20.11.2014, 10:30 Uhr

Verständnis fehlt häufig Reihe in Spelle bricht Tabu psychische Krankheit

Über seelische Gesundheit diskutierten (von links) Ludger Rolfes, Florian Schröder, Brigitte Schönheit, Jessica Kerl, Elke Evers, Maren Krüssel, Anton Stoll und Doris Holt. Foto: BremenkampÜber seelische Gesundheit diskutierten (von links) Ludger Rolfes, Florian Schröder, Brigitte Schönheit, Jessica Kerl, Elke Evers, Maren Krüssel, Anton Stoll und Doris Holt. Foto: Bremenkamp

Spelle. Auf dem von der Oberschule Spelle initiierten Elternabend im Zuge der Bildungsreihe „Der Speller Gedanke“ stand der psychiatrie-erfahrene Florian Schröder als „Experte in eigener Sache“ Rede und Antwort.

„Der drückt sich vorm Leben.“ Mit dieser abfälligen Stigmatisierung hatte Florian Schröder zu kämpfen, als er während des Übergangs zwischen Schule und Ausbildung an einer schweren Depression erkrankte. Trotz aller Vorurteile und Schamgefühle scheute sich der 22-Jährige nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Heute steht er wieder mitten im Leben und sagt selbstbewusst: „Ich muss mich für meine Krise nicht rechtfertigen.“

Zum Thema „Verrückt? Na und! – Seelisch fit in Schule und Ausbildung“ referierte zudem Diplom-Pädagogin Brigitte Schönheit, Projektkoordinatorin des Vereins „Irrsinnig Menschlich“, welcher seelische Gesundheit an Schulen fördert und fordert: „Psychische Erkrankungen dürfen kein gesellschaftliches Tabu sein.“

Statistisch ist die Relevanz der Problematik belegt: „An einer Durchschnittsschule mit 600 Schülern und 35 Lehrkräften zeigen 137 Schüler psychische Auffälligkeiten, 58 sind ernsthaft seelisch krank, haben Depressionen oder Angstzustände. Lehrkräfte sind überfordert, rund ein Drittel von ihnen ist vom Burn-out-Syndrom bedroht“, verwies Brigitte Schönheit auf erschreckende Zahlen.

Auffälliges Verhalten schockiere die Außenwelt, sei aber immer ein Lösungsversuch des Betroffenen zur Bewältigung schwieriger Situationen. Die Pädagogin kritisierte die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung. „Seelische Erkrankungen sind kein Makel. Warnsignale müssen früh erkannt und dürfen nicht lapidar abgetan werden.“ Wesentlichen Einfluss auf eine gesunde emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen habe neben dem Elternhaus auch die Schule. Beide verbinde ein gemeinsamer Erziehungsauftrag, „damit Kinder zu starken Individuen werden, die ihr Leben in eigene Hände nehmen können“.

Ins Gespräch kam die Expertin in Spelle nicht nur mit Eltern, Schülern und Lehrern, sondern im Rahmen einer Podiumsdiskussion auch mit dem stellvertretenden Schulleiter Ludger Rolfes, der Psychotherapeutin Jessica Kerl, der Elternratsvorsitzenden Elke Evers, dem Schülersprecher Anton Stoll, der Schulsozialarbeiterin Maren Krüssel sowie der didaktischen Leiterin Doris Holt. Brigitte Schönheit nahm Bezug auf das Leitbild der Oberschule, in dem es heißt: „Unsere Schule ist ein Ort, an dem sich jeder wohlfühlt und in seiner Einzigartigkeit angenommen wird. Wir erziehen unsere Schüler zu selbstständigen, gefestigten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten.“ Angesichts eines engagierten Schulteams und einer vielfältig ausgebauten Schullandschaft seien diese Worte in Spelle keine leeren Floskeln.

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