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Tippspiel
Artland Dragons
Dragons verlieren in Moskau, aber sind dennoch Gruppensieger
Moskau. Kann man ein Spiel mit 17 Punkten Unterschied verlieren und dennoch zufrieden sein? Eigentlich nicht. Nur, richtig unzufrieden konnten die Artland Dragons nach der 70:87-Niederlage bei Triumph Lyubertsy Moskau auch nicht sein. Schließlich gab es ein paar Stunden nach dem Ende der Partie doch etwas zu feiern: Den Gruppensieg in der Zwischenrunde der Eurochallenge. Der Dank ging nach Antwerpen. Die Giants bezwangen Izmir.
„Ich bin sehr froh, dass wir trotz der Niederlage jetzt schon als Gruppensieger feststehen“, sagte Dragons-Trainer Stefan Koch. Ganz ohne Druck kann die Mannschaft nun in die abschließende Partie gegen Izmir gehen.
Über die eigene Partie sagte er: „Für die Umstände war es okay“. Den Umständen entsprechend. Diese Formulierung nehmen Ärzte, wenn sie über Patienten reden. Und Patienten, davon haben die Dragons seit gestern einen mehr.
Das Spiel: Nach 1:28 Minuten musste Bryan Bailey das Feld verlassen. Er war zum Korb gezogen, geblockt worden und dann liegen geblieben. Den Rest des Spiels saß er mit Schmerz verzerrtem Gesicht auf der Bank, fasste sich immer wieder an die Leiste. Laut Koch deutet alles auf eine „Zerrung“ hin.
Mit ihm waren es drei, die den Dragons in Moskau fehlten. David Holston und Darren Fenn waren gar nicht erst mitgefahren. Und so setzte Koch früh auf seine Ergänzungsspieler. In der 14. Minute durfte Christian Hoffmann ran. Es war sein erster Einsatz im Dragons-Trikot. „Ich bin sehr erleichtert, wieder auf dem Feld zu stehen“, sagte er. Zum Zeitpunkt seiner Einwechslung deutete sich die Niederlage schon an.
4:0 führte Lyubertsy nach zwei Minuten, das glichen die Dragons aus, bis zum Ende des ersten Viertel blieb es eng. „Mit dem zweiten Viertel war ich dann gar nicht zufrieden“, kritisierte der Coach. Bis zur Halbzeit vergrößerte Lyubertsy den Vorsprung auf 13 Zähler (43:30). Vor allem Sergey Karasev (24 Punkte, 6 Dreier) war nicht zu stoppen.
Die Dragons gaben nicht auf, kämpften sich noch einmal heran. Anthony Hilliard traf zum 58:61 (32.). Danach zog Moskau wieder davon.
Die Bewertung: Ohne Holstons überraschende Momente, Fenns Routine und Baileys Defensivgeist gegen ein Team, das im Aufwind ist - es war nicht mehr drin. „Ohnehin haben wir die Prioritäten diesmal anders gesetzt“, sagte Strasser: „Wir wollten einiges besser machen als zuletzt.“ Etwa den Gegner mehr aus der Zone raushalten. „Das hat geklappt. Aber sie haben zu gut von außen getroffen“, fügte er an. Vor allem Karasev. „Es war früh zu sehen, dass er heute heiß ist“, sagte Koch: „Wir hätten ihn besser verteidigen müssen.“
Offensiv strahlten die Dragons zu wenig Gefahr aus gegen eine aggressive und lauffreudige Truppe. Es ist nicht nur den Ausfällen geschuldet, sondern auch der Müdigkeit, die sie mit sich schleppen. „Wie soll das auch vorbei sein. Das ist hier ja kein Erholungstripp“, meinte Strasser.
Dem Team war es anzumerken. Außer Hilliard, der rannte und wühlte, waren viele platt. Immerhin: Nur von der Dreier- und der Freiwurflinie war Moskau deutlich besser. Auch die Spieler, die sonst nicht oft zum Einsatz kommen, machten ihre Sache ordentlich, am besten der Routinier. Florian Hartenstein traf zwei von drei Würfen und hielt defensiv dagegen.
Die Perspektive: In der Eurochallenge sind die Dragons Gruppensieger und haben im Viertelfinale Heimvorteil. Besiktas Istanbul und Fuenlabrada spielen nächste Woche den Gegner im direkten Duell aus. Wichtig ist es nun, in der Liga wieder in die Spur zu kommen. Da kommt am Samstag ausgerechnet Ulm. „Gut verteidigen und mit viel Energie spielen“, nennt Strasser das Rezept, um den Tabellenzweiten zu schlagen. Leicht wird es nicht in drei Tagen - an einem davon wird nur gereist - zu alter Stärke zu finden. „Wichtig wird sein“, sagte Koch, „ob unsere angeschlagenen Spieler wieder zurück kommen.“ Im Moment geht es ihnen nur den Umständen entsprechend.
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07.04.2012

Herzliche Grüße
Franziska Holthaus für noz.de