20.04.2017, 14:42 Uhr

Weitere Zeugen geladen Betrug um Hausverkauf in Werlte: Prozess geht in Verlängerung

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Hauses in Werlte-Ostenwalde begangen zu haben. Symbolfoto: Kai Remmers/dpaDen beiden Angeklagten wird vorgeworfen, Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Hauses in Werlte-Ostenwalde begangen zu haben. Symbolfoto: Kai Remmers/dpa

Ostenwalde/Osnabrück. Das Verfahren am Landgericht Osnabrück wegen eines betrügerischen Hausverkaufs im Werlte-Ostenwalde geht in die Verlängerung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hat beim Fortsetzungstermin die Ladung weiterer Zeugen beantragt, die zum Vorwurf eines strafbaren manipulierenden Vorgehens der Angeklagten Stellung nehmen sollen.

Angeklagt sind zwei Brüder aus Werlte, denen zur Last gelegt wird, den heute 36-Jährigen und dessen Ehefrau bei einem Hauskauf im Jahr 2010 betrogen zu haben. Die 51- und 46-jährigen Angeklagten sollen das Einfamilienhaus verkauft haben, obwohl sie von dessen völlig maroden Zustand gewusst hatten. Dieser soll ihnen laut Kaufvertrag vom Vorbesitzer mitgeteilt worden sein. Die Angeklagten sollen dem Geschädigten das Haus für 140.000 Euro verkauft haben, das sie selbst zuvor für 45.000 Euro erworben hatten.

Wie der Geschädigte nun vor Gericht ausführte, habe eine Führung durch die Immobilie „höchstens zehn Minuten gedauert“. Zudem habe der Angeklagte vom Notar im Kaufvertrag aufnehmen lassen, dass der Verkäufer „für etwaige Schäden am Gebäude keinerlei Gewähr“ übernehme.

Geschädigter muss Privatinsolvenz anmelden

Durch den Schaden musste der Hauskäufer Privatinsolvenz anmelden. Die kreditgebende Bank verlangte natürlich die Rückzahlung des Geldes in Raten, die der fünffache Familienvater aber nicht leisten konnte. Das Haus wurde zwangsvollstreckt, die neue Besitzerin zahlte gerade einmal 20.000 Euro dafür. Von seinem Lohn als Arbeiter in einem Fleisch verarbeitenden Betrieb bleibt dem fünffachen Familienvater nicht viel. Seine Vernehmung im Verfahren vor der 5. Kleinen Strafkammer des Landgerichts ließ deutlich erkennen, dass der 36-Jährige völlig unerfahren in solchen Geschäften ist.

Angeklagte gehen in Berufung

Im vorliegenden Fall hatte das Amtsgericht Meppen den 51-Jährigen wegen Betrugs zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft, seinen fünf Jahre jüngeren Bruder wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Beide Angeklagten sowie die Staatsanwaltschaft sind in die Berufung gegangen.

Kritik an Vorgehen der Banken

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte jetzt die Ladung weiterer Zeugen. Diese sollen zum Vorwurf des strafbaren manipulierenden Vorgehens der Angeklagten Stellung nehmen. Auch soll geklärt werden, wer der Urheber gefälschter Bescheinigungen des Geschädigten ist, die damals den Banken zur Kreditvergabe vorgelegt worden waren. Gleichzeitig ließ der Staatsanwalt gegenüber den Prozessbeteiligten durchblicken, den Anklagevorwurf wegen Betrugs gegen die Kreditinstitute einstellen zu lassen. „Aus meiner Sicht heraus ist der Geschädigte völlig über den Tisch gezogen worden, weil er es nicht besser wusste. Die Banken jedoch besitzen genügend Sachkenntnis. Die haben sich aber einfach ein Foto des Hauses zeigen lassen, und dann den Scheck unterschrieben.“

Die beiden Angeklagten sind indes bei Gericht seit Jahren einschlägig bekannt. Betrügereien mit aufgemöbelten Autos, inszenierte Versicherungsschäden, Einkäufe mit Falschgeld, Steuerbetrügereien – die Liste ist lang.

Das Verfahren im aktuellen Fall wird fortgesetzt.


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