Löw bei der Bekanntgabe des Kaders am Mittwoch in Berlin. Gegen Frankreich soll vor allem an Automatismen gearbeitet werden. Über allem steht der Erfolg bei der EM-Endrunde vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine. «Es ist für uns alle ein Jahr der großen Chance, der Chance bei diesem Turnier einiges zu erreichen», verkündete Löw fast schon staatsmännisch. Seiner jungen Auswahl attestierte er bereits eine enorme Reife. «Wir haben Außergewöhnliches erleben können», sagte er zu der Entwicklung des Teams seit der WM 2010.
Das nackte Resultat ist für den Bundestrainer beim ersten Jahresauftritt gegen Frankreich zweitrangig, der Ernstfall steht erst 101 Tage später beim EM-Auftakt gegen Portugal am 9. Juni im ukrainischen Lwiw an. «Natürlich wollen wir gewinnen, aber das Ergebnis hat eine untergeordnete Rolle», sagte Löw. «Wir müssen uns nicht am Tagesgeschäft messen, um das dann falsch einzuordnen. Wir haben eine feste Basis, die Philosophie passt. Wir wollen versuchen, unsere Linie beizubehalten», bekräftigte der DFB-Chefcoach.
Löw weiß, dass für seine hoffnungsvollen Titeljäger nach den zuletzt hoch gelobten Auftritten gegen die Größen der Fußball-Welt aus Brasilien (3:2) und Holland (3:0) sowie der meisterlich absolvierten EM-Qualifikation der Druck gestiegen ist. «Es ist die Last der guten Tat. Die Fallhöhe ist höher», beschrieb der Bundestrainer die Gefahr des Scheiterns. Schon in der Vorrunde warten nach dem Portugal-Spiel die Niederlande und Dänemark als weitere hohe Hürden. Doch Löw ist nicht bange: «Ich glaube, dass die Spieler, obwohl sie jung sind, schwindelfrei sind und diese Herausforderung annehmen.»
Die Nominierung für den Test gegen den aus seiner Krise erwachten Weltmeister von 1998 verdeutlicht, dass Löws EM-Personalkonzept praktisch steht. Für designierte DFB-Novizen wie Mönchengladbachs Patrick Herrmann, Schalkes Julian Draxler oder wieder erstarkte Akteure wie Mike Hanke oder Jan Schlaudraff ist es schwer, noch in den 23-köpfigen Kader zu rutschen. «Die Türe ist nicht ganz zu. Es hängt von mehreren Faktoren ab, wie wir den Kader benennen», machte Löw möglichen Nachrückern lediglich eine vage Resthoffnung. Freifahrtscheine verteilte Löw allerdings auch nicht. In der Liga schwächelnde Akteure wie der Stuttgarter Cacau stehen in Bremen auf dem Prüfstand. «Er hat nochmal eine Chance verdient», sagte Löw.
Personalentscheidungen für das Frankreich-Spiel, bei dem erstmals die Zwillinge Lars und Sven Bender gemeinsam im DFB-Kader stehen, wollte Löw noch nicht verkünden. Offen sei auch, ob Tim Wiese in seiner Bremer Heimat im Tor steht oder Manuel Neuer. Der Münchner Schlussmann werde aber auf jeden Fall als Nummer 1 ins EM-Turnier gehen, bekräftigte der Bundestrainer nochmals. Auf die Nominierung eines dritten Torhüters verzichtete Löw diesmal.
Engen Kontakt hält er auch zu seinem prominenten verletzten Quartett. Besonders intensiv war zuletzt offenbar der Austausch mit Mertesacker, der am Dienstag eine Woche nach seiner Knöcheloperation via Internet freudig seine EM-Einsatzfähigkeit verkündet hatte. «Im Moment gehen wir davon aus, dass er es schafft, wieder in Form zu sein. Man muss aber auch abwarten. Es ist immer schwierig nach einer Operation eine Prognose zu geben», sagte Löw.
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