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Tippspiel
Artland Dragons
Am liebsten spielt Emma mit Jungs
Osnabrück. „In neun Jahren Bundesliga habe ich keine bessere Spielerin gesehen als Emma Cannon.“ – Die Aussage von René Spandauw, Trainer des mehrfachen Basketball-Meisters Saarlouis Royals, spricht Bände. Die 22-jährige Amerikanerin von den OKE Panthers setzt seit Saisonbeginn in der Eliteliga der Damen die Maßstäbe. Doch wer ist diese Emma Cannon?
Auf dem Spielfeld wirkt die muskulöse Centerin extrem „tough“, abseits des Kampfes unter den Körben entpuppt sie sich recht schnell als freundliches und fröhliches Mädel. „Später möchte ich einmal in einem Freizeitzentrum mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen arbeiten“, verrät auch ihr Berufswunsch einiges über ihren Charakter, der so gar nicht zu ihrem von markigen Tatoos geprägten Äußeren passen will. Eine „problematische Nachbarschaft“ hat Cannon schon in ihrer Kindheit in Rochester, US-State New York, erlebt. In diesem Umfeld hat sie auch gelernt, sich beim Streetball gegen Jungs durchzusetzen. „Die Boys ziehen nicht zurück. Das gefällt mir,“
„Meine Familie war immer ein großer Halt für mich“, blickt sie heute auf die manchmal schwierige Jugendzeit zurück. Mutter Patty und Vater Carl hat sie zuletzt an den Weihnachtstagen besucht. Nun hält sie Kontakt über das Internet. „Skype saves lives“, preist sie mit einem Lächeln das Video-Telefonieren via Internet als ihren Lebensretter. Aber auch in Osnabrück hat sie „eine kleine Familie“ gefunden. Mit fünf Mitspielerinnen bildet sie in den ehemaligen Kasernen in Eversburg eine harmonische Wohngemeinschaft. „Das ist toll. Die US-Profis bei anderen Vereinen leben oft allein in einem Appartement. Bei uns ist man immer in Gesellschaft.“ Mit der Clique geht es mal zum Nettebad, mal zu den Dragons-Spielen und manchmal auch auf Städtetour.
Und Emma ist im Mannschaftskreis äußerst beliebt. „Sie hat den Schalk im Nacken“, lächelt ihr Trainer Peter Kortmann. „Mister Peter“, wie Cannon ihren Coach nennt, ist für sie beim ersten Aufenthalt in Übersee eine große Stütze. „In der Freizeit ist er sehr nett und entspannt“, berichtet das US-Girl. Auch Kortmanns aufbrausende Art am Spielfeldrand kann das positive Urteil nicht trüben. „Solche Trainer hatten wir an den Colleges auch. Ich finde es gut, wenn ein Trainer die Spielerinnen fordert und auch mal streng ist. Nur das bringt einen weiter“, lautet ihre Erkenntnis.
In ihren Collegeteams hat Cannon stets Akzente gesetzt und sich so für einen Profivertrag in Europa empfohlen. Umso erstaunlicher klingt die Aussage von Kortmann: „Wir waren die Einzigen, die Emma haben wollten“, berichtet der langjährige Bundesliga-Coach über die Kontaktaufnahme bei der renommierten Spieleragentur Slammers. Sein „Glücksgriff“ (Kortmann) ist nun auf dem besten Wege, die Einzelstatistiken in der Bundesliga zu dominieren. „Ich will in beiden Kategorien vorne sein“, nennt Cannon ihr ehrgeiziges Ziel. Mit 23,1 Punkten und 12,3 Rebounds (!) pro Spiel – also dem begehrten „Double-Double“ – ist sie auf bestem Wege, ihren Wunsch zu realisieren. Auch mit dem Team will die Turnschuh-Liebhaberin („Ich liebe Sneakers“) Erfolge feiern: „Es ist alles möglich. Wir sind mit den Spitzenteams auf Augenhöhe.“ Ein weiterer Traum ist dagegen noch in weiter Ferne. „Irgendwann möchte ich einmal in der WNBA spielen“, strebt Cannon die nordamerikanische Profiliga an.
Doch zuvor will sie einige Jahre Profierfahrung in Europa sammeln. „Danach kann sie es schaffen“, meint auch Kortmann, der ihr Wegbegleiter bleiben soll. „In der kommenden Saison werde ich zu 99,9 Prozent in der Mannschaft spielen, die von Mister Peter trainiert wird“, macht sie anderen Vereinen trotz lukrativer Angebote wenig Hoffnung. Und wenn Kortmann in Osnabrück verlängern sollte? Cannon überlegt nicht lange und sendet eine klare Botschaft an das Management. „Dann bleibe ich sogar zu 100 Prozent.“
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