19.04.2017, 20:04 Uhr

Was ist typisch deutsch? Kulturring Bersenbrück zeigt Multi-Kulti-Komödie

Der Kulturring Bersenbrück holte die Komödie „Achtung Deutsch“ nach Bersenbrück. Foto: Franz BuitmannDer Kulturring Bersenbrück holte die Komödie „Achtung Deutsch“ nach Bersenbrück. Foto: Franz Buitmann

Bersenbrück. In der letzten Regelveranstaltung der Saison des Kulturrings wurde in der Aula des Gymnasiums die Multi-Kulti-Komödie „Achtung Deutsch“ von Stefan Vögel und in der Regie von Jochen Busse, Schauspieler und Moderator, aufgeführt.

Die Aufführung, die der Kulturring Bersenbrück in den Altkreis geholt hat, war ein Gastspiel des Contra-Kreis-Theaters Bonn der Komödie im Bayrischen Hof. „Achtung Deutsch“ wurde im Juli 2014 bei den Privat-Theatertagen in Hamburg mit dem Monica-Bleibtreu-Preis als beste Produktion in der Kategorie Komödie ausgezeichnet.

Bürokratisches Missgeschick

Der Inhalt: Eine Wohngemeinschaft von fünf Studenten aus fünf Ländern hat sich im mietgünstigen sozialen Wohnungsbau angesiedelt – durch einen bürokratischen Irrtum allerdings eingestuft als deutsche Familie mit zwei Kindern. Hendrik Schlüter (Leenert Schrader), Oberhaupt der fünfköpfigen Studenten-WG aus fünf Ländern, übergibt seinem Mitbewohner Tarik, einem Syrer (Quadirh Hamou), der Spezialist für mittelhochdeutsche Lyrik ist, für die Zeit eines Skiurlaubs die Aufsicht über den kunterbunten chaotischen Haufen, der durch die lebenslustige Französin Virginie (Clara Cüppers), ihren aktuellen italienischen Lover Enzo (Nico Venjacob) und den trinkfesten Wiener Rudi (Matthias Kofler) komplettiert wird. Nicht zu vergessen ist der polternde Nachbar Friedhelm Schröder (Rene Toussaint), der seine Nase auch ungebeten in die Angelegenheiten seiner Nachbarn steckt und sich ständig gestört fühlt.

Familie wie aus dem Biulderbuch

Kurz nach Hendriks Abreise kündigt sich ein Überprüfungsbesuch von Jochen Reize (Steffen Laube) an, dem Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft, in dessen Wohnung die Fünf untergekommen sind. Da Tarik kurz vor der Einbürgerung steht, diverse Sozialleistungen und vor allem die günstige Miete das Budget der bunten Truppe doch erheblich entlasten, beschließen die Zuhause Gebliebenen, dem Prüfer eine perfekte deutsche Familie wie aus dem „Privat Fernseh-Bilderbuch“ zu präsentieren.

Turbulentes Karussell aus nationalen Klischees

Die Aufführung: Herrlich frisch, hoch aktuell und hintergründig wurde durch die Suche nach dem typisch Deutschen ein turbulentes Karussell aus nationalen Klischees und Multi-Kulti Stereotypen in Gang gesetzt, das für den Zuschauer eine hoch amüsante und gut unterhaltende Abendveranstaltung bot. Der Autor Stefan Vögel jongliert meisterhaft mit nationalen Klischees und zieht nur ein Volk noch mehr durch den Kakao als die Deutschen: sein eigenes. Die Österreicher kommen ganz schlecht weg, aber sie nehmen es wie so oft mit Humor. Vögel widerlegt die erheiternde Verallgemeinerung durch den Einzelfall, lässt aber bei aller Ironie ja doch ein liebevolles Augenzwinkern walten.

...und alle Fragen offen?

Die Frage am Ende ist nur: Was ist eigentlich nun wirklich typisch deutsch? Die zehn genannten Merkmale am Schluss der Aufführung jedenfalls hatten es in sich, wenn es beispielsweise hieß: Der Deutsche ist stolz auf sein Land, sagt das aber nur im Ausland, wo die Dinge nicht so funktionieren wie in Deutschland, oder: Der Deutsche distanziert sich von allem, was typisch deutsch sein könnte, außer Fußball, Bier und Kalbsbratwurst, und schließlich: Des Deutschen Humor ist nur dem Deutschen Humor.


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