19.10.2016, 17:02 Uhr

Geduldsprobe Neuenkirchener Eltern suchen vergeblich Zahnarzt-Notdienst

Gruppenbild mit Zahnlücke: Janne Volk (Vorne, Mitte) mit ihren Eltern Gisela und Christof sowie ihren Brüdern, Nils (rechts) und Mathis. Foto: Peter SelterGruppenbild mit Zahnlücke: Janne Volk (Vorne, Mitte) mit ihren Eltern Gisela und Christof sowie ihren Brüdern, Nils (rechts) und Mathis. Foto: Peter Selter

Neuenkirchen. In der Gemeinde Neuenkirchen haben Eltern an einem Mittwochnachmittag vergeblich versucht, im Osnabrücker Nordkreis einen zahnärztlichen Notdienst zu erreichen. Ein Zahnarzt aus der Stadt Osnabrück konnte schließlich helfen.

Die Suche nach dem Notdienst der Zahnärzte an einem Mittwochnachmittag hat sich für die sechsjährige Janne Volk aus Neuenkirchen zu einer echten Geduldsprobe entwickelt. Erst zwei Stunden nach ihrem Sturz und eingedrückten Schneidezähnen konnte ihr geholfen werden – jedoch eher zufällig und in der Stadt Osnabrück.

Jannes Puppen hätten noch auf dem Trampolin gelegen. Vor dem gemeinsamen Abendbrotessen sollte sie noch kurz mithelfen, aufzuräumen und ihr Spielzeug reinholen. Als sie durch die Tür des Hauswirtschaftsraumes aus dem Garten zurückkam, habe sie schnell gemerkt, dass etwas nicht stimme, erinnert sich Mama Gisela Volk.

Sehr schnell sei Janne dann bereits das Blut aus dem Mund gelaufen. Nach einem kurzen Blick in den Mund sei klar gewesen, dass Janne gestürzt war und sich zwei Schneidezähne eingeschlagen habe. „Da muss ein Zahnarzt draufgucken, und das am Mittwochnachmittag“ habe sie bedenklich gesagt. Gisela Volk sollte mit ihrer Ahnung Recht behalten.

Kein Zahnarzt in der Region erreichbar.

Die Anrufe bei den Zahnarztpraxen in Neuenkirchen und Merzen seien ins Leere gelaufen. In der Zeitung am Mittwoch stand nichts. Lediglich im Mitteilungsblatt „Samtgemeinde aktuell“ sei ein Hinweis auf den „Ärztlichen Notdienst“ unter einer Rufnummer im Bramsche zu finden gewesen. Dort habe man ihnen erklärt, dass es sich dort um den ärztlichen und nicht um den zahnärztlichen Notdienst handele. Bei Zahnunfällen könnten sie eventuell Hilfe in Osnabrücker Kliniken bekommen. Direkt dort hinzufahren, mache aber keinen Sinn, sei ihnen gesagt worden. Es sei erst abzuklären, ob Janne dort behandelt werden könne. Sie würden sich wieder melden. In der Zwischenzeit sollten Gisela und Christof Volk noch mindestens bei weiteren fünf Zahnärzten in der Umgebung versuchen, Hilfe zu erhalten.

Mehrere Praxen abtelefoniert

Die „Gelben Seiten“ aufgeblättert, hätten sie angefangen, eine Praxis nach der anderen abzutelefonieren. Dann sei ihnen eingefallen, ihren „Hauszahnarzt“ in Osnabrück und Wallenhorst anzurufen. Dort habe sich sogar eine Mitarbeiterin gemeldet. Die Hoffnung auf baldige Hilfe stieg. Doch weit gefehlt, der Arzt sei nicht zu erreichen, Feierabend müsse ja auch mal sein, hätte die Mitarbeiterin der Praxis mehr oder weniger freundlich festgestellt.

Kliniken in Osnabrück hatten keine Zeit

Zwischenzeitlich hätten sie sich wieder beim ärztlichen Notdienst in Bramsche gemeldet. Sie könnten ja schon mal losfahren, sei ihre Idee gewesen. „So hätten wir die Wartezeit schon mal für die Fahrt nach Osnabrück nutzen können“, erklären Gisela und Christof Volk. Mittlerweile sei es 19 Uhr gewesen, so die Eltern. Die Antwort: Ein klares „Nein“, so Gisela Volk. Es gelte abzuwarten. Nach halb acht Uhr sei es gewesen, als vom ärztlichen Notdienst dann die Mitteilung gekommen wäre, dass die Kliniken nicht für den Fall bereitstünden. Aber sie könnten es ja mal bei dem zahnärztlichen Notdienst der Stadt Osnabrück probieren. Der Tipp erwies sich als gut. Ein Anruf in der Praxis von Dr. Stefan Kaßler und Dr. Mina Marali-Kaßler an der Rheiner Landstraße in Osnabrück habe sie nach eineinhalb Stunden endlich weitergebracht. „Wir durften sofort losgefahren“, die Behandlung sei gut gewesen. Gegen halb zehn seien sie wieder zu Hause gewesen, so Gisela Volk.

Mittwochs ist nachmittags und abends kein Notdienst organisiert

„Unser Fall ist nach Auskunft des ärztlichen Notdienstes in Bramsche kein Einzelfall“, geben die Eltern zu bedenken. Der für die Planung des zahnärztlichen Notdienstes im Nordkreis zuständige Leiter der Verwaltungsstelle der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Dr. Carsten Vollmer, war auf Nachfrage unserer Zeitung urlaubsbedingt nicht zu erreichen. Vertretung? Fehlanzeige, so eine Mitarbeiterin. Auch die Frage unserer Zeitung nach dem Notdienst am besagten Mittwoch lief ins Leere. Janne jedenfalls geht es heute wieder gut. An den Abend erinnert sie sich noch gut. Müde sei sie morgens in der Schule gewesen. Und etwas weh getan hätte der Mund noch. Für Erstklässlerin Janne waren das aber alles keine Gründe, um einen Vormittag in ihrer heiß geliebten „Pinguin-Klasse“ der Grundschule zu verzichten.


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