28.02.2017, 09:40 Uhr

Serie „Mein Job & Ich“ Barkeeper aus Twist über Gespräche und Flirtversuche an der Bar


Twist. Hendrik Backers ist gelernter Hotelfachmann, arbeitet aber jetzt als Barkeeper in einer Bar in Münster. Im Interview spricht der 24-Jährige über angesagte Cocktails, Flirtversuche und warum man die Finger vom Long Island Iced Tea lassen sollte.

Als Barkeeper steht man nur rum, wischt die Theke und kippt ein paar Flüssigkeiten zusammen. Ist es damit getan?

(lacht) Nein, auf gar keinen Fall, da gehört noch ein bisschen mehr dazu. In der Bar, in der ich arbeite, stehen um die 400 Spirituosen und da muss man natürlich wissen, wie man daraus den passenden Cocktail macht. Da gibt es Einiges zu lernen.

Wie sind Sie Barkeeper geworden?

Ich habe in Hamburg eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht, wo ich auch schon an der Bar stand. Das fand ich so spannend, dass ich nach den drei Jahren nach Münster gewechselt bin und mich dort auf das Mixen konzentriert habe.

Als Barkeeper ist man ständig präsentiert. Wie gehen Sie mit schlechter Laune an der Bar um?

Da ist das Team ganz entscheidend. Bei einem guten Team pusht man sich gegenseitig und dann hat man meistens auch schnell wieder gute Laune, wenn man mal schlecht drauf ist. Je besser das Team, desto besser die Laune.

Was für Gespräche bekommt man an der Theke mit?

Manchmal sind die Gespräche schon interessant, aber häufig bekommt man auch nur Gesprächsfetzen mit. Es kommt auch nicht so häufig vor, dass Menschen dem Barkeeper ihre ganzen Probleme erzählen. Ganz häufig finden auch Dates statt, bei denen aber meistens nur Smalltalk angesagt ist.

Wo Sie das schon ansprechen: Wird denn heute noch an der Bar geflirtet?

Kommt vor, aber weniger, als man denkt. Ich musste auch schon mal eine Nummer auf einem Bierdeckel weiterleiten. In Zeiten von sozialen Netzwerken kann man sich aber einfacher verständlich machen.

Als Barkeeper bekommt man aber schon viele Nummer zugesteckt, oder?

Ne, zumindest ich nicht (lacht). Vielleicht arbeite ich einfach an der falschen Bar.

Was sind die aktuellen Trends? Welche Cocktails müssen Sie momentan besonders häufig machen?

Gerade in den größeren Städten werden immer mehr Cocktails auf Weinbasis getrunken. Entweder nur Wein oder Weinaperitifs. Sehr angesagt ist momentan zum Beispiel Lillet Russian Wild Berry. Die leichteren Cocktails sind sehr im Trend.

Was ist mit den bekannten Cocktails mit Fruchtsäften?

Die gehen natürlich immer noch, aber an unserer Bar machen wir mehr extravagante Drinks. Wenn wir fruchtige Cocktails machen, dann nehmen wir nur frische Säfte. Das sehe ich auch als Qualitätsmerkmal an. Ein Cocktail kann nur so gut sein, wie seine schlechteste Zutat.

Aber wer viel Alkohol für sein Geld haben möchte, sollte keine Fruchtcocktails bestellen?

Also in Fruchtcocktails ist schon Alkohol. Da sind immer noch fünf bis sechs Zentiliter Alkohol drin, man wird auch davon betrunken (lacht). Aber natürlich ist da mehr Saft drin als in klassischen Cocktails.

Welchen Cocktail haben Sie bisher am häufigsten gemixt?

Das wird wahrscheinlich der Mojito sein. Manchmal nervt es, wenn die Leute immer nur diesen Cocktail haben wollen. Aber das ist ein wirklicher Klassiker, der wird eigentlich jeden Abend mindestens zwei oder drei Mal bestellt. Der schmeckt auch den unterschiedlichsten Menschen – sowohl dem Studenten, als auch dem alten Ehepaar.

Und welchen Cocktail können Sie nicht mehr sehen?

Das ist der Long Island Iced Tea. Da ist eigentlich nur Alkohol und ein bisschen Cola drin. Selbst wenn man ihn gut macht, schmeckt er nicht. Trotzdem ist er immer noch sehr beliebt. Ich denke aber, dass es da mehr um die Wirkung als um den Geschmack geht (lacht).

Wie kann man einen guten von einem schlechten Cocktail unterscheiden?

Das ist sehr schwierig. Man kann das nicht so einfach sehen, ob es ein Cocktail ist, höchstens schmecken. Ein ganz guter Hinweis gibt aber der Barkeeper: Probiert er seinen Cocktail selbst und schmeckt ihn ab, ist das meistens ein Zeichen für Qualität. Im Endeffekt muss dem Gast der Cocktail aber einfach nur schmecken und wenn das passt, ist alles ok.

Machen Sie auch Eigenkreationen?

Ja, das machen wir auch und das macht am meisten Spaß. Ich frage die Gäste dann, auf welchen Geschmack sie Lust haben und ich überlege mir dann einen Cocktail. Da kommen dann Wünsche wie Apfelzuckerwatte oder Pfeffer. Im Rahmen meiner Möglichkeiten versuche ich, mit den verfügbaren Flaschen den Geschmack zu treffen.

Können Sie schon sagen, was das Sommergetränk 2017 wird?

Das Sommergetränk 2017 wird wahrscheinlich ein Cocktail sein, der schon die letzten Jahre gut ging: der Moscow Mule. Das ist eigentlich nur Wodka, Limettensaft, Ingwerlimonade und ein Stück Gurke. Er wird traditionell in einem Kupferbecher serviert. Obwohl das schon ein sehr alter Cocktail ist, liegt er momentan voll im Trend und ich denke, dass er auch in diesem Jahr wieder angesagt ist.

Wenn Ihre Gäste offensichtlich betrunken sind, dürfen Sie ihnen dann weiteren Alkohol verweigern?

Ja, ganz klar. Hab ich auch schon häufiger gemacht, obwohl mir das zu Anfang schwer gefallen ist. Als junger Mensch kann man einem älteren Herrn nicht so leicht sagen: „Für Sie gibt es heute nichts mehr!“ Wenn man dann noch einen Kollegen zur Seite hat, geht das aber.

Sie arbeiten auch mal bis drei Uhr morgens. Sind Sie schon mal während der Arbeit eingeschlafen?

Wenn ich nachts arbeite, habe ich eher selten mit der Müdigkeit zu kämpfen. Die kommt erst, wenn man alles fertig hat und die Bar schließt. Während der Arbeit ist man eigentlich so beschäftigt, dass man keine Zeit für Müdigkeit hat.

Wie ist Ihr Tagesablauf? Wann stehen Sie auf?

Ich versuche, für meine Verhältnisse früh aufzustehen, so zehn, elf Uhr. Zu meiner Anfangszeit stand der Wecker immer auf 14 Uhr, um 16 Uhr fing dann meine Arbeit an. Jetzt habe ich schon ein halbwegs geregeltes Leben (lacht).

Wie fanden Ihre Eltern, dass Sie Barkeeper werden möchten? Ist ja nicht gerade ein klassischer Berufswunsch.

Das fanden die gut. Schließlich kommen sie selbst aus der Gastronomie. Allerdings meinten sie auch, dass das kein Beruf für immer ist. Mit 50 hinter der Bar ist nicht so gut. Dann muss man schauen, was noch kommt. Bis ich 50 bin, werde ich es wahrscheinlich auch nicht machen. Ich versuche jetzt schon, mich weiterzubilden, dass ich irgendwann vom stellvertretenden Barchef zum Barchef wechseln kann. Das ist schon mein Ziel.

Ihre Eltern betreiben in Twist einen Gasthof. Können Sie sich vorstellen, dass Sie ihn später einmal übernehmen?

Ich hatte das zwar schon mal überlegt, aber das ist momentan nicht aktuell. In zehn Jahren ist das realistischer. Ich will auf jeden Fall irgendwann wieder zurück nach Twist, allerdings muss das nicht sofort sein (lacht).


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