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Wissenschaftler entwickeln ersten Gendoping-Test
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Quelle: dpa 02. September 2010 16:33 Uhr


Wissenschaftler entwickeln ersten Gendoping-Test

Tübingen. Das Schreckgespenst vom genmanipulierten Spitzenathleten geistert seit Jahren durch die Sportwelt. Der Athlet schluckt ein Medikament, der Körper gibt eine leistungssteigernde Substanz frei und die Dopingfahnder wissen nicht, ob die auf natürlichem Wege herstellt wurde oder nicht.

 
Gendoping soll jetzt nachweisbar sein.  Vergrößern

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Deutsche Wissenschaftler haben nun nach eigenen Angaben das weltweit erste Nachweisverfahren für Gendoping entwickelt. «Damit lässt sich Doping durch Gentransfer relativ kostengünstig nachweisen, auch lange nach dem eigentlichen Dopingvorgang», sagte Perikles Simon, Abteilungsleiter Sportmedizin an der Universität Mainz, in Tübingen.

«Für die Sportler wird es jetzt echt eng», meinte Simon. Sein Forscherkollege Michael Bitzer von der Universitätsklinik Tübingen sprach von einer wertvollen «Abschreckung». Nach Erkenntnissen der beiden kann die Analyse einer einfachen Blutprobe ausreichen, um festzustellen, ob ein Sportler sein Erbgut modifiziert hat oder nicht. Das hielten Fachleute lange für unmöglich. «Gendoping lässt sich nicht mehr aufhalten», schrieb «Die Welt» noch im Februar.

Perikles Simon hat diesen Satz nie geglaubt. Die Forscher aus Mainz und Tübingen stellten fest, dass die natürlichen Erbinformationen eines Menschen von Einschüben unterbrochen sind, wie bei Perlen, die auf einer Schnur lose nebeneinanderhängen. Manipulierte Stränge, sogenannte transgene DNA-Sequenzen, weisen dagegen keine Lücken auf. Statt nach Spuren zu fahnden, die der Körper produziert, suchen die Wissenschaftler nach Informationen, die fehlen. Der Test sei «zweifelsfrei», versicherte Simon. Und er wurde mit insgesamt 980 000 US-Dollar von der Welt-Antidoping-Agentur WADA gefördert.

Das Problem ist nur: Bis die Labors der WADA den Test zugelassen und Personal geschult haben und bis die Gerichte dem Verfahren ebenfalls trauen, könnten Jahre vergangen sein. Ein Einsatz bei den Olympischen Spielen 2012 in London sei «der Wunschtraum», sagte Simon der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Denn das Verfahren wirft auch einige Fragen auf: Wie lange lässt sich das Gendoping im Körper eines Sportlers nachweisen? Lange genug, um auch jahrelang eingefrorene Proben nachträglich zu untersuchen? «Das wissen wir noch nicht», räumte Simon ein. Sein Kollege Bitzer glaubt, dass ihre Methode Gendoping aufspüre, «so lange der Sportler davon einen Effekt hat». Aber nicht nur die Frage der Nachweisbarkeit ruft Zweifel hervor. Bisher können die Wissenschaftler nur nach illegalen Substanzen suchen, die ihnen bekannt sind, wie etwa die Ausdauerdroge Erythropoetin. Zudem reiche schon ein verunreinigtes Wattestäbchen aus, so Simon, um den Test zu verfälschen.

«Es ist auch die Frage, ob die Verbände sich das leisten möchten», sagte der Wissenschaftler. «Aber ich weiß auch nicht, auf was für ein Signal die noch warten.» Er weiß nur, dass die Anti-Doping-Forschung den Betrügern hinterherhechelt und er nicht noch mehr Boden verlieren will. An die Wand des Tübinger Konferenz-Zentrums hat er den Spruch eines Fußballers geworfen: «Nichts ist scheißer als Zweiter.»

Simon beklagte eine «Unverhältnismäßigkeit der Mittel». 130 Milliarden Dollar würden jährlich in den globalen Spitzensport gepumpt, schätzt er. Das Budget der WADA liege nur bei rund sechs Millionen. Laut Bitzer könne man sich nicht einmal sicher sein, dass Gendoping im Spitzensport wirklich durchgeführt werde. Es sei zu aufwendig und zu unsicher. «Die Sportler kommen ja auch mit herkömmlichen Mitteln bisher bestens durchs Jahr», sagte Simon.  Mehr Sport

 
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