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Müde, leer und ab vom Kurs
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Autor: Susanne Fetter 19. Februar 2012 18:51 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Dragons gehen in Berlin unter – Koch: Jetzt zeigt sich der wahre Charakter

Müde, leer und ab vom Kurs

Berlin. Normalerweise ist Stefan Koch ein begieriger Zettelsammler. Gern nimmt er die pinken, sie gibt es nach Siegen. Weniger gern die gelben. Sie gibt es nach Niederlagen. Am Samstag aber fasste der Trainer der Quakenbrücker Bundesliga-Basketballer den Bogen des Spiels bei Alba Berlin mit ganz spitzen Fingern an. 70:94 verloren die Artland Dragons. Der Zettel dokumentierte nicht nur die Niederlage, sondern auch: Das Team ist in einem Loch.

 
Nicht zu halten: DaShaun Wood vor Nathan Peavy (l.) und Guido Grünheid (r). Foto: dpa  Vergrößern

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Ob es die schlimmste Niederlage diese Saison war? „Möglich“, sagte Koch: „Aber um es richtig abzuschätzen, muss noch etwas Zeit vergehen.“ Dann überlegte er noch einmal: „Obwohl“, meinte er, „es war die schlimmste.“

Das Spiel: Fünf Minuten lang gaben die Dragons den Ton an, führten 10:4. Dann nahm Alba-Trainer Gordon Herbert eine Auszeit. Es folgte ein 11:0-Lauf der Berliner. Wer nach dem ersten Viertel auf die Statistik blickte, der sah, wo es hakte. Nur vier Rebounds hatten die Dragons bis dato. Alba hatte 16 – 7 davon offensiv. Neunmal hatten die Dragons daneben geworfen, nur zweimal sich eine zweite Chance geholt. Es war der Auslöser.

In der 14. Minute betrug die Differenz erstmals zehn Punkte, in der 20. erstmals über 20. Irgendwann ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Mit weniger als acht Punkten mussten die Quakenbrücker verlieren, um den direkten Vergleich zu gewinnen. 2:31 Minuten vor dem Ende kämpften sie sich heran – 69:81 stand es. „Wir haben gehofft, dass wir den direkten Vergleich noch holen“, sagte Johannes Strasser. Es wurde nichts mehr.

Was folgte, machte die Niederlage so schlimm. „Das war einer Profimannschaft unwürdig“, sagte Koch, der sich darüber ärgerte, dass Berlin über Freiwürfe noch zu so vielen Punkten kam. Zwei Feldkörbe erzielte Alba noch.

Die Bewertung: Auch wenn Koch betonte: „Das war nicht vorhersehbar“ – es gibt zumindest Gründe, die sich abzeichneten. Einer ist die personelle Situation. Kapitän Darren Fenn fehlte mit Magen-Darm-Virus. Nathan Peavy (Prellung am Oberschenkel) und David Holston (Prellung am Fuß und Grippe) gingen angeschlagen in die Partie. „Alba kam für uns zur Unzeit“, betonte Koch.

Hinzu kommt die Belastung aus Liga, Pokal und Eurochallenge. „Ich habe erstmals das Gefühl, dass wir leer sind – physisch und mental“, so der Coach. Was vor ein paar Wochen noch leicht von der Hand ging, ist plötzlich anstrengend. Viele wirkten ausgelaugt, fast alle unkonzentriert. Johannes Strasser und Nathan Peavy stemmten sich am meisten gegen die Niederlage und motivierte Berliner. Am Mittwoch waren sie im Pokal gegen Braunschweig ausgeschieden. „Wir haben erwartet, dass sie mit dieser Energie spielen“, sagte Koch. Er hatte nur nicht erwartet, dass sein Team so wenig dagegenzusetzen hatte.

„Wir waren immer eine Sekunde zu spät – egal ob offensiv oder defensiv“, bemängelte er: „Ich bin enttäuscht, mit wie wenig Fokus wir gespielt haben. Wenn man eine gute Mannschaft sein will, muss man in den Phasen, in denen es nicht so läuft, den Schaden minimal halten. Das haben wir nicht gemacht.“

Die Perspektive:Der Arbeitsauftrag ist klar. „Wir müssen das Schiff wieder auf Kurs bringen“, sagte Koch. Er weiß: Im Moment ist noch nicht viel passiert, außer einem Durchhänger. Noch stehen die Dragons auf Platz drei in der Tabelle. Mit einem entsprechenden Sieg gegen Ulm am nächsten Samstag könnten sie sogar auf den zweiten Rang vorrutschen, mit einem Erfolg in Moskau den Gruppensieg sichern. Was nun kommt, ist eine Prüfung. „Nach Siegen läuft alles gut“, erklärte Koch. Und gewonnen hat sein Team in dieser Saison schon oft. Verloren aber in der Liga erst sechsmal. „Doch der wahre Charakter einer Mannschaft“, betonte Koch, „zeigt sich darin, wie sie mit Niederlagen umgeht.“ Zumal mit einer, die sich so schlimm anfühlt.

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