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„Acht von zehn Klubs hätten mich gefeuert“
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 12. Mai 2009 00:00 Uhr


„Acht von zehn Klubs hätten mich gefeuert“

Herr Leibenath, wie viele graue Haare haben Sie am Samstag bekommen?
Meine Haare werden noch nicht grau – sie fallen höchstens etwas schneller aus.

Ärgert es besonders, nach so einem Sieg auszuscheiden?
Ja. Man hat am Ende der Saison gesehen, dass diese Mannschaft um eine Meisterschaft hätte mitspielen können.

 
Impulsiv: Drachen-Coach Thorsten Leibenath. Foto: EXPA  Vergrößern

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Auch gegen Alba?
Wir wären Außenseiter gewesen. Aber diese Rolle liegt uns ja mehr als die des Favoriten.

Der Zeitpunkt, als Sie wussten, wir sind raus – was ging da in Ihnen vor?
Es hat einen Tag gedauert, bis die Enttäuschung richtig hochkam. Erst spät realisiert man, welche große Chance vergeben wurde. Und dann kommen die Überlegungen...

...wäre es da doch anders gelaufen?
Genau. Man hadert mit dem Schicksal. Aber wir hatten in dieser Saison nicht nur Pech, wir haben auch klare Fehler gemacht.

Welche?
Die lagen im taktischen Verhalten und in der Zusammenstellung des Teams.

Was waren die taktischen Fehler?
Wir haben uns bis zur Jahresfrist zu viel aufgeladen. Man hatte phasenweise den Eindruck, einige spielen mit angezogener Handbremse, müssen erst überlegen: Was soll ich jetzt machen? Danach haben wir einiges vereinfacht und befreiter gespielt.

Was haben Sie an sich verändert?
Am Anfang habe ich mich zu sehr auf die Selbstheilungskraft des Teams verlassen. Ich habe gedacht, die Spieler merken, was richtig und was falsch ist. Das denke ich immer noch, aber zuletzt habe ich häufiger korrigiert.

Haben Sie den Umstellungsprozess unterschätzt?
Er hat länger gedauert als erwartet. Das lag an der sehr erfolgreichen Arbeit von Chris Fleming. Ein legitimer Einwand war: Letztes Jahr hat es geklappt, warum sollen wir es jetzt anders machen. Bei einigen musste ich also erst Überzeugungsarbeit leisten.

Ein schwerer Kampf?
Eine Herausforderung. Die Spieler hatten vieles verinnerlicht, und es war eine natürliche Skepsis vorhanden. Der bedingungslose Glaube an das, was wir jetzt machen, kam erst zu einem späteren Zeitpunkt – aber er kam. Sonst hätten wir diesen Lauf am Ende nicht gehabt.

Ist die Überzeugungsarbeit gelungen?
Ich glaube, dass zum Ende der Saison eine Handschrift zu erkennen war und diese nicht gänzlich unleserlich ist. Ich bin dennoch sehr unzufrieden: Wir hätten die Play-offs erreichen müssen und werden alles dafür tun, das nächste Saison zu schaffen.

Nach den Spielen gegen Oldenburg und Düsseldorf gab es Pfiffe – haben Sie die getroffen?
Keiner mag es, wenn er ausgepfiffen wird. Ich habe versucht, das rational zu betrachten, und kam zu dem Schluss: Ich kann sie nachvollziehen.

Haben Sie überlegt alles hinzuschmeißen?
Nein. Habe ich nicht. Ich war überzeugt, dass es wieder aufwärts geht.

Wie wichtig war da der Rückhalt des Vereins?
Ich glaube, bei acht von zehn anderen Klubs wäre ich in so einer Situation gefeuert worden. Ich empfinde also große Dankbarkeit, dass die Verantwortlichen mir den Rücken gestärkt haben. Ich hoffe, der Lauf am Ende hat gezeigt, dass das nicht die falsche Entscheidung war.

Am Samstag rissen sich die Fans um die Trikots – eins war ein Ladenhüter. Das von Will Blalock. War er ein Fehlgriff?
Ja. Wir benötigten damals Führung, die weder Drew Neitzel, noch Zack Whiting uns geben konnten. Und ich habe den Fehler gemacht, noch einmal auf einen jungen Spielmacher zu setzen, der keine Erfahrung in Europa hat.

Ross und Bailey waren dagegen Glücksgriffe?
Da haben wir die richtige Mischung gefunden aus Erfahrung, Führungsqualität und Punktesammlern. Sie haben uns wieder daran daran glauben lassen, gewinnen zu können.

Wie wichtig ist es nun, Ross zu halten?
Es ist vor allem wichtig, frühzeitig Sicherheit zu haben, wer unser Spielmacher ist. Um ihn will ich die Mannschaft aufbauen. Und es wäre dumm, nicht zu versuchen, Ronald zu halten. Ob es klappt, weiß ich nicht.

Schwierig, weil es noch ein so früher Zeitpunkt ist?
Natürlich pokern einige Spieler, aber für manche ist es auch wichtig, früh zu wissen, wo sie in der nächsten Saison spielen. Es wäre wünschenswert, das Grundgerüst des Teams zu erhalten.

Was haben Sie in dieser Saison gelernt?
Da ich heute Abend noch ins Bett gehen möchte, sollte ich lieber nicht anfangen aufzuzählen.

Ein Punkt würde genügen...
Ich glaube, es war richtig auf Spieler zu setzen, die einen guten Charakter besitzen. Nur mit diesen Typen können sich die Fans identifizieren. Auch wenn wir phasenweise nicht gut gespielt haben, mit den Persönlichkeiten auf dem Feld waren unsere Fans zufrieden.

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