30.10.2015, 06:00 Uhr

Carsharing außerhalb Osnabrücks Stadtteilauto fährt ab November in Wallenhorst

Stadteilauto will sich auch rund um Osnabrück etablieren. Los geht es in Wallenhorst, erläurtern (von links) Klimaschutzmanager Stefan Sprenger, Bürgermeister Otto Steinkamp, Fachbereichsleiter Rüdiger Mittmann und Stadtteilauto-Prokurist Christian Reining. Foto: Jörn MartensStadteilauto will sich auch rund um Osnabrück etablieren. Los geht es in Wallenhorst, erläurtern (von links) Klimaschutzmanager Stefan Sprenger, Bürgermeister Otto Steinkamp, Fachbereichsleiter Rüdiger Mittmann und Stadtteilauto-Prokurist Christian Reining. Foto: Jörn Martens

Wallenhorst. Ab November können in Wallenhorst Stadtteilautos genutzt werden. Ein Benziner und ein Elektroauto stehen auf zwei Parkplätzen an der Einfahrt zur Tiefgarage neben dem Rathaus bereit.

Ein dritter Stellplatz ist für private Elektroautos vorgesehen, die an der Schnellladesäule mit Strom betankt werden können. Wallenhorst ist aktuell die einzige Kommune außerhalb der Stadt, in der das Osnabrücker Carsharing-Modell von Stadtteilauto angeboten wird.

Die Gemeinde garantiert einen jährlichen Mindestumsatz in Höhe von 21420 Euro. Je mehr Bürger und Verwaltungsmitarbeiter die beiden Stadtteilautos nutzen („sharing“ heißt „teilen“), desto geringer ist der Betrag, der aus der Haushaltskasse beglichen werden muss. „Der Impuls, den die Gemeinde hier setzt, ist sehr wichtig“, sagt Christian Reining, Prokurist bei Stadtteilauto, und nennt das Stichwort „betriebliche Mobilität“. Unterm Strich gehe es der Stadtwerke-Tochter darum zu beweisen, „dass in der Region Carsharing möglich ist“, so Reining. Stadtteilauto möchte dem Angebot zwei Jahre Zeit geben sich zu bewähren, die Gemeinde hat sich kein zeitliches Limit gesetzt.

In Bissendorf gescheitert

„Wir sind uns schon darüber im Klaren, dass man sehr viel Werbung machen muss“, sagt Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp und bezieht das nicht nur auf die Bürger, sondern auch auf seine Mitarbeiter, die die Stadtteilautos für Dienstfahrten freiwillig nutzen können. In Bissendorf war im Oktober 2013 ein erster Versuch gestartet und kurz darauf wieder wegen unzureichender Nutzung abgebrochen worden. Die Verwaltung dort ist deutlich kleiner als in Wallenhorst, außerdem wollte Bissendorf keinen Mindestumsatz garantieren. Für Reining ist Wallenhorst deshalb interessant, weil die Gemeinde als Partnerin mit im Boot ist. Die Ladesäule etwa hat Wallenhorst selbst finanziert. „Teilweise braucht man einen längeren Atem“, sagt der Stadtteilauto-Prokurist. Mit Bissendorf sei die Gesellschaft jetzt übrigens wieder im Gespräch – und darüber hinaus mit der Nachbargemeinde Belm.

Langer Atem

Langen Atem brauchten die Gemeinde und die Stadtteilauto GmbH auch im Vorfeld. Zwei Jahre ist es her, dass die Ratskooperation aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft den Antrag gestellt hatte, Carsharing in Wallenhorst auf den Weg zu bringen. Auch die CDU-Fraktion war angetan von der Idee, stimmte im Juli 2015 aber dann als einzige dagegen, weil sie wegen der Kosten für die Gemeinde Bedenken hatte. Und zwischenzeitlich hatte CDW-Mitglied („Christlich, Demokratisch für Wallenhorst“) Dirk Hagen noch um mehr Zeit gebeten, damit die Wallenhorster Energiegenossenschaft ein eigenes Carsharing-Modell entwickeln konnte – allerdings ohne Ergebnis. Stadtteilauto bekam im Juli den Zuschlag.

Günstigere Konditionen für Wallenhorster

Wer eines der beiden Autos nutzen möchte, muss sich bei Stadtteilauto online oder persönlich anmelden und einmal den Führerschein vorlegen – entweder im Kundenbüro in Osnabrück am Neumarkt oder direkt im Wallenhorster Rathaus. Die Anmeldegebühr beträgt normalerweise 49 Euro. Da Stadtteilauto aber möglichst viele Kunden in Wallenhorst gewinnen will, zahlen Bürger der Gemeinde nur 25 Euro und die Grundgebühr von fünf Euro pro Monat wird erst ab dem vierten Monat fällig, außerdem entfällt die sonst übliche Sicherheitseinlage in Höhe von 200 Euro. Wallenhorster Kunden können zudem die Fahrzeuge in der Stadt nutzen, darunter sind auch größere Kombis. Die Wallenhorster Stadtteilautos müssen allerdings immer wieder auf ihrem Parkplatz am Wallenhorster Rathaus abgestellt werden. Diese Station bekommt in einigen Wochen einen neuen elektrischen Renault Zoe. Bis das Auto geliefert wird, steht eines aus der Osnabrücker Flotte zur Verfügung. Im Elektroauto- Fuhrpark hat Stadtteilauto bislang ein Modell von Mitsubishi.

Vorab buchen

Wer sich angemeldet hat, bekommt eine Nutzungskarte, mit der sich das Fahrzeug öffnen lässt. Per App, am Computer oder telefonisch kann es gebucht werden – und zwar bis zu einem halben Jahr im Voraus, erläutert Reining. Der Tarif ist eine Kombination aus Kilometer- und Stundenpreis und kann im Internet abgerufen werden auf www.stadtteilauto.info . Dienstags beantwortet bis Jahresende von 14.30 bis 17.30 Uhr auch ein Stadtteilauto-Ansprechpartner Fragen im Rathaus.


Die Stadtteilauto GmbH war 2011 mit einem stationären Carsharing-Angebot in Osnabrück gestartet, 2012 kamen die ersten Elektrofahrzeuge hinzu und seit September 2014 gibt es zusätzlich das mobile „flow>k“ . Während beim stationären Carsharig die Autos nach der Nutzung wieder an der Station abgestellt werden müssen, wo die abgeholt wurden, können die weiß-rot-blauen VW Ups des „flow>k“ überall in der Stadt abgestellt werden. Mittels einer App können Nutzer schauen, wo sich das nächste „flow>k“ befindet und einsteigen. Die Stadtwerke Osnabrück haben eine Mehrheitsbeteiligung an Stadtteilauto. 87 Fahrzeuge sind laut Stadtteilauto-Prokurist Christian Reining mittlerweile auf den Osnabrücker Straßen unterwegs, 1770 Kunden sind registriert.

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