05.03.2017, 17:37 Uhr

2:1 vor 5213 Fans gegen Lübeck Meilenstein für SV Meppen auf Weg zur Meisterschaft


Meppen. Der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga hat in der Meisterfrage den erhofften Meilenstein gesetzt. Durch den 2:1-Sieg gegen den VfB Lübeck kann der SV Meppen die Planungen für die Relegationsspiele zur Dritten Liga intensivieren. Vor 5213 Zuschauern schnürte Benjamin Girth einen Doppelpack.

Für die Szene nach dem Schlusspfiff sorgte Meppens Benjamin Gommert. Mit einer riesigen von den Fans geliehenen blau-weißen Fahne drehte der Torhüter stolz eine Ehrenrunde. Die Fans sangen „Nie mehr Vierte Liga“ sowie „Der SVM ist wieder da“ und stimmten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Sprechchöre an. Im Rahmen der Pressekonferenz erklärte Peter Carstens vom NDR, dass er letztmals vor etwa 15 Jahren in Meppen gewesen sei. „Das was ich heute hier erlebt habe in der Vierten Liga – ich bin nicht nur überrascht, sondern begeistert, was sich hier abgespielt hat. Auch nach dem Schlusspfiff mit dieser jungen Mannschaft.“ Der NDR-Kollege Gerhard Delling, der Meppens Trainer Christian Neidhart am Abend beim Sportclub empfing, werde sich freuen, ergänzte Carstens.

Blauer Rauch steigt auf

Begleitet von den Kameras des NDR und von ev1.tv hatte Neidhart zwei Stunden vorher die Hänsch-Arena betreten. Der Meppener Fanblock rollte unter blauem Rauch das Transparent „SV Meppen macht Volldampf und jeden Gegner nass“ aus.

Früher Doppelpack

Tatsächlich machten beide Teams von Beginn an Dampf, begegneten sich mit offenem Visier. Wie im Hinspiel , als beim 2:1-Sieg die Tore des SVM in der Anfangsviertelstunde fielen, wurde Meppen mit einem frühen Doppelpack belohnt. Wagner steckte einen Pass durch die Viererkette auf Mirco Born, der die Übersicht behielt und querlegte auf Benjamin Girth . Dessen Schuss landete zum 1:0 im Netz (10.). Beinahe wäre die Meppener Führung nur von kurzer Dauer gewesen, hätte Lübecks Gary Noel das Zuspiel von Henrik Sirmais von der linken Seite nicht über den Querbalken befördert (13.). Meppens Innenverteidiger Dennis Geiger hatte nicht nur in dieser Szene Probleme mit dem Stand.

Girth machte beide Tore

In der 22. Minute legte der Spitzenreiter nach. Nach Foul an Born beförderte Thilo Leugers eine Freistoßflanke auf den zweiten Pfosten, Girth hielt die Stirn hin und drückte die Kugel unten links ins Tor. Das Stadion kochte. Die Meppener feierten vor der Gästekurve, Born legte den Zeigefinger auf die Lippen. Lübecks Fans tobten und rannten an den Zaun.

Meppen-Trio musste raus

Wermutstropfen für den SVM gleich zu Beginn der zweiten Hälfte: Nach einem Sprint fasste sich Girth hinten an den rechten Oberschenkel. Ob er sich eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss zugezogen hat, war nach Spielende nicht zu beantworten. Für ihn kam Winterzugang Francky Sembolo. Mit dem Doppeltorschützen verabschiedete sich die Souveränität der Gastgeber aus den ersten 45 Minuten, zumal Neidhart später auch noch Thilo Leugers (Schwindelgefühle nach einem Zweikampf) und Mirco Born (Pferdekuss) angeschlagen vom Platz nehmen musste. Kurz nach Girths Auswechslung gelang Lübeck durch Noel der Anschlusstreffer, weil sich Vidovic ausspielen ließ. Im Stadion waren nur noch die Gästefans zu hören, während Meppens Anhang verstummte.

Tabellenführer zu passiv

Der Tabellenführer verlor zusehends den Faden, lief oftmals nur hinterher, aber Lübeck konnte nicht wirklich davon profitieren. Symptomatisch für den Auftritt der Gastgeber in der zweiten Hälfte die Szene in der 72. Minute: Kleinsorge tankte sich auf der rechten Seite, zog in die Mitte, doch sein Zuspiel auf Sembolo war zu ungenau. Auch Wagner wäre im Rückraum frei gewesen.

Kleinsorge verpasst Entscheidung

Drei Minuten vor dem Ende legte sich Kleinsorge einen Diagonalball von David Vrzogic mit der Brust in den Lauf, scheiterte jedoch alleine vor dem Tor an Lübecks Schlussmann Toboll. Am Ende reichte es trotzdem zum elften Heimsieg im zwölften Spiel. 13 Punkte liegt Meppen nun vor Weiche Flensburg, das offensichtlich keinen Lizenzantrag für die Dritte Liga gestellt hat. 14 Zähler sind es auf Lübeck, dessen Antrag beim DFB vorliegt.

Lübeck seit Samstag in Meppen

Die Lübecker waren extra am Tag vor dem Spiel angereist und hatten in einem Meppener Hotel übernachtet. Drei Stunden vor dem Anpfiff machten einige Spieler bei einem Spaziergang Bekanntschaft mit den eingefleischten Meppen-Fans, die sich an ihrem Treffpunkt versammelt hatten. Doch außer einigen Sprüchen der Anhänger blieb es ruhig.

Die Stimmen der Trainer:

Rolf Landerl: „Wir haben ein paar Ideen gehabt, wie wir das Spiel bestreiten wollen. Speziell in der Anfangsphase ist uns das nicht wirklich gelungen. Wir haben schwierig ins Spiel gefunden. Haben dann leider Gottes zwei individuelle Fehler gemacht. Einmal im Spielaufbau eine Einladung abgegeben, die eine Mannschaft wie Meppen dann eiskalt ausnützt. Das 2:0 nach einer Standard sollte in dieser Form in einem solchen Spiel nicht passieren. Meppen hat Qualität und nützt solche Situationen aus. In weiterer Folge haben wir in der zweiten Halbzeit versucht umzustellen und offensiver zu spielen, um das Spiel umzudrehen. Das ist uns auch phasenweise gelungen. Am Schluss werfen wir alles nach vorne, und da kann Meppen natürlich den Sack früher zumachen. Ich glaube, aufgrund der zweiten Halbzeit kann ich zufrieden sein mit meiner Mannschaft. Wir haben es versucht, die Meisterschaft noch einmal spannend zu machen. Das war ganz klar unser Ziel. Aber Meppen war wie im Hinspiel einen Tick cleverer und sind somit auch verdient auf dem Weg zum Meistertitel.“

Christian Neidhart (auf die Frage: War’s das?): Für heute ja. Nein, das war’s noch nicht. Ich habe im Oktober Geburtstag und möchte auch nicht, dass man mir schon heute gratuliert. Von daher nehmen wir jedes Spiel weiterhin ernst. Man hat gesehen, wie schwierig das ist. Wir haben heute eine richtig gute erste Halbzeit gespielt. Man hat gesehen, dass wir sehr präsent waren. Bei Standards auch sehr präsent waren. Wir hätten auch höher als 2:0 führen können. Und hatten dann in der Halbzeit mit Marius (Kleinsorge, Anmerkung der Redaktion), Mirco (Born) und Thilo (Leugers) drei angeschlagene Spieler, von denen wir nicht wussten, wie es in die zweite Halbzeit geht. Wir mussten in der zweiten Halbzeit relativ früh zweimal wechseln. Wenn ich mal zwei Wochen zurückgehe: vor dem St. Pauli-Spiel hatten wir acht Spieler krank, die mit Grippe über einen längeren Zeitraum flach gelegen haben. Und diesen Substanzverlust hat man heute in der zweiten Halbzeit gesehen. Was mich aber absolut positiv gestimmt hat, ist, dass wenn es dann fußballerisch nicht läuft, die Mannschaft sich da überragend reingekämpft hat. Um jeden Ball gefightet hat. So muss es dann auch sein. Am Ende machen wir mit ein bisschen Glück den Sack zu. Wir haben es nicht so mit der Überzeugung gemacht, dass wir aufs dritte Tor gehen. Aber unterm Strich mit so einer Kulisse, an so einem Tag, so ein Spitzenspiel zu gewinnen, darüber sind wir natürlich sehr froh. Aber durch sind wir noch lange nicht.


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