27.07.2014, 21:40 Uhr

Ausstellung und Buch 194 Sögeler zogen in den Ersten Weltkrieg

Spurensuche in der eigenen Familie: Bernd Rüting zeigt Erinnerungsstücke von Heinrich Honigfort (Soldat im Hintergrund). Fotos: Dirk HellmersSpurensuche in der eigenen Familie: Bernd Rüting zeigt Erinnerungsstücke von Heinrich Honigfort (Soldat im Hintergrund). Fotos: Dirk Hellmers

Sögel. Namenslisten, Exponate und Fotografien: Mit der Ausstellung „Sögel im Ersten Weltkrieg“ will der Verein „Forum Sögel“ den ersten Weltenbrand vor 100 Jahren greifbar machen. Bis zum 8. August sind die Stücke im Rathaus zu sehen. Nachhaltiger ist der gleichnamige Quellenband mit 160 Seiten, den es zeitgleich zu kaufen gibt.

„Direkt vom Krieg war Sögel nicht betroffen“, sagt Josef Klass, einer der Ersteller des Werkes. Dennoch seien sie auf viele Informationen gestoßen. 194 Sögeler wurden eingezogen. So steht es in einer Liste der Pfarrchronik. „Die ist aber eher zufällig“, sagt Klass. Die einzige vollständige Aufzählung sei bei der Bombardierung des Preußischen Heeresarchivs in Potsdam im April 1945 verbrannt. Die Liste enthält nur Namen.

Ausführlicher kommentierte Lehrer August Gehrmeier in der Schulchronik die Gefallenen. Bereits am 21. August 1915, etwa ein Jahr nach Kriegsbeginn (Kriegseintritt war am 1. August 1914), „so hat bisher auch aus unserer Gemeinde über 100 Männer ins Feld gerufen und aus dieser eine ganze Reihe Todesopfer auf dem Feld der Ehre gefordert“. Anschließend listet er 27 Namen. Im Februar 1917 seien „an die 300 Gemeindemitglieder unter der Waffe oder gefallen“. Ein halbes Jahr später (29. September 1917) bilanziert Gehrmeier: „Eine ganze Reihe jetziger oder früherer Sögeler hat wieder fürs Vaterland Blut und Leben geopfert, bisher insgesamt 41!“ Die Listen und Anmerkungen hat das Team um Klass zusammengetragen und transkribiert. „Man hat auch gemerkt, dass es dem Schreiber nahegeht“, sagt Klass. In seinen späteren Eintragungen schreibt Gehrmeier unter anderem vom „schrecklich wütenden Krieg“.

Weiter ins Detail gehen Ausstellung und Buch mit Feldpostbriefen von drei Soldaten. „Wir können ihren Weg an der Front genau verfolgen“, sagt Klass. Vom ersten Kriegstag bis zum 5. April 1918. An dem Tag ist Heinrich Honigfort gefallen. Der Gefreite schrieb unmittelbar vor seinem Tod an seine Schwester Thekla Honigfort. „Liebe Schwester! Ich kann dir noch meine beste Gesundheit mitteilen.“ Weiter schreibt er, dass ein Paket ihn nicht erreicht habe. „Bis jetzt haben wir auch noch so ziemlich genug zu Essen gehabt, doch wird es jetzt allmählich schlimmer.“ Außerdem sei es bei Regenwetter recht ungemütlich, weil sie immer draußen sein müssten. „Hoffentlich geht diesen Sommer der Krieg zu Ende, sonst wird es noch schlimmer wie vorher.“

Persönliches Interesse hatte der Mitautor Bernd Rüting. Die Adressatin der Briefe von Honigfort war seine Stiefgroßmutter. „Wir haben nie über ihren Bruder gesprochen“, sagt Rüting. Die Briefe habe er nach ihrem Tod in den 60er-Jahren gefunden. „Ich wusste nur, dass es da jemanden gibt.“ In den Briefen lässt sich der Weg von Honigfort, der bereits nach vier Tagen im Schützengraben an der Ostfront verletzt wurde (März 1915) und die meiste Zeit des Krieges in Frankreich verbrachte, verfolgen.

„Was privat war, haben wir aber heraus gekürzt“, erklärt Klass. Es soll lediglich um das Erlebte im Krieg gehen. Besonders tragisch fand er das Schicksal von Isaak Weinberg. Weinberg hatte keine Briefe hinterlassen. „Er hat den Krieg überlebt“, sagt der Sögeler. 1938 hat der Jude noch eine Berechtigung bekommen, das Verwundeten-Abzeichen zu tragen. Später wurde er verhaftet und 1944 in Auschwitz ermordet.

Das Buch „Sögel im Ersten Weltkrieg“ kann für 12 Euro im Sögeler Rathaus und im Forum in Sögel erworben werden.


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