24.11.2016, 07:00 Uhr

Schüler als Streitschlichter Ankum: Wo zwei sich streiten, schlichtet der Dritte

Wie ein Kopfverband angelegt wird, zeigte Klaus Hoffmeyer vom Alfhausener Malteser-Hilfsdienst jetzt den Schülern der Streitschlichter-AG der Grundschule Ankum. Auch Lehrerin und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft, Stefanie Steinkamp, sieht gespannt zu.Foto: Peter SelterWie ein Kopfverband angelegt wird, zeigte Klaus Hoffmeyer vom Alfhausener Malteser-Hilfsdienst jetzt den Schülern der Streitschlichter-AG der Grundschule Ankum. Auch Lehrerin und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft, Stefanie Steinkamp, sieht gespannt zu.Foto: Peter Selter

Ankum. Wenn Ankumer Grundschüler streiten, stellen andere Schüler den Frieden wieder her. Dafür haben die Streitschlichter jetzt sogar ein eigenes Büro.

In der Grundschule Ankum gibt es, wie an vielen anderen Schulen auch, Regeln, an die sich alle halten sollen. Da heißt es zum Beispiel, dass andere Kinder nicht beim Spielen gestört werden sollen, keiner sich selbst oder andere gefährden dürfe, niemand verletzt werde und nicht mit Stöcken, Sand, Steinen, Schneebällen oder anderen Sachen geworfen werde.

So viel zur Theorie. Nun zur Praxis: Dafür, dass die Regeln für den Schulalltag insbesondere in den großen Pausen eingehalten werden, sorgen jetzt die „Streitschlichter“ der Grundschule.

Die Drittklässler werden derzeit in iner Arbeitsgemeinschaft ausgebildet. Ab sofort sorgen sie in den großen Pausen dafür, dass kleinere und auch mal größere Streitigkeiten friedlich geklärt und konstruktiv gelöst werden.

„In der AG lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie zwischen zwei oder mehreren Streitenden vermitteln können und gemeinsam eine Lösung des Konflikts erarbeitet werden kann“, so Lehrerin Stefanie Steinkamp, die Leiterin der AG.

Die Streitschlichter-AG ist eine von insgesamt neun Arbeitsgemeinschaften, die zum Schulprogramm gehören. Die Ausbildung folgt einem Stufenmodell, mit dem die Gesprächsführungen einer Mediation und Streitschlichtung erarbeitet werden. „Am Ende jeder Stunde werden die neu gelernten Schritte in Rollenspielen erprobt“, sagt Stefanie Steinkamp.

Mit Vertrag

Geübt werde, die Gesprächsregeln einzuhalten, die Empathiefähigkeit zu trainieren und schließlich auszuprobieren, ob sie denn tatsächlich „ein offenes Ohr“ für die Konfliktparteien hätten, so Stefanie Steinkamp.

Ziel ist, am Ende zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, die in einem Vertrag festgehalten und abschließend bei einem Nach-treffen reflektiert wird.

Ein Erste-Hilfe-Kurs, der mit zwei Unterrichtsstunden zur Ausbildung gehört, soll die Schüler zusätzlich dazu befähigen, kleinere Wunden direkt vor Ort mit Pflastern, Verbänden oder Kühlpacks zu versorgen, bevor die Lehrer die weitere Versorgung übernehmen. Klaus Hoffmeyer vom Alfhausener Malteser-Hilfsdienst bildete die Schüler jetzt in Erster Hilfe aus und gab zahlreiche Tipps und Tricks für eine gute Versorgung von verletzten Mitschülern.

Nach der Ausbildung dürfen die Streitschlichter dann für den Rest ihrer Grundschulzeit praktisch tätig sein. Zu erkennen sind die Schülerinnen und Schüler an den gelben Warnwesten mit der Aufschrift „Streitschlichter“. Es sei geplant, den Umfang der Streitschlichterausbildung im künftigen Ganztagsschulbetrieb zu erhöhen, kündigte Liane Bunke an. „Pädagogik braucht Raum“, so die Schulleiterin, daher bekommen die Streitschlichter schon bald ihr eigenes Büro für ihre Tätigkeit.

Sich ausreden lassen, andere nicht beleidigen und nach einer gemeinsamen Lösung für den Streit suchen, das sei wichtig für ein gutes Miteinander, betont Liane Bunke. Das gilt übrigens nicht nur für die Grundschule.


0 Kommentare