14.11.2010, 15:59 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ruller Haus veranstaltet „Whisky-Tasting“ Der Profi verdünnt auf 28 Prozent

Der Experte weiß, was gut schmeckt: Ralf Galke schenkte sich und seinen Gästen gerne fünf Whiskys ein. Foto: Egmont SeilerDer Experte weiß, was gut schmeckt: Ralf Galke schenkte sich und seinen Gästen gerne fünf Whiskys ein. Foto: Egmont Seiler

Wallenhorst. So viel tiefes Männergelächter hört man sonst nur bei der Herrensitzung: Beim ersten „Whisky-Tasting“ im Ruller Haus dominierte unter den Gästen passend zum rauen Getränk der zotige Witz. Neben schlichten Scherzen gab es schottische Geschichten – und selbstverständlich Whisky, Whisky, Whisky.

„Beim Whisky ist es wie mit dem Kennenlernen einer Frau: Es beginnt mit der Optik.“ Das Publikum grölt, der Witzemacher lächelt verschmitzt. Diesen Gag hat er als sicheren Treffer im Programm: Der Leiter der Whisky-Probe, Ralf Galke, führt neben seinem Job als Fluglotse einen Whiskyladen in Hude bei Oldenburg und teilt seine Begeisterung für Schottland und dessen Nationalgetränk regelmäßig mit Gästen.

Im Ruller Haus spricht er heute vor 16 Herren und drei Damen. Eine von ihnen verfolgt allerdings nur den theoretischen Teil, weil sie nach den folgenden fünf Whiskys ihren Mann nach Hause fahren muss.

Nach fast einer Stunde „Whisky-Tasting“ hätte er noch besten Gewissens selber fahren dürfen, denn bis dahin bleiben die Gläser leer. Ralf Galke wuchert mit Zahlen, Daten, Fakten, und das in einem höllischen Tempo: Whisky heiße so viel wie „Wasser des Lebens“, und die Schotten hätten irgendwann auf das „e“ im Whiskey verzichtet, um sich von irischem Fusel abzugrenzen. Danach folgen noch ganz viele Dreizehnhunderts und Fünfzehnhundertsoundsos, Steuergesetze, Lords, Dukes und so weiter. Galke versprüht eine enorme Begeisterung, doch bei seinen Gästen erkennt man nach einer Dreiviertelstunde auf dem Trockendock eine stark erhöhte Frequenz an Ersatzhandlungen: Wasser wird getrunken, Brot wird gegessen, Unruhe kommt auf.

Mit dem ersten Whisky aber glätten sich die Wogen. Es ist ein junger Tropfen, höchstens zehn Jahre alt, und mit seinem vanillig-fruchtigen Aroma im Grunde auch nicht richtig ernst zu nehmen: „Eigentlich ein Mädchenwhisky, was für den Sommer“, sagt Ralf Galke. Das Damengetränk stammt von der Isle of Arran, und auch die nächsten vier Whiskys sind allesamt auf einer der zahlreichen südwestlich von Schottland gelegenen Inseln produziert worden.

Anders als bei einer Weinprobe – darauf besteht Ralf Galke ausdrücklich – sollen die Gäste vor lauter Atmen, Riechen, Einsaugen und Ausspucken das Trinken nicht vergessen. Sein Whisky-Knigge lautet: ein kurzer Blick auf die Farbe, ein wenig Schütteln und Beobachten, in den Mund nehmen, kurz durch den Mund laufen lassen, dann schlucken.

Die überraschendste Empfehlung für den Laien ist die, den Whisky mit Wasser zu strecken. „Profi-Verkoster verdünnen den Whisky auf bis zu 28 Prozent“, erklärte Galke. Das setze Aromaketten frei und erlaube erst, das Getränk unter der dominierenden Schärfe des Alkohols richtig zu schmecken.

Den Abschluss der Runde bildet der zweimal zum besten Whisky der Welt gewählte „Highland Park“ von der Insel Orkney. Das ganz besondere Geschmackserlebnis stellt sich durch die Meersalzschokolade ein, die man auf Anweisung von Ralf Galke vor dem Whiskygenuss auf der Zunge zergehen lassen solle.

Nach fünf Whiskys von fünf Inseln ist die Herrensitzung vorüber. Die zufrieden-beduselten Gäste haben viel gelernt, und der teilnehmende Beobachter kann Ralf Galke nur zustimmen, der zu Beginn der Veranstaltung gesagt hatte: „Fünf Whiskys hintereinander sind bei einem Tasting vollkommen ausreichend. Mehr muss wirklich nicht sein.“


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