09.11.2016, 18:03 Uhr

Damhirsch gerissen Wolf aus Polen in der Gemeinde Bippen nachgewiesen


Bippen. Viele Fachleute haben es vermutet, nun ist es offiziell. Im Nordkreis – genauer in der Samtgemeinde Fürstenau – hält sich ein Wolf auf. Den endgültigen Beweis dafür lieferte nun das Ergebnis einer Genanalyse. Auch gibt es inzwischen eine Reihe von Fotos, die den Wolf zeigen.

Auf eine der ersten Wolfsspuren stieß Jagdpächter Gerd Lömker. An der Grenze der beiden Bippener Ortsteile Hartlage und Ohrte lag am Straßenrand ein toter Damhirsch. Ein kapitales Tier, 80 Kilo schwer. Es wies eine Bisswunde am Hals auf, war aber ansonsten kaum „angeschnitten“, wie es in der Jägersprache heißt. Auch gab es keine Kampfspuren. War das Tier von einem Auto angefahren worden? Hatte dann ein Fuchs sich an den Kadaver gütlich getan? Denkbar.

Bisswunde liefert Beweis

Um aber auf Nummer sicher zu gehen, informierte Gerd Lömker unter anderen Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann, den Damwildhegeringsleiter Bernd Haverkamp und auch Wolfsberater Arndt Eggelmeyer. Die gingen der Sache sofort auf den Grund. Das Fazit: Die Bisswunde war eigentlich für einen Wolf zu klein. Also tatsächlich ein Fuchs? Sicherheitshalber nahm Arndt Eggelmeyer eine Probe von der Biss-Stelle und schickte sie umgehend an das Labor der Landesjägerschaft in Hannover. Gleichwohl musste er bis November auf das Ergebnis warten. Es fiel eindeutig aus: Der Biss stammt von einem Wolf.

Damit war ein C1-Nachweis erbracht, wie die Fachleute sagen. Im Vergleich zu Hinweisen der Kategorie C2 und C3 gilt er als definitiv wissenschaftlich gesichert. Im Landkreis Osnabrück gibt es in diesem Jahr nunmehr drei C1-Nachweise – in Ostercappeln, Groß Drehle bei Gehrde und eben jetzt in Ohrte/Hartlage. Darüber hinaus liegen eine Reihe von bestätigten und unbestätigten Hinweisen vor. Unter anderem hielt sich im März 2015 für kurze Zeit ein Wolf im Berger Ortsteil Grafeld auf.

In die Fotofallen getappt

Der Bippener Wolf hat in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Spuren hinterlassen. Mehrfach ist er in Fotofallen – beispielsweise im Erholungsgebiet Maiburg – getappt. Mehrfach hat er Damwild und auch einige Schafe gerissen, wie Martin Meyer Lührmann und der Leiter des Hegeringes Bippen, Andreas Dühne, berichten.

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Beide mahnen – ebenso wie Bernd Haverkamp, Arndt Eggelmeyer und Markus Rolf von der unteren Naturschutzbehörde des Landeskreises Osnabrück – zur Ruhe. Es handele sich derzeit um einen einzelnen Wolf. Er gehe nicht auf Spaziergänger zu und sei kein Problem. Der Wolf stamme zudem nicht aus den in Niedersachsen bekannten Rudeln. Er sei vielmehr aus Polen eingewandert und bisher nirgendwo in Deutschland noch nicht in Erscheinung getreten, so der Kreisjägermeister. Es gelte jetzt abzuwarten, wie sich alles weiterentwickele. Möglicherweise ziehe der Wolf irgendwann weiter, möglicherweise aber kämen weitere Tiere hinzu und bildeten ein Rudel.. Dann müsse die Situation neu betrachtet werden. Gleichwie: Das Thema bedürfe einer sachlichen Behandlung – auch mit Blick darauf, dass der Wolf weitere Nutz- und Wildtiere reißen könnte, wie Bernhard Haverkamp ergänzt.

Für erste Veränderungen hat der Wolf bereits gesorgt. Das Damwild in der Region beispielsweise ist nicht mehr so „sichtbar“, es tritt abends später aus dem Wald und hält sich im Gegensatz zu früher ausschließlich in Rudeln auf. Es reagiert also auf den Wolf.

Die Jäger, der Landkreis sowie der Wolfsberater bitten alle Bürger darum, Risse des Wolfes oder Sichtungen umgehend zu melden. Ansprechpartner sind die Jäger vor Ort sowie Wolfsberater Arndt Eggelmeyer. Er hat die Telefonnummer: 0171/ 9034426.


Verhalten I: In Deutschland leben Wölfe in der Regel in Rudeln von fünf bis zehn Tieren. Zwischen 150 und 350 Quadratkilometer beträgt die Reviergröße eines Rudels. Auf dem Speiseplan steht hauptsächlich Rehwild, gelegentlich auch Rot- und Schwarzwild. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Wölfe Schafe oder sogar Rinder angreifen, wie im Raum Cuxhaven geschehen. Derzeit gibt es im Land Niedersachsen acht Rudel – Stand Oktober 2016.

Verhalten II: In einem Flyer gibt der Landkreis Tipps, wie sich Menschen verhalten sollten. Hier ein Auszug: 1)„Geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Es sind häufig junge Wölfe, die nicht unmittelbar flüchten werden, da sie sehr neugierig sind. 2) Sollte sich ein Wolf nähern, machen Sie Lärm oder bewerfen Sie ihn mit Gegenständen. 3) Ziehen Sie sich langsam zurück. Gehen Sie niemals aktiv auf die Wölfe zu.

Bedrohung: Die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, ist statistisch gesehen geringer als die Gefährdung durch Hunde. Seit dem Zweiten Weltkrieg seien in Europa – einschließlich des europäischen Teils von Russland –fünf Menschen von tollwütigen Tieren getötet worden und fünf Menschen von gesunden Tieren, wie Wolfsberater Arndt Eggelmann betont.

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