16.01.2017, 18:21 Uhr

„Bündnis Grundeinkommen“ (BGE) Wallenhorster CDU-Veteran will mit neuer Partei in den Bundestag

Hans Stallkamp organisiert die Aufstellungsversammlung für die niedersächsische BGE-Landesliste. Foto: Archiv/Michael GründelHans Stallkamp organisiert die Aufstellungsversammlung für die niedersächsische BGE-Landesliste. Foto: Archiv/Michael Gründel

Wallenhorst. Seit Jahren setzt sich der Wallenhorster Hans Stallkamp für das bedingungslose Grundeinkommen ein – und das will der 78-Jährige künftig auch im Bundestag tun. Er kandidiert für die Landesliste der neuen Partei „Bündnis Grundeinkommen“ (BGE), die am Wochenende aufgestellt wird.

„Ich war jetzt zweieinhalb Jahre im Urlaub“, sagt Stallkamp. Nach 50 Jahren im Wallenhorster Rat hatte der CDU-Politiker sich Ende 2014 aus der Kommunalpolitik zurückgezogen.

Rote Socken

Bei seinem politischen Comeback verfolgt er höhere Ziele. Schon immer hat er sich innerhalb der CDU als Linker gesehen, rote Socken sind sein Markenzeichen. Im September 2016 hat Stallkamp in München die neue Partei „Bündnis Grundeinkommen – BGE – die Grundeinkommenspartei“ mitgegründet, er sei eines von 30 akkreditierten Gründungsmitgliedern bundesweit, sagt er. Und in der Landesgruppe Niedersachsen, die sich am 13. November in Oldenburg bildete, ist er Schatzmeister.

Verbleib in der CDU?

Seit 53 Jahren ist er aber auch CDU-Mitglied. Bekanntermaßen duldet die Partei es nicht, wenn ihre Mitglieder sich anderen mit der CDU konkurrierenden Gruppen anschließen. Die Frage, wie es mit seinem Verbleib in der CDU aussieht, will Stallkamp aber nicht beantworten.

Monothematische Partei

Seine neue Partei BGE hat nur ein einziges Thema: die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens. Seit Finnland und in einzelnen Städten auch die Niederlande das BGE erproben, hat die Idee erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen. In Finnland erhalten im Modellversuch 2000 zufällig ausgewählte Arbeitslose jeden Monat 560 Euro, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen. Und wie hoch soll es nach Meinung der neuen BGE-Partei in Deutschland sein? „Die Höhe wollen wir nicht diskutieren, das muss die Gesellschaft machen“, sagt Stallkamp. Klar sei nur: Jeder solle es bekommen, „von der Geburt bis zur Bahre.“

Aufstellungsversammlung in Bramsche

Hans Stallkamp hat die Aufstellungsversammlung für die niedersächsische BGE-Landesliste zur Bundestagswahl im Herbst organisiert. Sie findet statt am kommenden Wochenende im Kloster Malgarten in Bramsche – Stallkamp kandidiert auch selbst. Das Programm ist voll und reicht von einer Führung durch die Klosteranlage oder einer kostenpflichtigen „rhythmischen Massage nach Anmeldung für einige Wenige“, wie es in der Einladung heißt, bis hin zur eigentlichen Aufstellungsversammlung am Samstagnachmittag. Am Sonntag wollen die Mitglieder dann besprechen, wie sie ihre 2000 Unterstützerunterschriften sammeln wollen, die sie in Niedersachsen für die Zulassung zur Bundestagswahl benötigen.

Ausgebucht

Die Veranstaltung sei schon ausgebucht, sagt Stallkamp, eine Anmeldung war bis 10. Januar möglich. Mitstreiter, die auch auf die Kandidatenliste wollen, könnten sich natürlich noch melden (ni.buendnis-grundeinkommen.de).

Seit zehn Jahren treibt Hans Stallkamp die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens um. Der Landwirt ist aktiv in der Initiative Grundeinkommen Osnabrück und schwärmt von dem dm-Drogeriegründer Götz Werner, ein Vorreiter in Sachen BGE, der vor sechs Jahren auf Initiative Stallkamps einen Vortrag vor 400 Gästen im Ratssaal hielt.

„Bin schon oft ausgelacht worden“

„Ich bin schon oft ausgelacht worden“, sagt der 78-Jährige. „Das ist aber alles nicht schlimm.“ Das kenne er schon: „Erst wird man ausgelacht, dann wird man bekämpft, und dann wusste jeder, dass es ja gar nicht anders ging.“ Was ist sein Hauptargument für das BGE? „Die soziale Entwicklung ist nicht mehr zu ertragen“, sagt Stallkamp. „Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.“ Das heiße aber nicht, „dass wir unser Sozialsystem abschaffen oder Revolution machen wollen.“


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