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Inspiriert von Zecke und Zikade
Kettenkamp/Bremen. Was hat die Tierwelt mit der Erfindung eines Dübels zu tun? Das kann Markus Hollermann erklären. Der gebürtige Kettenkamper studierte an der Hochschule Bremen im Internationalen Studiengang Bionik und gewann mit seiner Bachelor-Arbeit gemeinsam mit seinem Studienkollegen Felix Förster den Internationalen Bionic Award 2010 für seine innovative Idee.
Bei dem Begriff Bionik handelt es sich um ein Kunstwort, das zusammengesetzt ist aus „Biologie“ und „Technik“. Von der Natur lernen, sich Wissen aus der Tier- und Pflanzenwelt anzueignen und dieses bei der Entwicklung neuer Produkte anzuwenden ist zentraler Inhalt des Studiengangs. Dorthin kam Markus Hollermann aber nicht auf ganz direktem Wege.
Voraus gingen eine Ausbildung zum Technischen Zeichner und die Fachoberschule Technik (FOT). Dann zog es ihn nach Bremen, wo er im Februar 2009 den Internationalen Studiengang Bionik an der Hochschule Bremen erfolgreich mit dem „Bachelor of Science“ abschloss.
Während des Studiums absolvierte er ein Auslandssemester in Kanada an der Universität in Toronto. Seit Studienende ist Hollermann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bionik-Innovations-Centrum (B-I-C) der Hochschule Bremen tätig. Den Anstoß zur Erfindung des neuen Dübels gab Prof. Dr. Antonia B. Kesel, Leiterin des B-I-C, die ihn und seinen Kommilitonen Felix Förster aus Leipzig, derzeit im Masterstudium an der TU Berlin, auf die Entwicklung bio-inspirierter Befestigungssysteme ansetzte.
Neben der Lehre motivierte Prof. Dr. Kesel die Studenten stets, Projektergebnisse und Entwicklungen zu veröffentlichen, und so machte sie auch auf die Ausschreibung für den Internationalen Bionic Award aufmerksam. Zur Zusammenfassung der Bachelorarbeiten und zur Bewerbung für den Bionic Award kam es, mit Blick auf das Potenzial der entwickelten Dübel, jedoch erst kurz vor Ende der Bewerbungsfrist.
Dabei ging es um die Entwicklung neuer „Dübel“ für die Fixierung in „Luft“, also Ankergrundmaterialien aus Styropor, Hohlraumprofilen und an und hinter Gipskartonplatten. Ziel war es, eine Lösung für Leichtbauplatten zu finden.
Diese Platten sind recht dünn, schwerere Dinge, wie zum Beispiel eine Lampe, lassen sich dort kaum befestigen. In Anlehnung der auf dem Markt gängigen Produkte machten sich die beiden Erfinder an die Arbeit, wälzten Bücher in der Literaturrecherche und kamen so unter anderem auf die Zikade, ein Pflanzensaft saugendes Insekt, und die Zecke.
„Bei diesen Tieren konnten wir einige Merkmale feststellen, die uns für die Abstraktion auf Befestigungssysteme interessant erschienen“, so Hollermann. „Sie sind in der Lage, sich allein mit ihren Mundwerkzeugen im jeweiligen Substrat – im Fall der Zecke etwa in der menschlichen Haut, im Fall der Zikade in pflanzlichem Gewebe – fest zu verankern.
Am Rechner entstand der Prototyp des neuen Dübels, das alles in der kurzen Zeit von drei Monaten. Die Arbeit wurde honoriert, im Mai nahmen die beiden Jungunternehmer, die seit Kurzem als „die Bioniker“ selbstständig sind (www.diebioniker.de) den mit 10000 Euro dotierten Bionic Award 2010 entgegen. Die Preisverleihung war für Hollermann fast ein Heimspiel, denn die fand in Osnabrück in den Räumlichkeiten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) statt.
Die Ergebnisse aus den Bachelorarbeiten werden nun am B-I-C genutzt, und in Kooperation mit der Unternehmensgruppe fischer kann der Erfinder nun daran arbeiten, die entwickelten Prototypen für den Markt zu gestalten.
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