15.10.2015, 18:05 Uhr

Milchtankstelle auf Hof Egbert Selbstgezapfte Milch rund um die Uhr in Voltlage


Voltlage. Tankstellen gibt es im Altkreis Bersenbrück reichlich. Jeder größere Ort besitzt mindestens eine. Auch Voltlage. Dort gibt es seit Kurzem aber eine ganz besondere Zapfstelle: Auf dem Hof von Josef Egbert an der Hauptstraße steht eine Milchtankstelle. Es ist die erste im Altkreis Bersenbrück.

Dass der gelernte Landwirt Josef Egbert nebenbei einmal als Tankwart arbeiten würde, hätte er auch nicht gedacht. Aber da war diese besondere Tankstelle, die Tochter Sophia eines Tages in Dreierwalde entdeckte: Statt Benzin und Diesel für hungrige Motoren zapften Kunden dort frische Kuhmilch als weißen Treibstoff für sich selbst. „Papa, das könnten wir doch auch machen“, sagte sie. Ja, warum eigentlich nicht?, dachten Josef und Walburga Egbert. Schließlich produzieren 90 Kühe auf ihrem Hof in der Voltlager Ortsmitte den Rohstoff Milch. Die wird an die Molkerei abgeliefert. Ein Teil davon landet nun in der Direktvermarktung. Genauer gesagt, in einem Automaten zum Selbstzapfen.

Automat im Gartenhaus

Dafür zimmerten die Egberts ein kleines Gartenhäuschen. Es steht direkt in der Hofeinfahrt. Doch nicht Rasenmäher und Gartengeräte werden darin untergestellt, wie es die Nachbarn anfangs vermuteten, sondern ein Kühlautomat mit einem 100-Liter-Behälter aus Edelstahl.

Diesen Kühlschrank befüllt Josef Egbert mit frisch gemolkener und naturbelassener Rohmilch. Die wird bei vier Grad Celsius gekühlt. Jeden Tag füllt er den Tank mit Rohmilch auf. Und sollte sich im Behälter noch Milch vom Vortag befinden, so wird diese an die Kälber im Stall verfüttert. Die Bedienung des Automaten ist kinderleicht.

Liter kostet einen Euro

Und so geht’s: Geld in den Münzschlitz werfen, Ausgabeklappe öffnen, Flasche unter den Zapfhahn stellen und Ausgabeknopf betätigen. Der muss solange gedrückt werden, wie Milch gezapft werden soll. Passend gezahlt werden muss übrigens nicht. Der Automat kann mit Fünf-Cent-Münzen bis zum 20-Euro-Schein „gefüttert“ werden. Die abgezapfte Menge wird in Geld umgerechnet. „Alles ganz einfach“, sagt Egbert. Ein Liter frische Rohmilch kostet einen Euro. Kunden können eigene Gefäße mitbringen oder aber Halbliter- und Literflaschen aus PET und Glas vor Ort erwerben.

Regelmäßig kommt das Veterinäramt des Landkreises Osnabrück vorbei und kontrolliert die Zapfanlage. „Sauberkeit ist alles“, sagt Walburga Egbert. Kunden werden mit Schildern darauf hingewiesen, dass die Rohmilch vor dem Verzehr erhitzt werden muss. Diese Aufklärung verlangt der Landkreis. Ob sich die Kunden letztlich daran halten, bleibt ihnen überlassen. Die Rohmilch ist etwa vier bis fünf Tage haltbar. Für einen Bauernhof ist so eine Milchtankstelle auch die einzige Möglichkeit, frische Milch abzugeben.

Seit gut vier Wochen steht das schmucke Holzhäuschen mit geöffneten Türen rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche direkt an der Hauptstraße. Ein Schild am Bürgersteig weist auf die erste „Voltlager Milchtankstelle“ hin. Auch die Flyer, die im Häuschen ausliegen, gestalteten die Egberts in Eigenregie. Darauf zu sehen ist eine Weide mit Kühen, auf einer Bank sitzt Tochter Sophia mit einem Glas Milch.

Werbung verfehlt ihren Zweck nicht

Werbung, die ihren Zweck nicht verfehlt. Seit dem ersten Tag kommen die Kunden. „Das sind nicht nur Voltlager, sondern auch viele, die zufällig vorbeikommen“, berichtet Walburga Egbert. Aus Recke, Hopsten, Halverde. Sonntags, frühmorgens, abends. Sogar um halb zwei in der Nacht surrte neulich der Automat. Nach dem Besuch des Voltlager Erntedankfestes hatten einige Gäste auf dem Heimweg offenbar richtig Durst auf die geschmacksintensive Rohmilch mit einem Fettgehalt von bis zu fünf Prozent. Die Voltlagerin freut sich, dass diese Art der Direktvermarktung offenbar den Geschmack der Kunden trifft und diese das Frischprodukt direkt vom Hof der haltbar gemachten Milch im Tetrapak aus dem Supermarkt vorziehen.

Von den Vorzügen der Rohmilch muss Christina Schmitz nicht überzeugt werden. Die junge Frau aus Weese kommt alle zwei Tage, um die Flasche zu füllen. Länger hält der Vorrat meist nicht, so begehrt ist die Milch in ihrer Familie. Sie ist begeistert von diesem Angebot. „Unsere Kinder stehen voll darauf, die Milch zu zapfen“, berichtet sie.

Gut für die Umwelt

Dass Zeitgenossen die frische Landmilch nicht mögen, kann sie nicht verstehen. „Sie schmeckt besser“, was zu einem Teil eben auch an der Frische liege. „Die Menschen wollen heute ein Gefühl mitkaufen, und das können die Kunden hier besonders gut.“ Auch der Umweltaspekt sei nicht zu vernachlässigen: Beim Selbstzapfen auf dem Hof im Dorf fielen weder Kosten für Aufbereitung noch Transport an, „auch nicht für eine Verpackung, denn die Flasche kann ja immer wiederverwendet werden“, sagt die junge Mutter.

Werbung für die Landwirtschaft

Für die Egberts ist die neue Milchtankstelle ein reines Hobby. „Reich werden kann man damit nicht“, lächelt Josef Egbert. Das will er auch gar nicht. Viel wichtiger ist ihm, dass er auf diese Weise für die Wertigkeit der auf dem Hof produzierten Lebensmittel werben kann. Und dass er zeigen kann, wie Landwirte heutzutage wirtschaften.

Dann wird der Verbraucher vielleicht erahnen, dass mit 26 Cent pro Liter Milch – so viel bekommen Milchbauern zurzeit vergütet – keineswegs auskömmlich gewirtschaftet werden kann.

Nach Auskunft der Kreisverwaltung gibt es bis jetzt acht Milchtankstellen im Osnabrücker Land.


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