20.04.2017, 17:09 Uhr

Mit Akribie und Beharrlichkeit Gunter Böhlke bringt Ordnung ins Westerkappelner Bilderarchiv

Hobby-Archivar: Gunter Böhlke hat 12500 historische Aufnahmen gesichtet und digitalisiert. Foto: Katja NiemeyerHobby-Archivar: Gunter Böhlke hat 12500 historische Aufnahmen gesichtet und digitalisiert. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Er ist der Mann, der Ordnung in die Unordnung bringt: Gunter Böhlke kümmert sich um das Fotoarchiv der Gemeinde Westerkappeln.

Als sich Gunter Böhlke ans Sichten und Sortieren der Fotos machte, herrschte praktisch Chaos im Fotoarchiv der Gemeinde Westerkappeln. Im Keller des Schulzentrums – wo sich das Archiv seit einiger Zeit befindet – stapelten sich die Kartons mit den teils über 100 Jahre alten Aufnahmen. Jetzt, mehr als zwei Jahre später, hat Böhlke Ordnung in die Sammlung gebracht. Und dabei bewiesen, dass er einen langen Atem besitzt: Insgesamt 12500 Bilder hat der Westerkappelner digitalisiert und katalogisiert.

Mammutaufgabe

Eine Mammutaufgabe, die der 75-Jährige mit Akribie und Beharrlichkeit löste. „Man kann sich unheimlich vertiefen in die Aufnahmen. Teilweise musste ich lange recherchieren, um zu erfahren, was auf dem jeweiligen Bild zu sehen ist“, erzählt das langjährige Mitglied des Kultur- und Heimatvereins.

Das Ergebnis seiner Arbeit hält Böhlke in der Hand: Ein Zeigefinger großer Computer-Stick, auf dem das gesamte Fotoarchiv nun gespeichert ist. Wie groß die Datenmenge ist? „128 Gigabyte“, sagt der Ruheständler eher beiläufig, so als wäre das nichts Besonderes. Außerdem befinde sich auf dem Stick ja auch noch ein Handbuch, das er verfasst hat und in dem das System des Fotoarchivs beschrieben wird. „Damit kann dann auch die Nachwelt mit dem Archiv weiter arbeiten“, erläutert der ehemalige Hausarzt.

Um Ordnung in die Bilderflut zu bekommen, hatte er zunächst ein Computerprogramm entwickelt, das eine gute Übersicht über das Material liefert. Damit ist es nunmehr möglich, die Suche nach bestimmten Motiven mit Hilfe von Filtern einzugrenzen.

So kann die Sammlung zum Beispiel nach einem Straßennamen durchsucht werden. Eine Suche nach der Bullerteichstraße etwa liefert 93 Treffer. Um die Ergebnisliste noch weiter einzuschränken, hat Böhlke bei zahlreichen Straßen, insbesondere im Ortskern, Wegepunkte markiert und so die Fotos je nach Standpunkt auf einer Straße sortiert. Darüber hinaus ist eine Abfrage nach Entstehungsdatum und nach Stichpunkten möglich.

Auch wenn Böhlke es sich nicht anmerken lässt und er sich eher bescheiden gibt, scheint er mit dem Ergebnis seiner Arbeit zufrieden zu sein. Dies aber wohl allein deshalb, weil er nunmehr Anfragen von Westerkappelnern beantworten kann, die in den vergangenen Jahren immer häufiger bei ihm aufliefen. „

Endlich“, bemerkt er, „kann ich jetzt mit Hilfe des digitalen Archivs Fotos heraussuchen, für die sich jemand interessiert.“

Mit wenigen Mausklicks hat er zum Beispiel die älteste Aufnahme gefunden: eine Postkarte mit der Ansicht von Westerkappeln aus dem Jahr 1890.

Zugleich versetzt ihn das Archiv in die Lage, weitere Bilder hinzuzufügen. Etwa den Fund eines Westerkappelners, der kürzlich an seiner Tür klingelte. Der Mann wollte der Gemeinde aus dem Nachlass seines Vaters alte Fotos zur Verfügung stellen. „Das Material nehmen wir natürlich gerne an“, betont Böhlke.

Neue Projekte

Die ehrenamtliche Arbeit geht für den Ruheständler also immer weiter. Ohnehin scheint es für Böhlke unvorstellbar zu sein, künftig die Hände in den Schoß zu legen. Ein weiteres Projekt hat er bereits in Angriff genommen: Die Karteikarten mit den Einwohnermeldedaten müssen noch digitalisiert werden.

Und dann liegen da ja auch noch die Kirchenbücher mit all den für die Ahnenforschung wichtigen Informationen... Der Hobby-Archivar blickt jedenfalls zufrieden drein. Es ist noch jede Menge zu tun.


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