01.06.2016, 10:16 Uhr

Haft und Entziehungsanstalt Slapstick-Überfall: Osnabrücker Tankstellenräuber verurteilt

Das Landgericht Osnabrück hat einen Mann zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte Tankstellen in Osnabrück und Wallenhorst überfallen. Imago/Thomas EisenhuthDas Landgericht Osnabrück hat einen Mann zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte Tankstellen in Osnabrück und Wallenhorst überfallen. Imago/Thomas Eisenhuth

Wallenhorst/Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat einen 27-jährigen Mann zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Osnabrücker hatte Tankstellen in der Stadt und in Wallenhorst überfallen. Die Haft wird der Mann aber wohl nur kurz verbüßen müssen. Denn die Richter ordneten auch die Unterbringung des hartdrogenabhängigen Mannes in eine Entziehungsanstalt an.

Die beiden in der Anklage aufgeführten Vorfälle seien zutreffend, bestätigte der Verteidiger des Mannes. Hintergrund für die Straftaten, die sich am 9. und 10. November vergangen Jahres ereignet hatten, sei die langjährige Drogenabhängigkeit seines Mandanten.

Slapstickhafter Überfall

Etwa gegen 22 Uhr hatte der vermummte 27-Jährige den Verkaufsraum einer Tankstelle in der Sutthauser Straße betreten, um sie zu überfallen. Ein über den Tag eingenommener Cocktail aus Beruhigungsmitteln, Kokain und einem Heroin-Ersatzstoff führte allerdings dazu, dass die Unternehmung nahezu slapstickhafte Züge annahm, wie der Vorsitzende Richter feststellte.

Kassierer verwundert über Täter

Denn obwohl der Kassierer gut sichtbar hinter dem Verkaufstresen stand, ging der 27-Jährige direkt in die hinter dem Verkaufsraum liegenden Geschäftsräume. „Er ist offenbar so breit gewesen, dass er den Kassierer nicht gesehen hat“, erklärte der Verteidiger. Das Verhalten des Angeklagten habe ihn schon ein wenig irritiert, erklärte der Kassierer vor Gericht. Einer weiteren Kundin, die hinter dem 27-Jährigen den Tankstellenshop betreten hatte, habe er gesagt, sie gingen wohl besser nach draußen: „Vielleicht werden wir gerade überfallen.“

Hilflose Aufforderung

Schließlich sei der Angeklagte wieder aus den hinteren Büroräumen hervorgekommen, habe ihn mit der Kundin vor dem Tankstellengebäude gesehen und sei nach draußen gekommen. Dabei habe der Mann ein Messer gezogen. Um sich in Sicherheit zu bringen, sei er quer über das Tankstellengelände gelaufen, berichtete der Zeuge. Offenbar passte ein wegrennender Kassierer nicht recht zum Tatplan des Angeklagten. „Er hat mir hinterhergerufen: Halt, Stop! Das ist ein Überfall. Komm zurück.“ Da der Kassierer trotz dieser etwas hilflosen Aufforderung in sicherer Entfernung blieb, verdrückte sich der Angeklagte schließlich.

Mit Küchenmesser bedroht

Einen Tag später stand der 27-Jährige wieder mit seinem Küchenmesser von etwa 25 Zentimeter Klingenlänge vor der Mitarbeiterin einer Tankstelle in Wallenhorst und forderte sie auf, alles Geld aus der Kasse in einen mitgebrachten Leinenbeutel zu stecken. Während die Kassiererin Scheine und Kleingeld einpackte, stopfte der 27-Jährige Zigaretten aus dem Regal in eine Reisetasche. Angesichts des auf sie gerichteten Messers habe sie die Versicherung des Mannes, er tue ihr nichts, unglaubwürdig gefunden, sagte die Frau.

Polizei überwältigte Räuber

Doch auch in diesem Fall kam der 27-Jährige mit seiner Beute – 455 Euro Bargeld und Zigaretten im Wert von 694 Euro – nicht weit: Da die Tankstelle zuvor bereits mehrfach überfallen worden war, hatte die Polizei dort Posten bezogen und überwältigte den Mann unmittelbar nach Verlassen des Verkaufsraums.

Verminderte Schuldfähigkeit

„Das tut mir sehr leid, dass ich das gemacht habe“, betonte der 27-Jährige. „Ich stand total neben mir und hatte selber Angst, das zu machen.“ Nicht nur aufgrund der eingenommenen Substanzen, sondern auch wegen einer psychischen Beeinträchtigung aufgrund einer früheren Gehirnblutung, ging der vom Gericht bestellte Gutachter von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes aus. Aufgrund der Gehirnverletzung seien seine kognitiven Funktionen eingeschränkt. „Auch auf die Aufnahme und Verarbeitung von Drogen reagiert das Gehirn sensibler.“ Bleibe die Mehrfachabhängigkeit des Mannes von Beruhigungsmitteln und Hartdrogen unbehandelt, sei davon auszugehen, dass der Mann erneut Straftaten begehe, so der Sachverständige, der die Voraussetzung einer Unterbringung in eine Entziehungsanstalt für erfüllt hielt. Die Erfolgsaussichten einer auf zwei Jahre angelegten Therapie seien „moderat bis gut“. (Weiterlesen: Polizei klärt Raubüberfall-Serie im Landkreis Osnabrück auf )

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Von der fünfjährigen Freiheitsstrafe muss der mehrfach vorbestrafte Mann dennoch wohl nur ein paar Tage absitzen. „Der Angeklagte hat jetzt eine ziemlich große Chance“, erklärte es der Vorsitzende, „denn der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass er nach der Hälfte der zu verbüßenden Strafe entlassen werden kann.“ Zwei Jahre Unterbringung werden mit der Haftzeit verrechnet – somit verbleiben sechs zu verbüßende Monate für den 27-Jährigen. Dieses halbe Jahr solle vor dem Therapiebeginn vollstreckt werden, ordnete das Gericht an. Doch da der 27-Jährige bereits seit über fünf Monaten in U-Haft sitzt, die ebenfalls angerechnet werden, muss er vor seiner Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wohl nur etwa zehn Tage Strafhaft absitzen. (Weiterlesen: Weitere Berichte aus den Gerichtssälen der Region )


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