04.07.2014, 13:12 Uhr

Ein stabiles Bindungskonzept Zehn Jahre Kinder- und Jugendhilfe in Schapen

Die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe feierte in Schapen ihr zehnjähriges Bestehen. Darüber freuen sich (von links) Ingrid Tschorn, Renate Weusthof, Yvonne Schauf und Sebastian Backhaus. Foto: Anne BremenkampDie Backhaus Kinder- und Jugendhilfe feierte in Schapen ihr zehnjähriges Bestehen. Darüber freuen sich (von links) Ingrid Tschorn, Renate Weusthof, Yvonne Schauf und Sebastian Backhaus. Foto: Anne Bremenkamp

Schapen. Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch: Wenn ein Kind bei den leiblichen Eltern die notwendige Fürsorge für eine gesunde Lebensperspektive nicht findet, dann kommt es mit oft schwerem biografischen Gepäck in ein Heim – oder in die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe (BKJH). In Schapen hat das Pädagogische Zentrum das zehnjährige Jubiläum mit einem bunten, fröhlichen Fest und mehr als 100 kleinen und großen Gästen gefeiert – und zwar wie in einer großen Familie.

Genau dieser familiäre Ansatz und ein stabiles Bindungskonzept sind die besondere Philosophie der BKJH , der aktuell in neun Bundesländern 445 junge Menschen anvertraut sind.

331 von ihnen leben in Profifamilien. Diese Profifamilien sind das Herzstück der BKJH und bestehen aus wenigstens einer pädagogischen Fachkraft, die oft mit Partner und eigenen Kindern zusammenlebt. Durch intensive Vorbereitung werden sie durch die BKJH auf das Abenteuer eingestellt, bis zu zwei junge Menschen langfristig in die eigene Familie aufzunehmen. Bei dem gemeinsamen Lebensweg werden die Profifamilien, auch in Form von Erziehungskonferenzen, nachhaltig von der BKJH beraten und gestützt.

Die BKJH ist aber auch zentrale Anlaufstelle für die Herkunftsfamilien und das Jugendamt. In der BKJH Schapen werden zurzeit 31 Kinder und 23 Profifamilien begleitet. Letztere kommen vor allem aus dem südlichen Emsland, der Grafschaft und NRW. Die guten Seelen in Schapen sind neben Abteilungsleiterin Marion Wischka die Erziehungsleiterinnen Renate Weusthof und Ingrid Tschorn, die mit viel Herzblut das Leitmotiv KiM der BKJH leben, demnach einzig das „Kind im Mittelpunkt“ steht.

Die Profifamilien seien es, die den Kindern Wärme, Respekt und Kontinuität entgegenbringen. Nur so können diese eine feste Bindung auf allen Ebenen eingehen, dankten Renate Weusthof und Ingrid Tschorn für die soziale Bereitschaft, die eigene Familie mutig zu öffnen und sich dabei stets selbstkritisch zu hinterfragen und hinterfragen zu lassen.

Dass die Arbeit mit den ihnen anvertrauten Kindern von besonderer Verantwortung geprägt ist, das unterstrichen die erfahrenen Erziehungsleiterinnen mit der Feststellung: „Es braucht Humor und ein wenig Gottvertrauen, denn in keinem anderen Beruf stößt man so sehr an seine Grenzen. Dennoch ist unser aller Tun für uns ein Geschenk des Lebens.“

Möglich gemacht haben dieses Geschenk die Träger der BKJH, Marianne und Gerhard Backhaus, die 1976 in Meppen ein Kleinstheim gegründet haben, um ihren Beitrag gegen die wenig schönen Zustände in den damaligen Großheimen zu leisten. Heute ist die BKJH ein großes wirtschaftliches Unternehmen, das laut Schapens Bürgermeister Karlheinz Schöttmer „vorbildliche mitmenschliche Hilfe“ leistet. Sebastian Backhaus als aufsichtsführender Gesellschafter zeigte sich ebenso wie Gesamtleiterin Yvonne Schauf überzeugt: „In Schapen steht eins der schönsten Pädagogischen Zentren mit geballter Expertise, Herz und Verstand.“ Ganz persönlich bedankte sich abschließend eines der der BKJH anvertrauten Kinder: Für einen Ort, wo heimatlos gewordene Kinder Wurzeln schlagen können und vor allem auch wollen.

Demnächst startet die BKJH Schapen einen neuen Vorbereitungskurs für angehende Profifamilien.

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