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„Ich bin der König der Welt“ - Muhammad Ali wird 70
Als er „I am the greatest! – Ich bin der Größte!“ in die Mikrofone brüllte, dachten wir: Was für ein Spinner. Längst wissen wir: Er hatte Recht. Muhammad Ali, eines der wenigen globalen Idole unserer Zeit, wird 70.
Ali, der Boxer
Mit ihm wurde Boxen schön: Er bewegte sich im Ring schneller als jeder andere Schwergewichtsboxer, er hatte Grazie und Eleganz. Seine Schläge waren nicht härter als die der anderen, aber sie kamen schneller – „Windmühle“ nannte er die blitzschnelle Abfolge seiner Punches. Seiner Beinarbeit gab er den Namen „Ali-Shuffle“: Seine enormen Reflexe erlaubten ihm einen völlig neuen Stil; er blockte die Schläge nicht ab, sondern wich ihnen mit tänzerischer Leichtigkeit aus – seine Arme ließ er oft am Körper baumeln, ohne Deckung, aber dennoch nicht zu treffen. „Fly like a butterfly, sting like a bee – Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, nannte er das.
Ali, das Großmaul
Wirkte schon sein Stil arrogant, so taten es noch viel mehr seine Worte. Er hatte 1960 gerade olympisches Gold in Rom gewonnen, da kündigte er an: „Ich bin der größte, schnellste und schönste Boxer der Welt.“ Er verhöhnte seine Gegner, vor allem den Ex-Häftling Sonny Liston, den er einen „hässlichen, alten Bären“ nannte. Er kündigte vor mehreren Fights großspurig die Runde an, in der er durch K. o. siegen würde – und behielt fast jedes Mal Recht. Als er am 25. Februar 1964 zum ersten Mal Weltmeister war, sprang er durch den Ring und schrie immer wieder: „Ich bin der König der Welt!“
Ali, der Rebell
Einen Tag später wurde aus Cassius Clay Muhammad Ali. Der im rassistisch geprägten Südstaaten-Milieu aufgewachsene Boxer konvertierte zum Islam, schloss sich den „Black Muslims“ an und wurde zum Kämpfer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. „Wen haben wir gelyncht? Wen haben wir geteert, vergewaltigt und aufgehängt?“, fragte er in Interviews und sagte: „Die Weißen sind die Urheber des Hasses in diesem Land. Wir sind die Opfer ihres Hasses.“ Seinen „Sklavennamen“ Cassius Marcellus Clay legte er ab, und wer ihn dennoch so nannte, bekam Probleme.
„Me ain’t got no quarrel with the Vietcong – ich habe keinen Ärger mit dem Vietcong“ – mit diesem legendären Satz verweigerte Ali 1967 den Wehrdienst. Das weiße Establishment, dem der „ungewaschene Negerjunge“ (so ein Zeitungs-Kommentar) schon lange mächtig auf die Nerven gegangen war, landete einen Schlag, dem Ali nicht ausweichen konnte: Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt (die später zur Bewährung ausgesetzt wurden), der Weltmeister-Titel wurde ihm aberkannt, er selbst für dreieinhalb Jahre gesperrt. Dass er danach wiederkam und noch zweimal Weltmeister wurde, bleibt eine Sensation der Sportgeschichte – auch wenn er nie wieder so tanzte wie zuvor.
Ali, das Idol
Wie so viele Boxer fand Ali nicht den richtigen Zeitpunkt für das Ende. Doch die peinlichen Kämpfe, die der fast 40-Jährige bestritt, konnten seinen Ruhm nicht beschädigen. Ali blieb einer der bekanntesten Menschen der Welt. Als er 1996, gezeichnet von der Parkinson’schen Krankheit, in einem der anrührendsten Momente der Sportgeschichte mit zitternder Hand die olympische Flamme in Atlanta entzündete, lief eine ungeheure Welle der Sympathie um den Globus. Sie ist nicht abgeebbt. Wo immer der schwerkranke Ali in Begleitung seiner Frau Lonnie auftaucht, verneigen sich alle in Ehrfurcht. Manchmal blitzt sein wacher Verstand durch die traurige Fassade seiner Krankheit, und er macht einen seiner berühmten Späße. Das Schicksal hat ihm seine Beweglichkeit, seine Schnelligkeit und seine Sprache genommen. Doch er klagt nicht. Für die meisten Menschen ist er gerade deshalb und mehr denn je: „The greatest – der Größte.“
Alis größte Kämpfe
1960: Ali deklassiert im olympischen Finale des Halbschwergewichts den polnischen Routinier Zbigniew Pietrzykowski.
1964: Erster WM-Fight nach 19 vorzeitigen Siegen in 19 Kämpfen. Nach sechs Runden gibt der haushohe Favorit Sonny Liston demoralisiert auf.
1965: Im Rückkampf gegen Liston schlägt Ali den Ex-Zuchthäusler mit seinem dritten Schlag k. o. – nach 108 Sekunden.
1966: Im ausverkauften Waldstadion in Frankfurt hält der deutsche Karl Mildenberger zwölf Runden stand, dann geht er zu Boden. „Mein härtester Kampf“, sagt Ali.
1970: Nach dreieinhalbjähriger Sperre meldet er sich gegen Jerry Quarry mit einem K.-o.-Sieg (3. Runde) zurück.
1971: Im „Kampf des Jahrhunderts“, den weltweit 300 Millionen verfolgen, verliert Ali erstmals; Joe Frazier gewinnt nach Punkten.
1974: Mit einem Revanchesieg gegen Frazier qualifiziert sich Ali für den Titelkampf gegen George Foreman. Beide kassieren fünf Millionen Dollar Börse, Promoter Don King inszeniert das Spektakel im afrikanischen Kinshasa/Zaire. Ali steckt unglaubliche Schläge ein und schickt Foreman in Runde acht auf die Bretter.
1975: Das dritte Duell mit Frazier wird auf Jamaika zu einem epischen, gnadenlosen und brutalen Kampf, der „Thriller von Manila“. Nach 14 Runden gibt Frazier auf.
1978: Nach elf erfolgreichen Titelverteidigungen verliert Ali gegen Olympiasieger Leon Spinks. Er holt sich den WBA-Gürtel ein halbes Jahr später zurück und gibt ihn kurz darauf freiwillig ab.
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