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Fußball-Fans: In Deutschland wird auf hohem Niveau gemeckert
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 17. Januar 2012 16:51 Uhr

Zum Abschluss des Fan-Kongresses

Fußball-Fans: In Deutschland wird auf hohem Niveau gemeckert

Berlin. Zum Abschluss des Berliner Fankongresses kamen ausländische Fußballfans zu Wort. Die Verhältnisse in Deutschland halten sie für paradiesisch.

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Umar Fredricks fand es wie die Mitdiskutanten aus Dänemark, der Schweiz, der Türkei, Frankreich und Italien „bemerkenswert“, dass „eine populäre Sportsendung wie das ZDF-Sportstudio so ausführlich und sachlich über Fanthemen spricht. Das wäre bei uns undenkbar.“

Als er mit seinem Bericht über die Lage in Schottland begann, huschte trotz der Strapazen der Nacht schon wieder ein Lächeln über die ermüdeten Gesichter der deutschen Fans, die ihren ausländischen Gästen das Podium überlassen hatten. Als schottischer Fußballfan sei man oftmals Opfer von „Repression und merkwürdigen Polizeieinsätzen“, berichtete er. Und schloss sein Lamento mit einer anschaulichen Anekdote: „Kürzlich traf die Polizei in einer öffentlichen Toilette einen Betrunkenen an, der dort eingeschlafen war. Der bekam dann ein Stadionverbot für den Celtic Park.“ Der selig schlafende Trunkenbold dürfte es verkraftet haben: Er interessierte sich überhaupt nicht für Fußball.

„Manchmal meckern wir auch auf hohem Niveau“, sagte ein Münchner Ultra angesichts der Lage in anderen Ligen. Die Kartenkontingente für Auswärtsfans sind in den meisten Ländern kleiner, das Bierchen, das hierzulande in den meisten Stadien noch wie selbstverständlich ausgeschenkt wird, ist in England, Frankreich und den südeuropäischen Ländern längst tabu. Und Stehplätze gibt es nicht mehr. Mit fatalen Folgen für die Stimmung in den Stadien, wie Englandreisende berichteten.

Glaubt man den Schilderungen der Fans, herrscht auf der Insel, die noch vor 15 Jahren als Mekka all derer galt, denen es beim „Groundhopping“ (dem Bereisen möglichst vieler Stadien) vor allem um die Atmosphäre vor Ort ging, längst „Friedhofsstimmung“. Nicht nur in „Old Trafford“, dem traditionsreichen Stadion von Manchester United, hat eine zahlungskräftigere Klientel Einzug gehalten, die nicht selten aus Asien oder den USA zu den Spielen angeflogen kommt. Diese „ManU-Supporter“, die die Fans vor Ort in Berlin voller Verachtung „Erfolgsfans“ oder „Konsumenten“ nennen, sind den Clubmanagern lieb und teuer. Schließlich buchen sie kostspielige Logenplätze und VIP-Seats und verlassen Manchester selten wieder ohne große Einkaufstüten aus dem Fanshop.

Auch bei Paris St. Germain wird an einem Austausch des Publikums gearbeitet, wie Manuel Marcos von der französischen Fanorganisation „Liberté pour les abonnés“ berichtet. Wer eine Dauerkarte erwerben will, muss sich vorher eine „Fankarte“ zulegen, mit deren Erwerb er auf einen Großteil seiner bürgerlichen Rechte verzichtet. „Man unterschreibt mit dem Antrag, dass man weder eigene noch gegnerische Spieler beschimpft, nicht die Club-Offiziellen kritisiert oder sich zu politischen Themen äußert. Lustig, dass es so etwas in einer Demokratie gibt.“

Eine ähnliche Fankarte ist in Italien längst eingeführt, wie Lorenzo Contucci aus Rom berichtete: „Wir haben landesweit eine überteuerte Prepaidkarte, mit der man auch im Stadion einkaufen kann.“ Vereinen und Verbänden gehe es nur ums Geldverdienen, so Contucci. Das gleiche Motiv unterstellt PSG-Fan Marcos auch seinen Club-Offiziellen. Für die PSG-Ultras stand außer Frage, sich den Bedingungen für eine Fankarte zu unterwerfen. Somit haben sie den Prinzenpark seit eineinhalb Jahren nicht mehr betreten, Aber die Vereinstreue ist geblieben. So feuern sie den französischen Kultclub nur noch auswärts an.


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