01.12.2016, 19:00 Uhr

August-Benninghaus-Schule Eine Woche Drogenprävention in Ankum

Stephanie Terstegge und Annette Wessling (von links).

            

              Foto: Martin SchmitzStephanie Terstegge und Annette Wessling (von links). Foto: Martin Schmitz

Ankum. „Drogenprävention ist ein wichtiges Thema, das Schulen nicht aus den Augen verlieren dürfen“, sagen Stephanie Terstegge und Annette Wessling. Für die August-Benninghaus-Schule in Ankum bereiten sie mit einem Team eine Projektwoche vor mit Theater, Kino und vielem mehr. Dabei geht es um die vielfältigen Suchtgefahren, denen Jugendliche heute begegnen.

Frau Terstegge, Frau Wessling: Warum eine Projektwoche zur Suchtprävention an der Schule?

Terstegge: In jüngster Zeit standen andere Themen im Mittelpunkt unserer Projektwoche, das Flüchtlingsproblem zum Beispiel. Die Samtgemeinde Bersenbrück nimmt teil am Programm „Prävention als Chance“ (PaC). Darüber hinaus haben die Schulen an einer überregionalen Studie teilgenommen („Communities that care“), die die geleistete Präventionsarbeit überprüft. Hier zeigte sich, dass in unserem ländlichen Raum die Alkoholproblematik besonders im Vordergrund steht. Der Alkoholkonsum, auch schon im jüngeren Alter, wird oft als selbstverständlich hingenommen, die Gefahren werden übersehen.

Betrifft das alle Altersgruppen gleichermaßen?

Wessling: Den Zehn- bis Zwölfjährigen in den Klassen fünf und sechs ist die Suchtgefahr noch nicht bewusst. Deshalb wollen wir in dieser Altersstufe den Grundstein legen. Die Schüler sollen ihre eigenen Lebensgewohnheiten bewusst wahrnehmen lernen. Wir gehen auf Dinge ein, die später den Konsum von Alkohol und Drogen begünstigen. Die Schüler sollen Spiele kennenlernen, die ohne Strom auskommen, zum Beispiel ein Riesendomino. Es geht um bewusste Lebensführung, sogar einen Ernährungsplan stellen wir auf. Bei den älteren ist der Alkohol im Alltag schon präsent, das wird ja auch bei den Maigängen von Ankum nach Kettenkamp oder dem am Wochenende praktizierten „Vorsaufen“ deutlich.

Wie erreicht man die älteren Jahrgänge?

Terstegge: Da bietet sich eine Projektwoche geradezu an. Wir wollen diesmal möglichst viele externe Partner einbeziehen, die für die Schüler glaubwürdig sind, weil sie Erfahrung mit dem Thema haben. Dazu zählen Polizisten wie Manfred Egler oder Suchtberater der Caritas wie Mounir Wojtun. Wir sind schon gespannt auf Hermann Wenning. Aufgewachsen im ländlichen Westfalen, ist er über das Feierabendbier zu den harten Drogen gekommen. Der Sport half ihm schließlich, ins Leben zurückzufinden. Dankenswerterweise unterstützt uns das Gloria-Kinocenter mit einer Filmvorführung am Mittwochnachmittag. Wir sind schon neugierig auf den Film, den Jan Rathjen vom Präventionsrat in Bramsche für uns ausgesucht hat. Am ersten Tag präsentiert die Kulturschule Leipzig ein Theaterstück, das bei den Schülern eine hohe Motivation wecken soll, sich mit der Thematik zu beschäftigen.

Können Praktiker Inhalte besser vermitteln als Lehrer?

Terstegge: Es ist wichtig, Projektphasen dabei zu haben, in denen bewusst kein Lehrer dabei ist. Wir erhoffen uns davon, dass die Schüler mehr von sich preisgeben, wenn sie sich nicht in der „normalen“ Unterrichtssituation befinden. Andererseits begegnen wir unseren Schülern in einer Projektwoche auf eine andere Weise als im Unterricht und lernen sie intensiver kennen. Schule funktioniert schon längst nicht mehr als reine Wissenvermittlung im frontalen Unterricht. Aus diesem Grund sind unsere Beratungslehrerinnen Bärbel Heidebauer und Elisabeth Nieberg auch unsere schulinternen Fachleute zur Koordinierung dieser Projekttage. Durch ihre Ausbildung und ihre alltägliche Arbeit als Ansprechpartner für Schüler mit Problemen wissen sie, welche Inhalte und welche Referenten wichtig für eine erfolgreiche Projektgestaltung sind.

Wessling: Wir wollen auch die Eltern miteinbeziehen und haben einen Elternabend geplant. Bei den Anmeldungen sind auffallend viele Eltern von Schülern aus den jüngeren Jahrgängen dabei, weniger aus den älteren. Es ist wohl so, dass viele Eltern die Sorge umtreibt: Was kommt auf mein Kind zu? Wenn die Kinder dann in das entsprechende Alter kommen, geht man wohl eher davon aus, dass es irgendwie schon gut gehen wird.


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