19.04.2017, 16:56 Uhr

Es begann mit Schnitzel und Kotelett Bunte Bentheimer in Westerkappeln

Eber Hodor ist eigentlich ein friedliches Tier. Davon sind seine Besitzer Johanna und Marcel Hackmann überzeugt. Nur manchmal, sagen sie, wenn er sich ärgert, kommt schon aus seiner Schnauze. Foto: Katja NiemeyerEber Hodor ist eigentlich ein friedliches Tier. Davon sind seine Besitzer Johanna und Marcel Hackmann überzeugt. Nur manchmal, sagen sie, wenn er sich ärgert, kommt schon aus seiner Schnauze. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Angefangen hat alles mit „Schnitzel“ und „Kotelett“: So hatten Johanna und Marcel Hackmann ihre ersten beiden Ferkel genannt und damit von vorneherein klargestellt: Die beiden Tiere sollten gemästet werden. Das war vor fünf Jahren. „Schnitzel“ und „Kotelett“ sind inzwischen längst zu Schnitzel und Kotelett verarbeitet und verzehrt worden. Aus der Tiermast für den Eigenbedarf ist indes ein kleiner Bioland-Hof mit zurzeit 24 Sauen und drei Ebern geworden.

Wenn Marcel Hackmann über die vergangenen Jahre berichtet, macht er den Eindruck, als könnte er es selbst nicht richtig glauben. „Das ist schon der Wahnsinn“, sagt er nicht ohne Stolz. Schließlich war der landwirtschaftliche Betrieb seines Vaters an der Heerstraße längst stillgelegt. „Dass wir hier jetzt Bunte Bentheimer Schweine züchten, das war nicht der Plan gewesen“, sagt der gelernte Schlosser, der hauptberuflich bei Coppenrath & Wiese beschäftigt ist. Und: „Ohne die Unterstützung aus der Verwandtschaft von Karl-Heinz und Günter Leppert hätten wir das auch wohl nicht geschafft.“

Kapitaler Eber

Marcel Hackmann steht an einem Außenstall mit einer stabilen Absperrung, hinter der Hodor gerade mit seiner Schnauze in der Erde wühlt. Hodor ist ein kapitaler Eber, der auch nach einer Abspeckkur immer noch 250 Kilogramm auf die Waage bringt. Wenn er seinen massiven Kopf hebt, misst er in der Höhe weit mehr als einen Meter. Aus der rechten Seite seines Gebisses ragt noch ein Hauer, den anderen hat er wohl irgendwann verloren. „Wenn man bedenkt, dass Hodor schon drei Jahre alt ist, müsste er eigentlich in die Wurst“, meint Marcel Hackmann. Dass er immer noch lebt, liege daran, „dass er gute Ferkel macht“. Und wohl auch daran, dass die Hackmanns ihn lieb gewonnen haben.

Für gewöhnlich ist Hodor auch friedlich. Ärgert er sich aber über etwas, dann tritt Schaum aus seiner weit aufgerissenen Schnauze. „Und dann kommt man ihm besser nicht zu nah“, sagt Marcel Hackmann nüchtern.

Rege Nachfrage nach Fleisch aus artgerechter Haltung

Als im Stall nebenan noch „Schnitzel“ und „Kotelett“ standen, registrierten die Hackmanns innerhalb kürzester Zeit eine rege Nachfrage nach Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. „Das Interesse war sehr groß“, erzählt Johanna Hackmann. Weitere Tiere wurden angeschafft und erste Kontakte zu dem ökologischen Erzeugerverband Bioland geknüpft. „Eines Tages sprachen wir dann mit einem Biolandwirt aus Rhede, der uns fragte, ob wir ihm künftig Bentheimer Ferkel liefern könnten“, erzählt Marcel Hackmann. Das Paar überlegte nicht lang, baute einen weiteren Stall mit Auslauf, der Platz bietet für 40 Tiere. „Wir werden unseren Bestand an Sauen also bald noch erhöhen. Ziel ist es, jährlich 600 Ferkel zu produzieren“, erklärt Marcel Hackmann.

Im sogenannten Abferkelstall liegt an diesem Vormittag die Sau Becky mit ihren elf, nur wenige Tage alten schwarz gefleckten Ferkeln. Darüber hängt eine Kamera, die mit den Handys von Marcel und Johanna Hackmann über eine spezielle Software verbunden ist. „So können wir zum Beispiel mit einem Blick sehen, ob es den Tieren gut geht“, erläutert Johann Hackmann, die nebenbei als Physiotherapeutin und Pferde-Osteopathin tätig ist.

Stroh statt Spaltenboden

Die 28-Jährige berichtet weiter, dass ihre Zucht seit Anfang dieses Jahres den strengen Bioland-Richtlinien entspreche. So stehen die Tiere anders als bei konventioneller Haltung nicht auf Spaltenboden aus Beton, sondern auf Stroh. Sie haben Auslauf, können sich Nester bauen. Die Tiere würden ferner weder fixiert, noch würden ihre Schwänze kopiert, wie vielfach in der Intensivhaltung üblich. Die männlichen Tiere würden außerdem nur unter Narkose kastriert, betont Marcel Hackmann.

Mehr Platz, weniger Rangkämpfe

Auch Muttertiere wie Becky können sich in ihrem Stall frei bewegen, sind nicht in ein Stangenkorsett, den sogenannten „Ferkelschutzkorb“ gesperrt, der in einer Massenhaltung verhindern soll, dass die Sau ihre Jungen tot quetscht. „Natürlich sind wir uns der Gefahr bewusst“, betont Marcel Hackmann. „Aber wir kennen jedes unserer Tiere genau, wissen, welches wir verstärkt überwachen müssen, damit es sich nicht versehentlich auf eines der Ferkel legt.“ Das bedeutet zusätzliche Arbeit, die Marcel und Johanna Hackmann aber gerne auf sich nehmen, wie sie betonen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Tiere, wenn sie mehr Platz zur Verfügung haben, weniger Rangkämpfe führen“, betont Johanna Hackmann. Außerdem: „Wir möchten einfach, dass in unserem Stall glückliche Schweine laufen.“


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