15.03.2015, 19:45 Uhr

Rennfahrerin Hannelore Werner Fürstenauerin war einst schnellste Blondine Deutschlands


au Fürstenau. Zwölf Jahre lang, von 1960 bis 1972, ist kein Mann vor ihr sicher. Als Deutschlands erfolgreichste Profi-Autorennfahrerin ihrer Zeit lehrt Hannelore Werner die männlichen Konkurrenten auf den Rennstrecken der Welt reihenweise das Fürchten. Vielen älteren Fürstenauern kommt der Name der damals in ganz Deutschland populären Motorsportlerin noch sehr bekannt vor. Denn elf Jahre ihrer Kindheit und Jugend verbrachte Hannelore Werner in Fürstenau. Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert sie sich heute an diese Zeit.

„Die schnellste Blondine Deutschlands“, wie sie zu ihrer aktiven Zeit oft genannt wird, erringt damals unzählige Siege in der Formel Vau, Formel 3, Formel 2 und bei 24-Stunden-Rennen. Zeitungen und Fernsehsender berichten ständig über sie. Heute wohnt die mittlerweile 73-Jährige von der Öffentlichkeit zurückgezogen nach mehreren Umzügen in Boos in der Eifel.

Als Kind, im Alter von vier Jahren, kommt Hannelore Werner direkt nach dem Krieg nach Fürstenau – ihre Eltern mussten aus Schlesien flüchten. Als junges Mädchen, mit 15 Jahren, muss sie die Stadt wieder verlassen. Ihr Vater bekommt eine Arbeitsstelle in Köln. „Als wir von Fürstenau weg sind, habe ich geheult wie ein Schlosshund. Ich wollte nicht weg. Später bin ich immer wieder gerne zurückgekommen. Irgendwie hänge ich mein ganzes Leben lang an der Stadt“, sagt Hannelore Hennerici, wie sie nach ihrer Heirat 1979 heute heißt.

Als sie noch als Hannelore Werner in den 60er- und 70er-Jahren von Sieg zu Sieg bei Autorennen eilt und in ganz Deutschland bekannt und beliebt ist, wohnt sie zwar nicht mehr in Fürstenau, fühlt sich aber immer noch als Kind der Stadt. Sie kommt öfter mal in Fürstenau vorbei, denn die Stadt lädt sie nach Triumphen öfter mal ein, um sie zu ehren. In jener Zeit erscheinen auch mehrere große Berichte im Bersenbrücker Kreisblatt über diese Ehrungen.

Die Familie Werner wohnt vor ihrem Umzug nach Köln in einem Haus in der Bahnhofstraße in Fürstenau, in direkter Nähe zum Hotel Gresbrand. Heute, fast 60 Jahre später, weiß die ehemalige Rennfahrerin fast alles aus der damaligen Zeit: „Ich bin in der alten Volksschule in der Bahnhofstraße zur Schule gegangen, in dem weißen Teil des Schulgebäudekomplexes. In der Freizeit waren wir oft bei den Bauern in der Gegend zum Reiten, und wir haben auch mitgeholfen in der Landwirtschaft. Für uns Kinder war es eine schöne Zeit in Fürstenau. Wir haben viele Freiheiten gehabt, es war ein Abenteuerleben.“

Das letzte Mal besucht die Ruheständlerin vor drei Jahren die Stadt: „Da bin ich an den Plätzen von früher vorbeigefahren. Ich habe gesehen, dass sich gar nicht so viel verändert hat im Vergleich zu früher. Fürstenau ist auch heute noch ein hübsches kleines Städtchen.“ Kontakte hierher hat „dat Hannelor“, wie ihre Kölner Fans sie nennen, heute nicht mehr. Ihre beste Freundin von damals stirbt vor einigen Jahren, andere Freunde und Bekannte ziehen weg, andere Kontakte verlieren sich.

Das Interesse am Motorsport besteht auch heute noch bei Hannelore Hennerici, gut 45 Jahre nach Ende ihrer Karriere: „Natürlich verfolge ich noch Autorennen, das lasse ich mir nicht entgehen. Meine ganze Familie ist rennsportbegeistert. Ich bin vor Kurzem umgezogen und wohne jetzt in der Nähe des Nürburgrings. Das passt doch gut.“ Dort, auf Deutschlands bekanntester Rennstrecke, darf jeder, nach Anmeldung und gegen Bezahlung mit dem Privat-Pkw seine Runden drehen. Das reizt Hannelore Werner aber gar nicht: „Ich fahre nicht mehr selbst auf den Rennstrecken. Es ist auch eine Frage des Preises. Das ist ganz schön teuer heutzutage.“

Immer wieder blickt sie gern auf ihre aktive Zeit als Rennfahrerin zurück. Heute wäre es wohl nicht mehr möglich, sagt sie, dass eine Frau die männlich dominierte Autorennszene aufmischt, denn: „Der Rennsport von heute hat sich im Vergleich zu früher komplett verändert. Es sind zwar auch heute noch Frauen vertreten. Aber es gibt kaum welche, die solche großen Erfolge hatten wie ich damals. Es war eine wunderschöne Zeit für mich.“

Ihr Privatleben seit Karriereende Anfang der 70er verläuft eher weniger spektakulär auf der Überholspur, als mehr unauffällig auf dem Mittelstreifen. Zeitweise arbeitet die Rennsportbegeisterte wieder in ihrem gelernten Beruf als Zahntechnikerin, später betreibt sie eine Gaststätte.

1979 heiratet sie den Wohnwagenfabrikanten und Rennsportmäzen Günther Hennerici, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor, einer der Söhne wird später Leiter eines Rennstalls. Ihr Mann stirbt im Jahr 2000.

In der Autorennsportszene hinterlässt Hannelore Werner beziehungsweise Hennerici bis heute einen nachhaltigen Eindruck. Es kursieren viele Anekdoten über sie und ihre Karriere, zum Beispiel die, wie sie dem schon jubelnden Formel-Vau-Piloten Helmut Bross 1967 im belgischen Zolder mit einem haarsträubenden Manöver auf der Zielgeraden den sicher geglaubten Sieg raubt. „Das Weib fährt jenseits von Gut und Böse“, äußert sich der Rennfahrer damals hinterher.

Der renommierte Motorsportjournalist und ehemalige Rennfahrer Rainer Braun aus Much im Rheinland erinnert sich heute: „Zu Formel V-Zeiten, 1967/68, musste ich mit Hannelore wilde, hochdramatisch Kämpfe ausfechten. Sie hat mich oft genug blamiert beziehungsweise zur Weißglut gebracht.“ In einer Rennsportzeitschrift heißt es über diese Zeit: „So mancher Blamierte stand nach einem Rennen wie ein begossener Pudel neben der frech grinsenden Blondine auf dem Podest.“

Mit schnellen Autos hat Hannelore Hennerici heute nicht mehr viel im Sinn. Sie besitzt vier Pferde, denen ihre ganze Zuneigung gilt. Damit schließt sich der Kreis zu ihren Jahren in Fürstenau, wo sie schon als junges Mädchen gerne mal auf die Bauernhöfe zum Reiten gegangen ist.


0 Kommentare