19.03.2017, 17:05 Uhr

Konzert im Heimathaus Ellen Foley präsentiert Rockshow in Twist


Twist. Von niemand Geringerem als den Punk-Ikonen The Clash ließ sich Ellen Foley einst im Tonstudio begleiten. Nun, mehr als 30 Jahre später, hat die US-amerikanische Sängerin einen formidablen Querschnitt ihres Solowerks, ergänzt um Klassiker des Rock, Pop und Soul aus anderer Künstler Feder, in Twist dargeboten.

Ab und an machen Musiker im Heimathaus Station, die mit etlichen Berühmtheiten des Popgeschäfts zusammengearbeitet haben, deren eigenes Schaffen aber selten oder nie ein Massenpublikum erreicht hat. Adrian Belew, früher Weggefährte von Bowie, Zappa und den Talking Heads, gehörte 2016 zu dieser Schar Kreativer. Für Ellen Foley, die jetzt die Konzertstätte im Moor bespielte, galt das ebenso.

Bombastrocker Meat Loaf, der britische Pop-Querkopf Joe Jackson und eben The Clash wurden vor drei bis vier Jahrzehnten von der Frau mit Wurzeln in St. Louis, Missouri, gesanglich unterstützt. Solo veröffentlichte Foley zwischen 1979 und 1983 drei Alben, eines davon unter Mithilfe der Clash. Ab Mitte der 80er wandte sie sich dem Schauspielen zu, stand vor der Kamera von Regie-Größen wie Martin Scorsese, Adrian Lyne oder Jonathan Demme sowie auf Broadway-Bühnen.

Wiedergeborene Musikerin

Später konzentrierte sie sich auf Lehrtätigkeiten und die Erziehung ihrer beiden Söhne, ehe sie 2013, mit damals 62 Jahren, ihr Comeback-Album „About Time“ herausbrachte. Auf ihren mit Humor und Selbstironie gepflegten Seiten in Sozialen Netzwerken bezeichnet sich die New Yorkerin als „reborn recording artist“, wiedergeborene Musikerin.

Dem Publikum stellte sich vor dem Gig in Twist die Frage, ob die Künstlerin eher in der Vergangenheit schwelgen oder sich auf die neuen Songs fokussieren würde. Die Antwort sollte lauten: beides – und mehr. Gab zum Auftakt „Worried Woman“ Eindrücke ihres jüngeren, von Americana geprägten Schaffens, führte „What‘s A Matter Baby“ in die Rock-’n’-Roll-Frühphase des Solowerks, zum Debüt „Night Out“.

Reduziertes Klanggewand

Dieses von David-Bowie-Mitstreiter Mick Ronson und Ian Hunter (Ex-Mott-The-Hoople) produzierte Album wirkt heute ob seines üppig dröhnenden Breitwandsounds streckenweise aus der Zeit gefallen. Live allerdings funktionieren die Stücke auch 2017, wie im Heimathaus zu erleben. Was zweifellos am reduzierten Klanggewand lag, das von den souveränen Musikern an Gitarre, Orgel, Bass und Schlagzeug gewoben wurde. Lediglich, als die Künstlerin den Refrain des Hits „We Belong To The Night“ schmetterte, hallte etwas vom Pathos der Studiofassung nach.

Neben der Stimme, die nichts von ihrem Rocksirenenhaften eingebüßt hat, ist die Präsenz Foleys das entscheidende Showelement. Bühnenprofi durch und durch, streut sie je nach Songkontext Rock-Gesten – wie das Krallen des Mikrofonständers – oder Tanzschritte ein. Letztere elegant, würdevoll, ohne überkandidelt zu wirken. Mit ein paar Anekdoten, etwa von einem Reeperbahn-Besuch in den 80ern, garnierte die Frau, die nach eigenen Worten nun erstmals seit jener Zeit wieder in Deutschland war, das Entertainment.

Nach Art von Mick Jagger

Bei „Stupid Girl“, ebenfalls von ihrem Debütalbum, vollführte sie Posen in Mick-Jagger-Manier. Passenderweise, ist das Stück doch ein Jagger-Richards-Werk. Die Rolling Stones seien eine ihrer Lieblingsbands, sagt Ellen Foley, und in Twist spielte sie auch deren „Sway“ aus der „Sticky Fingers“-Ära. Nicht die einzige Coverversion des Abends. Es folgten Don Henleys wehmütige Jugendrückschau „Boys Of Summer“ und „Nothing Compares 2 U“ von Prince, eine Spur kraftvoller präsentiert als die bekannte Version Sinead O‘Connors.

Ohne Pause bestritten Foley und Band das Programm. Dass nach nur 90 Minuten, Zugaben inbegriffen, Feierabend war, bildete den einzigen Wermutstropfen. Den Schlusspunkt setzte die Sängerin mit dem The-Clash-Song „Should I Stay Or Should I Go“, zu dem sie, damals mit Gitarrist Mick Jones liiert, die Inspiration geliefert haben soll.

Das Heimathaus war an diesem Abend übrigens nur etwa zur Hälfte gefüllt. Wer nicht dort war, hat etwas verpasst.


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