21.11.2016, 09:22 Uhr

Fürstliche Rösser in Werpeloh Gärtner züchtet mit Leidenschaft Barock-Pferde

Züchter Heinz Hackmann mit Knabstruppern seines Gestüts „Aus der schützenden Hand“. Das Bild in seiner Hand zeigt ein in seiner Halle nachgestelltes Niedersachsen-Wappen: Weißes Pferd vor rotem Grund. Fotos: Susanne Risius-HartwigZüchter Heinz Hackmann mit Knabstruppern seines Gestüts „Aus der schützenden Hand“. Das Bild in seiner Hand zeigt ein in seiner Halle nachgestelltes Niedersachsen-Wappen: Weißes Pferd vor rotem Grund. Fotos: Susanne Risius-Hartwig

In der großen Wohnstube der Hackmanns fällt ein antiker Kinderwagen mit alten Puppen darin auf. „Wir haben Freude an solchen Dingen,“ erklärt Gärtnereibesitzer Heinz Hackmann aus Werpeloh.

Werpeloh. Als Nächstes fällt der Blick des Besuchers auf eine große Fotografie: Eine Reiterin in barockem Kostüm mit Hut und Feder. Sie sitzt im Damensattel auf einem edlen Ross. Das Pferd stammt aus dem „ Knabstruppergestüt aus der schützenden Hand “, das Familie Hackmann außer der Gärtnerei an der Hauptstraße in Werpeloh noch betreibt.

Heinz Hackmann wurde 1950 geboren, ging in Werpeloh und Sögel zur Schule. Mit 14 begann er eine Lehre, mit 17 legte er in Sögel die Gehilfenprüfung ab, verbrachte noch ein Jahr in einem Betrieb in Meppen und machte sich mit 18 Jahren selbstständig. Er übernahm den Betrieb des Vaters in Werpeloh. „Wir haben seit dem kontinuierlich erweitert.“ Zur Familie zählen seine Frau, vier Söhne und zwei Enkelkinder.

Wenn es um seine Pferde geht, dann gerät Heinz Hackmann ins Schwärmen. Sein Gestüt gehöre dem Europäischen Verband original Knabstrupper Züchter an, engagiere sich im „Kulturprojekt Fürstenpferde“. Der König von Hannover habe Exemplare dieser Rasse mit Gold aufgewogen. „Es sind die Pferde der Königsfamilien in fast ganz Europa.“ Seit tausend Jahren sei die Rasse als Reitpferd geschätzt. „Unser niedersächsisches Wappenpferd ist ein weißgeborener Frederiksborger, der sich heute Knabstrupper nennen würde,“ erklärt Hackmann und ärgert sich, dass das Land Niedersachsen seine Belege dafür nicht anerkennen will.

Da Heinz Hackmann selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reitet, hat er sich, wann immer die Zeit es erlaubte, gerne auf einen Kutschbock gesetzt. Mit seinem Großvater war er schon als vierjähriger Junge Kutsche gefahren. Damals war er wohl vom „Pferdevirus befallen und nicht wieder geheilt worden,“ schmunzelt Hackmann. Eine Sammlung von ehemals hochherrschaftlichen Kutschen und Schlitten nennt er sein Eigen.

Die Pferdezucht begann als Hobby. Hackmann züchtete 20 verschiedene Pferderassen, darunter Hannoveraner, Oldenburger, Araber, als sich ihm vor 35 Jahren die Möglichkeit bot, in Dänemark einen Bestand von acht Frederiksborger Knabstuppern günstig zu erwerben. Damals gab es nur noch 30 original Knabstrupper auf der Welt. „Ich musste dem Verkäufer versprechen, die klassische Blutlinie so weiterzuführen, wie sie dort seit mehreren 100 Jahren gezogen wurde“, erinnert sich der Emsländer.

„Heute stehen bei uns vorwiegend Knabstrupper im Originaltyp. Hengste, eine Stutenherde und die dazugehörigen Jungtiere“, ist Hackmann stolz. „Weltweit gibt es zur Zeit einen Bestand von 350 Original Knabstruppern, 260 davon sind auf meinem Gestüt geboren,“ sagt Hackmann nicht ohne Stolz.

Wenn der vielfach ausgezeichnete Hobbyzüchter an die Weiden fährt, kommen die Tiere zutraulich mit nach vorne gerichteten Ohren auf ihn zu. Während der 67-Jährige eine Stute begrüßt und mit den Augen die Weide nach zwei Fohlen absucht, berichtet er weiter von der Geschichte seiner Pferde: Die Knabstrupper waren bei Militär und Königshäusern hoch geschätzt wegen des Charakters der Tiere. Sie verfügen über starke Nerven und ein ruhiges Gemüt. Aber durch Inzucht und kurzfristiges Gewinnstreben seien die Knabstrupper als Rasse stark gefährdet gewesen.

„Vor 35 Jahren galt es, zu retten, was noch zu retten war. Ohne uns gebe es diese Rasse heute sehr wahrscheinlich nicht mehr,“ schätzt der Emsländer. Weil der Name Knabstrupper gelitten hat, strebt Hackmann an, seine Tiere nun unter dem Markennamen „Royal Danois“, königlicher Däne zu etablieren, „so wie sie auch in der Zeit des Barock hießen“. Anfang 2017 wird Hackmann ein Buch zu diesem Thema veröffentlichen, kündigt der 67-Jährige an.

Jede freie Minute investiere er in die Pferde, genieße den Austausch mit anderen Züchtern, befreundeten Reitern und Hofreitschulen auf der ganzen Welt. Ohne die Unterstützung der Familie gehe das alles nicht, auch wenn die Arbeit dank moderner Stallbauten und Gerätschaften einfacher geworden sei.

Mehr von den Pferdezüchtern aus Werpeloh unter www.knabstrupper.com oder in der Sendung „Naturnah - Fürstliche Pferde“, die der NDR am 22. November um 18.15 Uhr ausstrahlt.


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