11.10.2016, 11:59 Uhr

Pleite statt Jubiläumsfest? Steuernachzahlung bringt Hollager Reitverein in Bedrängnis

Der Hollager Reit- und Fahrverein kämpft ums Überleben. Foto: Jessica von den BenkenDer Hollager Reit- und Fahrverein kämpft ums Überleben. Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Eigentlich wollte der Hollager Reit- und Fahrverein in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiern. Doch jetzt gibt es statt Sekt Selters. Für die Feier ist kein Geld da, der Verein ist finanziell schwer angeschlagen. 25.000 Euro Steuern für die vergangene vier Jahre müssen nachgezahlt werden – so das Ergebnis der jüngsten Betriebsprüfung. Geschlagen geben wollen die Reiter sich jedoch nicht.

„Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“, sagt Geschäftsführerin Monika Barlag, stellvertretend für den Vorstand. Ein wesentlicher Grund für die finanzielle Misere liege fast 20 Jahre zurück. Damals habe der Verein sich entschieden, die Immobilien der Reitanlage am Schwarzen See zu kaufen – für eine Million Mark, heute gut 511.000 Euro.

Finanzielle Herausforderung

„Die Summe musste finanziert werden“, erinnert sich Barlag. Für einen Verein mit rund 200 Mitgliedern sei das eine Herausforderung gewesen. Lange Zeit sei der Schuldenstand dann so hoch geblieben. 1998 verfügte der Verein noch über ein Barvermögen von 40.000 Euro. Diese Summe und noch weitere Kredite seien unter anderem für Umbaumaßnahmen an den Stallungen benötigt worden. „Eine Änderung des Tierschutzgesetzes zwang den Verein dazu,“ erklärt die Geschäftsführerin. (Weiterlesen: Kein Zuschuss für den Reitverein Hollage )

Tilgung und Umschuldung

Weniger Einnahmen durch sinkende Mitgliederzahlen, wechselnde Pächter und leer stehende Boxen seien noch dazu gekommen. Zwar habe man das Darlehn in den vergangenen drei Jahren auf etwa 300.000 Euro tilgen können. Dies hänge – neben hohen Tilgungsraten – auch mit einer Umschuldung und dem Wechsel der Bank zusammen.

Anfang 2016 Reitunterricht ausgebaut

Anfang 2016 sei der Verein noch guter Dinge gewesen, die finanzielle Situation in den Griff bekommen zu haben. „Wir hatten alle Stallboxen vermietet. Damit finanzieren wir uns zum größten Teil“, sagt Barlag. Nachdem 2015 vier neue Schulpferde angeschafft wurden, konnte auch der Reitunterricht weiter ausgebaut werden. Doch dann hätten Einsteller Pferde verkauft und kranke Tiere in günstigeren Ställen untergebracht. „Wir haben seit Juli an Boxmieten etwa 12.000 Euro weniger Umsatz gemacht.“ Und so komme nun eins zum anderen. (Weiterlesen: Maria Kollenberg motiviert die Liebe zu Kindern und Pferden )

Insolvenz keine Option

Geschlagen geben möchten sich die Reiter jedoch nicht. „Insolvenz ist für uns keine Option“, erklärt Barlag. Einen Rettungsplan gebe es bereits. In einer Mitgliederversammlung sei eine „außerordentliche Liquiditätsstütze“ beschlossen worden, um die Finanzen kurzfristig in den Griff zu bekommen. „Die Vereinsmitglieder zahlen freiwillig und einmalig einen zusätzlichen Jahresmitgliedsbeitrag. Wir sprechen hier von maximal 93,50 Euro für einen Erwachsenen“, so die Geschäftsführerin. Inklusive zusätzlicher Spenden hofft der Verein, dadurch wieder auf die Beine zu bekommen. „15.000 würden fürs Erste helfen.“

Rettungsplan

Im nächsten Schritt sei geplant, die Immobilien zu verkaufen und wieder als Pächter für Schulpferdeboxen und Reitstunden die Anlage zu nutzen. „Am meisten am Herz liegt uns bei der ganzen Misere der Fortbestand unseres Schulbetriebs,“ sagt Barlag. Sollte ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden müssen, kämen die Schulponys als erstes „unter den Hammer“. Das zu verhindern, sei das oberste Ziel. „Und dabei sind wir auf einem guten Weg“, so Barlag. Der Reitunterricht werde weitergeführt, denn es habe sich bereits ein Sponsor gefunden, der sich vorstellen kann, eine Patenschaft für die Schulpferde zu übernehmen.


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