20.04.2017, 16:02 Uhr

Interview mit Zeljko Dragic Alfhausener organisiert Pro-Europa-Demos in Osnabrück

Zeljko Dragic sieht sich als Europäer. Foto: Zeljko DragicZeljko Dragic sieht sich als Europäer. Foto: Zeljko Dragic

Alfhausen. Der Alfhausener Zeljko Dragic organisiert die Pro-Europa-Demonstrationen Pulse of Europe. Am Sonntag, 23. April 2017, treffen sich EU-Befürworter bereits zum fünften Mal auf dem Osnabrücker Marktplatz. „Die Jugend kennt nur ein Europa der offenen Grenzen. Wir wollen, dass sie das Besondere daran zu schätzen weiß“, sagt Zeljko Dragic.

Das Interview im Wortlaut:

Herr Dragic, was war Ihre Motivation, die Pro-Europa-Demos nach Osnabrück zu holen?

Mit dem Brexit und noch kurz vor den Wahlen in den Niederlanden schienen die Zeichen für ein gemeinsames Europa schlecht zu stehen. Dabei habe ich im Gespräch mit Freunden ganz anderen Erfahrungen gemacht. Die Grundstimmung bei uns im Land ist pro Europa, nur keiner bemüht sich, von der Couch aufzustehen.

Also haben Sie das in die Hand genommen.

Ich habe mit dem jungen Ehepaar aus Frankfurt, dass die Pulse-of-Europe-Bewegung gegründet hat, Kontakt aufgenommen. Damit sind wir in Osnabrück jetzt Teil einer deutschlandweiten Bewegung. Wir haben Mitte März mit 38 Menschen auf dem Osnabrücker Marktplatz begonnen und schon 14 Tage später haben sich mehr als 400 Menschen versammelt. Bis zur Bundestagswahl wollen wir uns einmal pro Monat treffen.

Warum ausgerechnet bis zur Bundestagswahl?

Wir wollen erreichen, dass die Menschen dann ihre Stimme den demokratischen Parteien geben und sich gegen rechte Parteien entscheiden. Zunächst möchten wir, dass die Wahlbeteiligung hoch ist und dann, dass europafeindliche Parteien keine Chance haben. Da freue ich mich natürlich über die große Zahl an Gegendemonstranten, wenn ein Parteimitglied der rechten Gesinnung nach Osnabrück kommt.

Sie versuchen über Aufrufe in den sozialen Medien, junge Menschen zu erreichen. Sehen Sie bei Ihnen einen europakritischen Trend?

Die jungen Menschen, die Mitte und Ende der 1980er-Jahre geboren sind, kennen nur ein offenes Europa, wie wir es heute haben. Ihnen wollen wir verdeutlichen, dass es ein Gewinn der Europäischen Union ist, dass wir ohne Grenzen reisen können, dass wir eine gemeinsame Währung haben, studentische Austauschprogramme möglich sind, genauso wie bilaterale Ehen. Europa steht für Meinungsfreiheit und Toleranz. Das alles ist nicht selbstverständlich. Doch neben den Vorzügen einer europäischen Union wissen wir auch, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.

Was sind ihre Aufgaben als Leiter der Bewegung?

Zunächst stehe ich in einem regelmäßigen Kontakt mit der ursprünglichen Bewegung in Frankfurt, dann stelle ich Anträge, verschicke Rundmails und erledige viel Papierkram. Aber besonders wichtig ist uns Organisatoren, dass wir auf den in Zukunft monatlich stattfindenden Demos ein vielfältiges Programm bieten. Dafür trifft sich regelmäßig eine Arbeitsgruppe, unter anderem mit Heidelinde Lugert, Bärbel Lange, Christian Kinner und Günther Hartmann. Ich koordiniere dabei das Team. Bei den Demos selbst übernehme ich die Aufgabe eines Moderators.

Was ist das „Offene Mikrofon“, zu dem Sie während der Demonstration einladen?

Beim „Offenen Mikrofon“ kann sich jeder zu seiner Idee eines Europas äußern. Dabei entstehen auch kritische Diskussionen, um die europäische Flüchtlingspolitik zum Beispiel. Es gibt unter den Menschen auch Ängste, die mit Problemen in der EU zusammenhängen. Wir gehen konstruktiv mit der Kritik um, weil wir wissen, dass vieles nicht perfekt ist. Aber wir wollen die EU nicht verdammen.


Zur Person

Zeljko Dragic (39) ist der Leiter des Bildungswerks in Melle. Der studierte Historiker wurde in Hannover geboren und lebt heute in Alfhausen. Er sitzt für die SPD im Rat der Samtgemeinde Bersenbrück.

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