16.11.2015, 05:32 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Fernwärmenetz lahmgelegt Brand in Bersenbrück: 100 Haushalte und Schulen betroffen


iwe/ms Bersenbrück. Ein Feuer in einer Biogasanlage in der Nacht zu Montag hat ein Fernwärmenetz in der Bersenbrücker Innenstadt lahmgelegt. Schulen, Rathaus, Kirche und über 100 Haushalte sind betroffen. Die Notversorgung ist angelaufen.

Aus noch ungeklärter Ursache ist eine 16 Meter lange Lagerhalle auf dem Gelände einer Biogasanlage nördlich von Bersenbrück in Brand geraten. Die Feuerwehr ist gegen 0.58 Uhr zum Brandort gerufen worden. Da brannte die Halle bereits in voller Ausdehnung, das Dach war eingestürzt. In der Halle lagerten Fette und Rückstände aus der Lebensmittelproduktion, die in der Biogasanlage vergoren werden sollten, mitsamt Verpackungen. Fünf Feuerwehren, unterstützt vom Technische Hilfswerk und einigen DRK-Sanitätern in Bereitschaft waren mit den Löscharbeiten beschäftigt. Die etwa 120 Einsatzkräfte zapften einen ergiebigen Bach in der Nähe an und pumpten zeitweise 10000 Liter Wasser pro Minute in die Flammen. Zwei Feuerwehrmänner wurden bei den Löscharbeiten nach Polizeiangaben leicht verletzt.

Keine giftigen Gase ausgetreten

Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Biogasanlage verhindern, wie die Polizei mitteilte. Es bestand damit nicht die Gefahr, dass giftige Gase austreten könnten. Ein Schadstoffmessfahrzeug der Feuerwehr war im Einsatz, es stellte keine erheblich belastenden Emissionen festgestellt.

Was die Feuerwehr nicht verhindern konnte: Die Flammen vernichteten den Generator für Stromerzeugung und die Steuertechnik für die Anlage. Der Generator wäre zu verschmerzen, erklärt Betreiber Johannes Hinkamp. Seine Anlage allerdings erzeugt Biogas, das per Pipeline zu zwei Blockheizkraftwerken im Bersenbrücker Zentrum geleitet wird. Die Anlagen erzeugen Strom und versorgen im Sommer das Freibad und im Winter sämtliche Bersenbrücker Schulen bis hin zu Berufsschulzentrum und Gymnasium mit Fernwärme. Auch das Rathaus, das Amtsgericht und die St. Vincentiuskirche im ehemaligen Kloster, ein Altenheim und andere Großabnehmer sind an das Netz angeschlossen. Seit einigen Jahren stoßen immer mehr private Haushalte hinzu, sodass nun an die 110 Haushalte betroffen sind.

In unterschiedlicher Weise. Zwei Drittel seiner Kunden seien „Teilversorger“, so Hinkamp. Sie hätten noch ihre alte Heizung und könnten in Notfällen wie diesem einfach umstellen. In der Tat betätigt eine Sprecherin der Samtgemeinde Bersenbrück, Schulen, Rathaus und Altenheim seien weiter mit Wärme versorgt.

Für die von-Ravensberg-Schule, nahe Bersenbrücks Oberschule ist eines der beiden Blockheizkraftwerke aufgestellt, will Hinkamp eine mobile Heizanlage zur Verfügung stellen. Außerdem lief am Montag eine Heizanlage an, die Holzhackschnitzel verbrennt. Diese Anlage hält der 49-jährige ebenfalls für Notfälle wie diesen bereit. „Bei milden Temperaturen wie jetzt müsste das reichen“, hofft er.

Der Biogaspionier stieg vor 15 Jahren ins Geschäft ein, musste viel Erfahrungen sammeln im Krisenmanagement, weil die Technik damals noch wenig ausgereift war. Die Biogasleitung und das Fernwärmenetz im Bersenbrücker Zentrum gehörten zu den ersten ihrer Art, der Unternehmer und die Samtgemeinde Bersenbrück wurden für eine vorbildliche öffentlich-private Partnerschaft ausgezeichnet.

Den Brandschaden schätzt Hinkamp auf etwa eine Million Euro. Nun setzt er alles daran, die Technik zu erneuern und die Anlage wieder anzufahren. Bis es soweit ist, könnten einige Wochen vergehen fürchtet er. Ein kleiner Trost bleibt ihm: „Immerhin ist niemand zuschaden gekommen, kein Fermenter ausgelaufen und auch keine Gülle.“ Zur Anlage auf seinem Hof, der seit dem Mittelalter existiert, gehören auch Hähnchenställe mit etwa 65000 Tieren.


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