22.04.2017, 17:12 Uhr

Vor Ort auf Erkundungstour Windanlagen auf dem Hümmling: Wind ja, aber bitte erst, wenn‘s steht


Börger. Gebannt schaut David Szilagyi mehrmals in der Stunde auf das Wetterradar. „Auch wenn hier ein Windpark entsteht, ist Wind beim Aufbau der Anlagen wenig hilfreich.“ Szilagyi ist beim Energieanlagen-Spezialisten Enova aus Bunde zuständig für die technische Planung. Aktuell betreut er die Realisierung neuer Anlagen in Börger und Breddenberg.

Es staubt. Und das nicht gerade wenig. Die Zuwegung zu den Windparks „Börger-Ohe 2“ und „Breddenberg-Ohe“ erfolgt über Kilometer lange Schotterpisten, die zwischen Feldern und Ackern angelegt wurden. „An eine Asphaltierung wurde bislang noch nicht gedacht“, schmunzelt Szilagyi, der vor Ort mit einem passenden Geländewagen vorfährt.

Tonnenschwere Turmsegmente am Kran

Doch der Weg ins Innere der Windparks lohnt sich. Präzise wird dort an dem Aufbau neuer Windkrafträder ungeheurer Dimensionen gearbeitet. Für einen Laien scheint das Wetter an diesem Tag optimal. Viel Sonne, kein Wind: Was soll dem Aufbau schon im Wege stehen? Dass es nicht ganz so einfach ist, macht Szilagyi deutlich. „Selbst kleinste Winde können für den Kran beim Hochziehen der tonnenschweren Turmsegmente oder Rotorblätter hinderlich sein.“ Von daher ist der Blick auf die Wettervorhersage der stetige Begleiter. „Eigentlich leben wir ja vom Wind, aber erst, wenn alles in Betrieb ist“, so der Planer.

Anlegen der Wege eine besondere Herausforderung

Nachdem das Unternehmen aus Ostfriesland bereits 2016 vier Anlagen im Park „Börger Ohe 1“ in Betrieb genommen hat, schließt sich in diesem Jahr der Bau weiterer neun Anlagen in den beiden weiteren genannten Windparks an. Im Frühsommer sollen die Windkrafträder ans Stromnetz gehen.

Von der Zuwegung über den ersten Baggerstich bis zur Inbetriebnahme vergehe Szilagyi zufolge rund ein gutes halbes Jahr. Alleine das Anlegen der Wege sei aufgrund der enormen Schwere der anzuliefernden Teile eine Herausforderung.

Kritische Töne sind bekannt

Dabei nehme der Aufbau der Anlagen gleichwohl den geringsten zeitlichen Aufwand ein. „Die Planungen im Vorfeld erfordern weitaus mehr Zeit.“ Szilagyi wisse um die kritischen Töne der Naturschützer und auch einiger Kommunalpolitiker. „Dabei setzen wir nur das um, was politisch gewollt ist.“ Mit Widersprüchen habe man immer wieder zu tun. „Wir wollen bei unserer Arbeit natürlich auch den Ansprüchen der Natur gerecht werden.“ Dazu gehöre unter anderem auch das Schaffen von Kompensationsflächen. Allein in Börger müssten jährlich 40 Hektar für Rastvögel bereitgestellt werden. Hinzukommen Aufzeichnungspflichten hinsichtlich des Aufkommens an Fledermäusen. Zudem stehe man in ständiger Abstimmung mit den örtlichen Landwirten, die rund um die Anlagen ihre Felder bewirtschaften.

Die Nutzung erneuerbarer Energien ist für Szilagyi auch privat selbstverständlich. „Ich bin jetzt kein Freak, der alles auf die Goldwaage legt, gucke aber schon auf grünen Strom.“ Das bringe der Beruf halt mit sich.

207 Meter hoch

Die derzeit gebauten Anlagen sind fast alle baugleich und haben eine identische Leistung. Die Gesamthöhe einer Windkraftanlage beträgt auf dem Börgeraner Gemeindegebiet 207 Meter, wovon alleine die Rotorblätter 57,5 Meter einnehmen. In Breddenberg sind die Anlagen etwas kleiner. An Energie erzeugt eine Anlage etwa acht Millionen Kilowattstunden im Jahr. „Aber auch das ist wieder einmal vom Wind abhängig“, so der Planer.

Neues Umspannwerk

Enova übernimmt bei der Realisierung die Projektentwicklung und Betriebsführung. Die im letzten Jahr im Bereich „Börger-Ohe 1“ errichteten vier Anlagen decken nach Unternehmensangaben den Jahresenergiebedarf von über 9000 Haushalten ab. Die sieben neuen Anlagen in „Börger-Ohe 2“ sollen 15.000 Haushalte versorgen können. Die Einbindung der neuen Windparks in das Stromnetz ist über ein im Dezember fertiggestelltes Umspannwerk gesichert.

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