21.08.2014, 18:04 Uhr

10000 Euro im Gully versenkt Hohn und Spott für Wallenhorster Kreiselbeleuchtung


Wallenhorst. Ist das Kunst oder hat das einen Zweck? Fünf beleuchtete Gullydeckel zieren den überfahrbaren Kreisverkehr an der Wallenhorster Aral-Tankstelle. Für die Installation wird die Gemeinde nun kritisiert – nicht zuletzt wegen der Kosten.

Der Mitarbeiter der Tankstelle Barkey möchte ungenannt bleiben, seine Ansicht zu dem beleuchteten Kreisel gegenüber seinem Arbeitsplatz äußert er aber bereitwillig: „Ganz ehrlich? Das ist doch eine Lachnummer!“ Seiner Meinung nach hätte man ja keine Scheinwerfer installieren müssen, mit denen man eine Boeing blendet; aber wenn schon Licht, dann doch bitte mehr als dieses lächerliche Glimmen. „Neulich war ein Wallenhorster Ratsherr bei mir in der Tankstelle – der hat darüber auch nur den Kopf geschüttelt.“

Der Spott kommt nicht überraschend, schon nach der Abstimmung über die Beleuchtung des neuen Kreisels im April dieses Jahres hatte ein Ratsmitglied gegenüber unserer Zeitung gesagt: „Das sieht aus, als hätte jemand Teelichter auf einen Gullydeckel gestellt.“ Die Installation hatte auch einen prominenten Gegner, der seine Kritik offen äußerte: „Für das Geld habe ich mir wirklich mehr vorgestellt“, sagte Bürgermeister Ulrich Belde in derselben Sitzung. Damals wurden den Ratsmitgliedern Musterbilder aus Bad Rothenfelde präsentiert, wo seit 2007 das Vorbild des neuen Minikreisels steht. Ratsherr Hans Stallkamp (CDU) hatte seiner Gemeinde empfohlen, die Installation nachzuahmen. Während das Original allerdings aus vier beleuchteten Gullydeckeln besteht, hat die Wallenhorster Kopie nun derer fünf.

Sonst ist alles gleich – bis auf die Finanzierung. Die Installation im Kurort ist eine Spende des Heristo-Firmenchefs Heinrich Risken, in Wallenhorst muss dagegen der Steuerzahler für die Beleuchtung aufkommen. 10000 Euro kostet das Farbenspiel, die Ratsherren beschlossen die Installation einstimmig. Nur Bürgermeister Ulrich Belde enthielt sich. „Den Kreisel halte ich für sehr gelungen, auch die Beleuchtung ist gut integriert“, sagt Belde heute. „Trotzdem bin ich der Meinung, die 10000 Euro hätte man sich sparen können.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung konnte die Gemeinde Wallenhorst die Kosten für die Installation nicht aufschlüsseln, da die Rechnungen noch nicht vorlägen. So viel könne man allerdings sagen: Knapp 5000 Euro habe die Herstellung der Schächte gekostet, in denen die Beleuchtung und die daran hängende Technik so verbaut seien, dass sie auch dann keinen Schaden nehme, wenn ein Lkw den Kreisel überquere. Die anderen 5000 Euro seien für die Beleuchtung selbst angefallen.

Experte muss lachen

Bei einem Experten aus Osnabrück sorgt diese Summe für einen Lachanfall: „5000 Euro für die Lampen?“, sagt Christian Meyer, als er sich wieder gesammelt hat. „Den Auftrag hätte ich aber auch gerne gehabt!“ Christian Meyer ist technischer Leiter der Bad Rothenfelder „Lichtsicht-Biennale“. Er kennt den Original-Kreisel und die marktüblichen Preise. „Normalerweise biete ich meinen Kunden immer die günstigsten Leuchtmittel an und sage ihnen, sie sollten es doch erst mal damit probieren.“ Gerade Kommunen würden seiner Erfahrung nach aber sehr häufig nach dem Grundsatz „Was nichts kostet, ist nichts wert“ verfahren und gleich die teuerste Variante nehmen.

Unabhängig von dem Preis kann Meyer den beleuchteten Gullydeckeln nichts abgewinnen. Außerdem sagt er, dass das Rothenfelder Vorbild nichts anderes als ein gescheitertes Kunstwerk sei. Dem Konzept nach sollten aus den Gullydeckeln nämlich Lichtstrahlen in den Himmel schießen und damit die vier Stahlsäulen des Kunstwerks „Les Fondations du Ciel“ im 100 Meter entfernten „Heristo-Kreisel“ imitieren. Doch der Plan ging in die Hose. Wie auch der verantwortliche Künstler und Galerist Paul Anczykowski gegenüber unserer Zeitung bestätigt, fand man schlicht kein Leuchtmittel und kein Konstrukt, das auf einem überfahrbaren Kreisverkehr Lichtsäulen hätte erzeugen können.


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